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Vor Wahl: Zivilgesellschaft schließt Solidaritätspakt

Presseaussendung vom 4. Oktober 2017

Für soziale Sicherheit und Demokratie und gegen Angriffe auf zivilgesellschaftliches Engagement
Wien (OTS) – Wenige Tage vor der Nationalratswahl präsentieren Attac, epicenter.works, GLOBAL 2000, Greenpeace, die Katholische ArbeitnehmerInnen Bewegung, ÖBV – Via Campesina Austria, die Plattform 20000 Frauen, SOS Mitmensch, Südwind, die Volkshilfe und die Gewerkschaft vida einen Solidaritätspakt für den Schutz und Ausbau von zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräumen, sozialer Sicherheit, Menschenrechten und Demokratie.

Ohne eine lebendige und von Millionen Menschen unterstützte Zivilgesellschaft und Gewerkschaften wäre es um Umweltschutz, Menschen- und ArbeitnehmerInnenrechte, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und den Rechtsstaat in Österreich schlecht bestellt. Doch Angriffe auf viele dieser Errungenschaften und auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Handlungsspielräume werden immer häufiger. Dazu zählen:

– Der Abbau von rechtsstaatlichen Garantien, Grund- und Menschenrechten
– Einschränkungen der Versammlungs- und Meinungsfreiheit, offline und online
– Politische Einflussnahme auf die unabhängige Justiz sowie Angriffe und Anzeigen gegen RichterInnen
– Die Verschärfung von Überwachungsmaßnahmen
– Die Diskreditierung von NGOs, die Kürzung von Förderungen oder die Drohung, ihnen Geld zu entziehen
– Die Kriminalisierung von politischer Aktivität und legitimen Formen des Protests
– Der Versuch, bei unliebsamen Gerichtsentscheidungen die Verfassung zu ändern, um andere politisch gewollte Ergebnisse herbeizuführen
– Angriffe auf die demokratisch legitimierten Interessenvertretungen der ArbeitnehmerInnen und die innerbetriebliche Mitbestimmun
– Der Abbau von ArbeitnehmerInnenrechten und Angriffe auf den Sozialstaa
– Das Schüren von Vorurteilen gegen Bevölkerungsgruppe

„Wir rechnen auch in Zukunft mit weiteren Angriffen dieser Art. Mit dem Solidaritätspakt verpflichten wir uns gemeinsam unsere Stimme für die Demokratie, grundlegende Rechte sowie die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen für zivilgesellschaftliches Handeln zu erheben. Wir werden dabei auch solidarisch Beistand leisten und aktiv werden – vor allem, wenn einzelne Bevölkerungsgruppen oder Organisationen staatlicher Repression ausgesetzt sind“, erklären die Organisationen.

Für eine funktionierende Demokratie müssen die Grundrechte der gesamten Bevölkerung geschützt werden. Demokratische Freiräume und eine aktive und starke Zivilgesellschaft sind mehr denn je notwendig, um solidarische und emanzipatorische Antworten auf die gegenwärtigen Krisen zu entwickeln.

Die InitiatorInnen laden weitere zivilgesellschaftliche Organisationen in Österreich ein, sich dem Solidaritätspakt anzuschließen.

Rückfragen & Kontakt:
Solidaritätspakt der Zivilgesellschaft
David Walch
0650 544 00 10
presse@attac.at

4. Oktober 2017 More

Frauenpunkt 2017

Eine Kooperation am Volksstimmefest 2017, 2. und 3. September 2017
der Plattform 20.000 Frauen mit globalSista

globalSista – bar, comida & identity ist ein loses Kollektiv von brasilianischen, lateinamerikanischen und österreichischen Frauen, die mit leckerem Essen, wilden Getränken und starken Inhalten Einiges in Bewegung setzen.
Am Programm stehen Diskussionen zur Aktualität in Lateinamerika, Performances u.a. zur Arbeitswelt, Lesungen und eine open Stage für globalSistas aus Musik & more. Angesagt sind spontanen Künstlerinnen-Begegnungen, eine Jam-Session der Meisterinnen.

Wir bauen eine Mini-Bühne mit Sound und Licht – ideal für uns alle – es gibt auch die Möglichkeit, Filme zu zeigen… wir bringen einen Beamer mit, Computer muss selbst gestellt werden. Das Programm lässt sich jederzeit ergänzen, einfach ein Mail schreiben, wir freuen uns sehr!
An Essen planen wir verschiedene Köstlichkeiten – vegan, Käse, Fleisch oder Süßes. Bei den Getränken sind wir sehr kreativ… da gibt es für alle was! Im GastroKollektiv sind wir 6 Frauen, für die Organisation kommen noch einige mehr dazu…

Das Programm:
Programm für Samstag als pdf

Samstag 2.9. :
16:00 – „Frauen für Frieden und eine gewaltfreie Welt“

– eine künstlerische Intervention auf dem Festgelände – in Kooperation mit der Plattform 20000 Frauen, OBRA und STIXX – Frauen trommeln .
Konzept: Aiko Kazuko Kurosaki, Ausführende: STIXX, OBRA – Aktivistinnen und alle Frauen, die mitmachen wollen.

17:00 – 18:30 – Putsch, kalter Krieg und der Vormarsch der Neoliberalen: mögliche Gegenstrategien in Lateinamerika
Eine Diskussion mit Vertreterinnen aus Argentinien (Natalia Hurst/ Ni una Menos Austria), Brasilien (Célia Mara), Chile (tba) und Venezuela (Zoraida Nieto) mit einer Intervention von Podemos; Moderation Silvia Jura

19:00 – 20:00: Performance Sabine Marte (tbc)

20:00 – 22:00 open stage: women jam together
Musikerinnen, Sängerinnen, Performerinnen – welcome!
(Keyboard, Percussion und Guitar Amp sind vorhanden)

Programm für Sonntag als pdf

Sonntag 3.9.:
14:00 – 15:30 – Ni una menos? Diskussion zum Femizid in Lateinamerika.
Mit Beiträgen von Vertreterinnen aus Argentinien, Kolumbien, Mexico, Venezuela. (Namen tba) Moderation: Zoraida Nieto

15:30 – 17:00: „Frauen denken weiter: Frauen.Widerstand 2018“
100 Jahre Frauenwahlrecht, 100 Jahre Ende des ersten Weltkrieges, aber auch andere Jahrestage wollen wir nutzen um wieder ein starkes öffentliches feministisches Zeichen zu setzen. Dabei unterstützen wir auch die Initiative für das Frauenvolksbegehren 2.0 und wollen mit den Sprecherinnen über das Verbindende und Synergien Ermöglichende diskutieren.

17:00 – 18:00: Proletarier_innen aller Länder, vergnügt euch!
Was gilt als Arbeit, was als Faulheit – und für wen? Wer bestimmt die Regeln der Leistungsgesellschaft? Die Talkshow in einer überdimensionalen Hängematte verhandelt – Themen wie Grundeinkommen, Wirtschaftsdissidenz, Utopie und ihren Bezug zu Migration, Rassismus und der Festung Europa. Reden Sie mit! / ein Projekt im Rahmen der WienWoche, in Kooperation mit Maiz.

18:00 – 18:30: Lesung Karin Marinho
danach Open Mic: Töne und Worte aller Art…

20:00 – 22:00 Open Stage: women jam together
Musikerinnen, Sängerinnen, Performerinnen – welcome!
(keyboard, percussion und Guitar Amp sind vorhanden)

GlobalSista ist eine Initiative von Globalista: grenzüberschreitende Kulturarbeit und Forschung, in Kooperation mit femous: female & famous
Kooperation mit: Verein Facetten, Ni una Menos Austria, Maiz…
www.globalista.net

19. August 2017 More

Bildergalerie Fem. Tischgesellschaft 2017

alle Fotos ©Bettina Frenzel

10. Juni 2017 More

3. Feministische Tischgesellschaft am 10.6.2017

Ein Film von Magdalena Frey über die dritte feministische Tischgesellschaft ab sofort hier bzw. auf Youtube anzuschauen! Vielen Dank, Magdalena!!!

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Die 3. Feministische Tischgesellschaft findet am 10. Juni 2017 auf der Mariahilferstraße in Wien statt:

Die Plattform 20000 Frauen organisiert ihre dritte Feministische Tischgesellschaft, die am 10. Juni 2017, zwischen 13 und 17 Uhr in der gewohnten Location auf der Mariahilferstraße (Höhe Zieglergasse) stattfindet. Mit dieser Aktion nehmen sich Feministinnen öffentlichen Raum und versuchen, die Passant/innen in Gespräche, Aktionen usw. zu verwickeln.

 

Eine Perfomance um 14 Uhr,
„Frauen für Frieden und eine gewaltfreie Welt“
– eine künstlerische Intervention im öffentlichen Raum – in Kooperation mit der Plattform 20000 Frauen und OBRA.
Konzept: Aiko Kazuko Kurosaki, Ausführende: OBRA – Aktivistinnen und Cie. AIKO
beschreibt gleichzeitig den diesjährigen Schwerpunkt, „Frauen für Frieden und eine gewaltfreie Welt“. Die Tischgesellschaft wird auch Ausgangspunkt für Planungen für 2018 sein, wo eine noch nicht näher definierte größere Aktion aller Frauen in Ö geplant ist.

Aufruf für 2018

Teilnehmende Organisationen/Frauengruppen bei der TISCHGESELLSCHAFT 2017:
an:schläge
Gleichbehandlungsanwaltschaft
MA 57/ Frauenabteilung der Stadt Wien
SPÖ-Frauen (Bund und Wien)
KPÖ
Frauensolidarität I Women´s Solidarity
Vivaro – Viva Romnja
Radio Orange 94.0
Refugees for Refugees
Kongress Polnischer Frauen in Österreich
GIF – Gesellschaft unabhängiger Iranischer Frauen in Österreich
LEFÖ
AUFBRUCH
Frauen  der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich + Dokustelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus
Kurdische Frauen von AVESTA
wendepunkt und KASSANDRA
AÖF
Frauenhetz – Feministische Bildung, Kultur und Politik
Sorority
Frauenvolksbegehren 2.0
Verein Drehungen
FZ-Frauen
Wiener Plattform Atomkraftfrei
Solidarwerkstatt
Amnesty International
BDF / Bund demokratischer Frauen
OBRA
Frauenwohnprojekt Ro*sa Donaustadt + Hilde Schmölzer
MSLR – Margarete Schütte-Lihotzky-Raum

Bildergalerie hier!

2017: Folder „Waffenfirmen“

Save the Date – A5 Flyer

Aufruftext 2018:

1918 – 1938 – 1968 – 2018

Seit 100 Jahren entscheiden Frauen über das Zustandekommen und das Ändern von Gesetzen mit, die in unserer Gesellschaft gelten. Erst nach Ende des Ersten Weltkriegs und der damit neuen republikanischen Verfassung konnte das aktive und passive Wahlrecht für Frauen in Österreich verankert werden. Wir meinen, dass es nicht erst die Erfahrung von Krieg und Zerstörung braucht und das Leben von Millionen Menschen kosten darf, um Demokratie, soziale Sicherheit und gleiche Rechte für alle Wirklichkeit werden zu lassen.

Anlässlich von 100 Jahren Frauenwahlrecht treten wir für ein Wahlrecht für alle ein, die hier leben – weil die globale Wirtschaftsordnung anderswo Krieg, Armut, Ausbeutung und Zerstörung produziert und Menschen das Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben. Rechtlosigkeit bedeutet Schutzlosigkeit gegenüber Ausbeutung und Diskriminierung.

Mit europäischen Waffen und Soldaten werden anderswo auf der Welt Macht- und Ausbeutungsverhältnisse aufrechterhalten, die im reichen Norden den preiswerten Konsum sicherstellen und die Profite der Konzerne und Kriegsgewinnler erhöhen. Kriege sind von Menschen gemacht und können von Menschen verhindert werden!

Wir teilen die Überzeugung, dass alle Menschenleben gleich viel wert sind und dass alle Menschen ein Anrecht auf ein gutes Leben haben. Die Barbarei des Krieges, die neoliberalen Arbeitsverhältnisse und die Zerstörung der Natur schaffen unmenschliche Lebensbedingungen, die die Welt in einen Kollaps treiben.

2018 erinnern wir uns auch daran, dass die Errungenschaften von Republik, Sozialgesetzen und Frauenrechten nicht als gegeben angesehen werden dürfen. Was mit dem Faschismus Wirklichkeit wurde, bereitete der autoritäre Ständestaat ab 1934 Schritt um Schritt vor: die Einbeziehung deutschnationaler Ideologie, die Ausrichtung nach einer Kriegsmaschinerie und die Vernichtung von Andersdenkenden. Nicht zuletzt wurde dies durch staatliche Zensur, durch die Zerschlagung von demokratischen Strukturen und die Verfolgung und Verbote linker Parteien und Gewerkschaften erst möglich.

1968 markierte den Aufbruch in eine neue Zeit. Das Aufbegehren der Jugend richtete sich gegen die rigiden Moralvorstellungen ihrer Eltern und deren Nazivergangenheit. Antikriegsbewegungen entstanden im Schatten des Vietnamkrieges in den USA und in Europa. Weltweit wurde die Wiederaufrüstung zum Angelpunkt von Protesten. Auch in Österreich war das Mailüfterl eines neuen Kultur- und Politikverständnisses zu spüren. Der Widerstand fand Ausdruck in der Friedens-, Ökologie- und Anti-AKW-Bewegung. Nicht zuletzt entstand die Zweite Frauenbewegung in dieser Zeit. Die Forderungen nach sexueller Selbstbestimmung, ökonomischer Unabhängigkeit und der Kampf um den straffreien Schwangerschaftsabbruch waren zentrale Anliegen der Neuen Frauenbewegung, für die schon Frauengenerationen zuvor gekämpft hatten.

Heute, 2018, sind wir erneut besorgt um den Frieden in der Welt. Wir sagen laut: Die auch mit österreichischen Waffen geführten Kriege und Bürgerkriege sind nicht unsere Kriege! Nicht in unserem Namen! Wir sind überzeugt, dass Solidarität zwischen Menschen eine Zukunft für alle eröffnet und dass auf dieser Erde genug für alle da ist. Wir sagen, wie schon vor 100 Jahren: Frauen-Widerstand ist möglich! Frauen-Widerstand ist nötig! Nutzen wir unsere Stimme, nicht nur bei Wahlen!

Frauen denken weiter: Frauen. Widerstand 2018
1. Treffen: Dienstag, 7. November 2017, 18 Uhr
im KosmosTheater, Siebensterngasse 42, 1070 Wien, www.kosmostheater.at

19. April 2017 More

„Fuck you“ von Luise Gubitzer

Beinahe eine Buchrezension zum Internationalen Frauentag am 8.3.2017

Download des Textes als pdf

„Eine Poesie des „Fuck you““ ist die Überschrift eines Kapitels in dem 2016 erschienenen Buch einer jungen Feministin, Margarete Stokowski, mit dem Titel „Untenrum frei“.

An unterschiedlichen Stellen des Buches erklärt sie warum sie Feministin geworden ist. Ein Grund ist, weil sie anerkennt und dankbar ist für das, was andere Feministinnen früher für sie erkämpft haben, von dem sie heute profitiert. Es sind vor allem die Freiheit von und die Freiheit zu. Feministinnen haben erkämpft, frei von patriarchalen Abhängigkeiten zu sein, die Freiheit zu wählen und gewählt zu werden, die Freiheit einer Erwerbsarbeit nachzugehen, ein eigenes Einkommen zu erzielen und darüber frei zu verfügen, die Freiheit sich jede Art von Bildung anzueignen und jede Art von Beruf auszuüben, die Freiheit über den eigenen Körper zu verfügen. All diese Freiheiten werden durch Gesetze gewährt, durch eine demokratisch legitimierte Rechtsordnung und Rechtsinstanzen. Ab der Erkämpfung des Wahlrechts haben Frauen die Rechtsordnung und die Demokratie wesentlich mitgestaltet, weil gilt: eine Person eine Stimme.

Ich denke, bei Wahlen ist das noch immer so. Aber, was davor und danach geschieht, ist nicht so. Wer mehr Geld hat, hat mehr Einfluss. Und das sind mehrheitlich nicht Frauen. Weder als Eigentümerinnen von großen Vermögen noch als Entscheiderinnen über große Beträge im Topmanagement.
Vor und nach Wahlen geschieht Entscheidendes. Einflussnahme erfolgt z.B. durch Netzwerke, früher haben Frauen das Patriarchat genannt. Mit dieser werden Wahlen gewonnen und danach werden interessensgeleitete Gesetze beschlossen, Verträge abgeschlossen und erfolgt die Hinterfragung von Entscheiden Oberster Gerichte. Dabei geht es großteils noch nicht um Gleichstellungsgesetze. Aber es geht um die Untergrabung der Demokratie und der Rechtsordnung und daher sollten Frauen ihre Stimme erheben, die Gefahren zur Sprache bringen und die Vorgänge beeinspruchen.

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Aufgabe zu prüfen, ob ein Bescheid auf Basis von Verträgen und Gesetzen verfahrensgemäß erfolgt ist. Er prüft das gesetzmäßige Handeln von Verwaltungsbehörden. So hat er das auch bei der Prüfung des Baus einer dritten Piste am Wiener Flughafen getan. Alle Unterlagen, die er herangezogen hat, wurden von demokratisch gewählten Politiker_innen beschlossen und unterzeichnet. Und jetzt sind es demokratisch gewählte Politiker, die diesen Entscheid auf das Schärfste kritisieren. Was geschieht da? Dass diverse Manager und Kämmerer den Entscheid kritisieren, wundert mich nicht. Sie haben Geschäft, Umsatz, Gewinne, Macht im Kopf. Aber demokratisch-legitimierte Politiker?

Das ist nur ein aktuelles Beispiel für Vorgänge in Österreich. Auf EU-Ebene ist ein Beispiel die Nicht-Reaktion der EU als in Rumänien das Antikorruptionsgesetz novelliert werden sollte. Nicht EU-Gremien haben das massiv beeinsprucht, sondern die Bevölkerung Rumäniens hat die Zurücknahme erreicht. Auf wie lange? Die EU lässt zu was mit der demokratischen Rechtsordnung in Polen und in Ungarn geschieht und sie macht Verträge mit jenem Mann, der fundamentale Rechte außer Kraft setzt und gegen 2854 Richter_innen und Staatsanwält_innen Haftbefehle erließ, mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Demokratisches Recht ist durch Politiker und auch durch manche Politikinnen, wie Marine Le Pen, gefährdet.

Recht ist aber auch gefährdet durch Unternehmen, die über Parteienfinanzierung, Medienbesitz, Bezahlung teurer Lobbyisten Politiker_innen für ihre Interessen gewinnen. Das offensichtlichste Beispiel sind die Vorgänge in den USA. Hunderttausende Frauen mit pinkfarbenen „Pussy-Hats“ sind dagegen beim „Frauenmarsch auf Washington“ im Jänner 2017 auf die Straße gegangen.

Die Rechtsordnung wird sowohl von Politiker_innen als auch von Unternehmen und Vermögenden massiv für ihre Interessen umgestaltet. Sowohl der Vorgang, als auch die Ergebnisse sind alarmierend. Recht und Demokratie sind die zwei Fundamente, die Frauen die Freiheit von und die Freiheit zu ermöglichen. „Fuck you“ ist notwendig und nicht nur „eigentlich“ sondern wirklich, wenn diese gefährdet sind.

In Kapitel 6 verweist Margarete Stokowski auf einen Text von Kurt Tucholsky aus 1928 in dem steht, dass „eigentlich“ kein Wort, sondern eine Lebensauffassung sei. Menschen leben vor sich hin, sagen aber „eigentlich“ seien sie was völlig anderes: Rebellen, Dichter. Sie schreibt: „In den schwachen Momenten neigen wir dazu, unsere Haltung hinter einen Satz zu schieben, der mit „eigentlich“ anfängt und dabei zu vergessen, was unsere Handlungsmöglichkeit wäre, das heißt: was unsere Freiheit ist. Für diese Momente hilft es, eine Poesie des „Fuck you“ zu entwickeln und in sich zu tragen, wie ein Mantra“ (S.189). So könne die eigene Handlungsfähigkeit erhalten bleiben und Frauen sich erinnern, wofür sie stehen. Das „Fuck you“ kann eine „magische Formel“ sein, die stärkt „für unsere Ziele zu kämpfen“. „Ein Großteil feministischen Handelns besteht darin, sich nicht verarschen zu lassen.“ Nicht durch Ablenkung, nicht durch Beschimpfung, nicht durch Verbreitung von Mythen, Vorurteilen und Klischees, nicht durch den Vorwurf der Übertreibung der „political correctness“ durch geschlechtersensible Sprache. Es gibt konstruktive Kritik und es gibt „Fuck you- Anwärter*innen“ (S. 190). Das „Fuck you“ kann daher eingesetzt werden als Mantra, zur Gelassenheit gegenüber Kritik, zur Selbstvergewisserung um die Stimme zu erheben und um klar zu machen: Mit mir nicht.

Mit dem Mantra „Fuck you“ sollen sich Frauen stärken, wenn sie unsicher werden, ob der Feminismus noch gebraucht wird. Denn die Kritik gegenüber Feministinnen ist wieder härter geworden. Feministinnen würden „übertreiben“, verhielten sich „bescheuert“, seien „anstrengend“, hätten kein Verständnis für Notwendigkeiten wie zum Beispiel für die, dass so viele Männer Präsidenten seien oder in Vorstandsetagen sitzen, weil es keine qualifizierten Frauen gäbe; oder dafür, dass es eben eine Notstandsverordnung und ein Fremdenrechtspaket, eine Sicherheitsdoktrin und eine dritte Startbahn am Wiener Flughafen braucht.
Der Feminismus würde im 21. Jahrhundert in Europa nicht mehr gebraucht werden, wird behauptet. Jene, die das meinen fragt sie: „Heißt das, Du glaubst, das hier ist der Endzustand?“ (S. 193): Die 22% Gender Wage Gap; der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen; 12 Stunden Erwerbsarbeit pro Tag; die sexuelle Gewalt gegen Frauen; die Art, wie wir leben; die Präsidenten Orban, Duda, Erdogan in Europa und Trump in den USA? Das alles soll „das abschließende Ergebnis aller Kämpfe und Diskussionen um Gleichstellung sein?“ (S. 193) Sie meint, dass es das nicht sein kann und schreibt: „Ich will nicht, dass Olympe de Gouges (1748-1793) ihren Kopf dafür hergeben musste, dass wir uns heute umschauen und sagen: Mehr geht nicht. Wir würden damit alle verarschen, die uns hierher gebracht haben, und ich verarsche nicht gerne Menschen, die etwas für mich getan haben. Also machen wir weiter, und wir brauchen keine Erlaubnis dafür: „I need no permission, did I mention“ zitiert sie Beyoncé“ (S. 193).

Wichtig ist, dass Frauen nicht aufhören Zustände, die ungerecht sind als Ungerechtigkeit zu sehen, darüber Wut zu empfinden und diese auch auszudrücken. Solche Zustände sind kein Naturgesetz, kein Sachzwang, keine Notwendigkeit, dass sie so sein müssen. Sie sind zu verändern.

Hannah Arendt (1958/1994, S. 180) schreibt, dass „das Handeln und Sprechen … sich in dem Bezugsgewebe zwischen den Menschen“ vollzieht. Mit „politisch handeln“ wird ein eigener Faden in das gesellschaftliche Gewebe gewebt, das man nicht selbst gemacht hat. Ein solches Gewebe ist der Feminismus. Ein Gewebe, das unsere feministischen Ahninnen begonnen haben zu weben. In dieses weben sich junge Feministinnen ein und entwickeln und tragen den Feminismus weiter. Das tun sie unter anderem in dem sie das Wort ergreifen. Und sei es nur mit einem „Fuck you“.

Durch das öffentliche Bildungssystem, das Feministinnen miterkämpft haben, sind viele Frauen sprach-, kritik-, und reflexionsfähig geworden. Manche, wie Frau Stokowski, melden sich daher „radikal“ zu Wort. Was für sie bedeutet, dass man genau und präzise sagt, was man meint und was ist. Sprache ist das, was wir teilen. Über Sprache sind wir fähig uns mit anderen zu verständigen. „Aber die Sprache mit der ich das alles formuliere, ist nicht meine, ich habe die Worte nicht erfunden, ich leihe sie mir nur aus und gebe sie an die Welt weiter“ (S. 196) Damit sich Frauen wie sie, Worte leihen können, ist es notwendig, dass es auch weiterhin feministische Forschung gibt in allen Bereichen. Auch und gerade in der Ökonomie. Denn Feministische Ökonomie gibt Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit Ökonomie anders zu denken, neue Begriffe zu entwickeln, ungerechte Zustände sprachlich zu benennen und Maßnahmen zu deren Veränderung zu formulieren. Aber auch dazu braucht es die rechtlich gesicherte Forschungsfreiheit. Margarete Stokowski schließt ihr Buch mit dem Satz: „Ich habe an das Aufstehen und an das Liegenbleiben geglaubt, an die Ruhe und den Sturm, und ich weiß nicht, was noch kommt und woran ich in meinem Leben noch glauben werde, aber ganz sicher niemals ans Schweigen.“ (230).

Die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Demokratie, ihrer Rechtsordnung, und Rechtsorgane ist die Voraussetzung das Frauenrechte gewährt sind. National, supranational und international ist das keine Selbstverständlichkeit – mehr. Es gibt Entwicklungen, die die Demokratie und die demokratische Rechtsordnung als altmodisch, überholt, ja als dekadent erscheinen lassen. Politiker machen sich breit, die für sich das Führerprinzip in Anspruch nehmen und die den Rechtsstaat als „Normenstaat“ in einen „Maßnahmenstaat“, einen „Repressionsstaat“ umändern.

Feminismus ist international, vielfältig, aber niemals neutral und schweigsam.

Auch dazu nicht.
Literatur:
Stokowski, Margarete (2016): Untenrum frei. Rowohlt. Hamburg.
Arendt, Hannah (1958/ 1994): Vita Activa oder Vom tätigen Leben. Piper. München/ Zürich.

Luise Gubitzer ist Ökonomin und Professorin am Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie, Department Volkswirtschaft, WU Wien, luise.gubitzer@wu.ac.at

14. April 2017 More

Friedensapell WILPF – Rom Erklärung April 2017

Frauen vereint für ein friedliches Europa in einer friedlichen Welt

WILPF – Rom-Erklärung als pdf hier

Europa steht 2017 am Scheideweg – Kooperation und Errungenschaften stehen auf dem Spiel. 60 Jahre nach den römischen Verträgen hat die EU viel Kredit verloren bei Frauen, die an Frieden und Gerechtigkeit, ein gutes Leben in Sicherheit und Beteiligung an Entscheidungen glaubten.

Unsere feministische Vision war und ist inklusiv, gleichberechtigt, demokratisch, gerecht, nachhaltig und friedlich. Sie setzt auf Pluralismus, Diversität und die Garantie von Rechten. Sie ist für IFFF/WILPF die Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft.

 

WAS UNS SCHON IMMER UND AUCH HEUTE BEWEGT:

    • Die Notwendigkeit, gemeinsam Nationalismen und Traumata vom Krieg zu überwinden, unsere grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um gegenseitiges Vertrauen und Solidarität zu befördern in einer offenen und säkularen Gesellschaft.
    •  Die EU ist nicht nur ein Raum für Geld und Märkte. Europa ist mehr als die EU. Europa ist die Heimat ihrer BürgerInnen und derer, die bei uns Zuflucht gefunden haben und finden, weil sie ihre Heimat und Lebensräume verlassen mussten.
    • Es gehört zum kulturellen Erbe Europas, dass Menschen Mauern eingerissen haben und grundlegende Freiheiten und Demokratie mit gleichberechtigter Beteiligung von Männern und Frauen geschaffen wurden.
    • Die meisten EuropäerInnen haben die Lektion aus dem Kolonialismus verstanden und respektieren universelle Menschenrechte als Teil globaler Verantwortung auch für den Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen, ohne Natur zu schädigen und Menschen auszubeuten.
    • Die Wirtschaft muss den Menschen dienen und nicht Profite und Interessen einiger Weniger. Menschliche Sicherheit wird erreicht durch die Vermeidung von Konflikten und dem Schutz von Frauen.

 

HERAUSFORDERUNGEN FÜR UNS FRAUEN 2017: FÜR EINE FRIEDLICHE UND GERECHTE ZUKUNFT:

Die EU steht für ein ökonomisches Modell, das Ungleichheiten und Ungerechtigkeit überall auf der Welt vergrößert hat. Die Kluft zwischen arm und reich wächst auch in unseren Gesellschaften. Die Interessen multinationaler Unternehmen, Austeritätsmaßnahmen, ungerechte Steuersysteme, das Fehlen und Abbau öffentlicher Sozial-und Gesundheitssysteme – einschließlich reproduktiver Rechte – bedrohen die Grundlagen unseres Gemeinwesens, die Unabhängigkeit von Frauen und ihre gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe.

Die EU wird zu einem Raum der Exklusion, wo Regierungen neue Mauern bauen, “effiziente” Pushbacks für Flüchtlinge organisieren, Deals mit undemokratischen Führern vereinbaren, um neue “sichere Herkunftsstaaten” zu definieren und weiter die Festung Europa militarisieren. Diese Politik steht oft im Widerspruch zu Völkerrecht und internationalen Menschenrechtsvereinbarungen.

In der EU herrscht Angst vor, die von populistischen/nationalistischen Politikern und rechten Medien geschürt werden. Frauen sind nicht nur mit alten Formen patriarchaler Unterdrückung konfrontiert, sondern kämpfen gegen neue Formen der Diskriminierung, die „Gender“ als Kategorie bekämpfen und offen Rassismus und Hass predigen. Viele wenden sich an autoritäre Führerfiguren, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen.

Das Konsum-und Produktionsniveau (und die Produktionsweise) in der EU und in Europa verschärfen den Klimawandel und sind eine zusätzliche Quelle für Konflikte, Hunger und Zwangsmigration.

Der militärische Pfeiler der EU wird ausgebaut mit der Implementierung der neuen “Global Strategy”, dem Outsourcen des Grenzmanagements an die NATO. Die Steigerung der Militärbudgets in den Mitgliedsstaaten, die Ausrüstung mit neuen Waffengenerationen und ein nukleares Revival in Verbindung und Neubekräftigung der Abschreckungslogik ist extrem gefährlich.

 

WILPF FRAUEN ARBEITEN DARAN, DASS SICH ETWAS ÄNDERT

WILPF ist die älteste Frauenfriedensorganisation. Im Geiste unserer Gründungsmütter und eingedenk der aktuellen gefährlichen Entwicklungen sind wir überzeugt, dass es höchste Zeit ist, sich für ein anderes friedliches und gerechtes Europa einzusetzen. Ligafrauen aus ganz Europa haben sich in Rom getroffen, um unsere Rolle „agents of change“ zu bestätigen. Wir betonen unseren Mut, komplexe Antworten auf komplexe und globale Fragen zu geben. Wir arbeiten über Grenzen hinweg mit unseren europäischen Sektionen und Frauen aus Nachbarregionen in vielen Netzwerken und im Rahmen einer globalen Verantwortung zusammen. Wir werden weiterhin mit einer Genderbrille die Wurzeln von Kriegen und Gewalt benennen und für gewaltfreie Aktionen mobilisieren.

 

WIR RUFEN UNSERE REGIERUNGEN; PARLAMENTARIERINNEN UND EU INSTITUTIONEN AUF

    • Move the money from war to peace! Investieren sie das Geld wo es dringend gebraucht wird für die Menschen: in sozialer Sicherheit, Bildung, Gesundheit und Gleichberechtigung!
    •  Stoppen Sie den Waffenhandel in Konfliktregionen und beachten sie den Zusammenhang von Waffenlieferungen und geschlechtsbezogener Gewalt (CEDAW), verringern sie die Produktion von Klein-und Leichtwaffen und insbesondere Massenvernichtungswaffen!
    •  Nehmen Sie aktiv Teil und Anteil an den gerade begonnenen Verhandlungen zu nuklearer Abrüstung.
    • Bauen Sie die NATO ab, entnuklearisieren Sie Europa und stoppen Sie die Abschreckungslogik!
    •  Investieren Sie in eine Globale Strategie, die der Prävention Vorrang gibt und eine weitere Militarisierung unserer Gesellschaften verhindert!
    •  Setzen Sie die Nachhaltigen Entwicklungsziele um (SDGs), unter besonderer Berücksichtigung Ziel17
    •  Schaffen Sie ein Asylgesetz, das nicht nur menschenrechtliche und völkerrechtliche Vorgaben erfüllt, sondern Priorität für den Schutz, die spezifischen Bedürfnisse und eine sichere Unterbringung für Frauen und Mädchen gewährleistet, gegenüber patriarchalen Strukturen und geschlechtsbezogene Gewalt in ihrem Herkunftsland, auf der Flucht und in Europa. „Frauen und Flucht“ muss integraler Bestandteil der Nationalen Aktionspläne zur UNRes 1325 sein!
    •  Respektieren sie die Women, Peace and Security/WPS Agenda mit der Umsetzung der UNRes 1325, ohne diese für militärische Ziele zweckentfremden!
    • Unterstützen Sie Frauenprojekte, Kooperation, Frauenforschung und Friedenserziehung als Teil der Bildung einer Kultur des Friedens!
    • Verstärken Sie neue Modelle von Konsum und Produktion, die die Grenzen des Wachstums und die Gemeinwohlökonomie einbeziehen!
    •  Respektieren sie die uneingeschränkte Bedeutung von Gleichberechtigung und der Care-Wirtschaft, die Teil eines Frühwarnmechanismus für eine friedliche und gerechte Gesellschaft sind.
    •  Ratifizieren Sie die Istanbul Konvention und implementieren sie entsprechende Schutzmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt!
    •  Tragen Sie aktiv zu Klimaschutzmaßnahmen bei durch die volle Umsetzung des Pariser Abkommens mit einer gendergerechten Agenda!
    • Stoßen Sie mit uns 1000 Ideen und Visionen für die Ausbildung eines Europa der BürgerInnen an: Europäische (Tage in ) Schulen und Institutionen, Europäischen Zivildienst, mehr Erasmus und andere Austauschprogramme, billiges “Interrail,” cross border Festivals, Schaffung europäischer Medien
4. April 2017 More

Bildergalerie OBRA 2017

alle Fotos © Bettina Frenzel

15. Februar 2017 More

„Ihre Sorgen möchten wir haben“ …

… wirbt ein Versicherungskonzern für Kunden. Ähnlich agieren Integrationsminister Kurz und FPÖ-Chef Strache, indem sie aus einem Stückchen Stoff zuerst ein Problem machen, das sie dann zu beseitigen versprechen. Wie das Amen im Gebet werden in regelmäßigen Abständen Debatten inszeniert. Wir erinnern uns z.B. an die Burkini-Debatte im Sommer, die einzig den Sinn hatte, abzulenken von den wirklich tiefgreifenden Problemen, vor denen unser Land steht. Nun im Winter kommt das Kopftuchverbot, das Strache, Kurz und auch Integrationsexperte Faßmann fordern.

Was ist denn geschehen, dass wieder eine Kopftuch-Diskussion vom Zaun gebrochen wird? Ist jemand mit einem Kopftuch erschlagen, erschossen, erdrosselt worden? Nichts ist geschehen. Vielmehr geht es um Vorbeter und Nachbeter. Die FPÖ z.B. verlangt ein Burka- oder Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst, an Schulen und Universitäten. Um keine Kunden, sorry, Parteimitglieder an die Blauen abtreten zu müssen, betet das rechte ÖVP-Lager nach. Die haben nämlich gerade eine Obmann-Debatte, und Sebastian Kurz möchte sich profilieren, indem er Strache hinterher hündelt. Einen Widerspruch zu den Kreuzen in den Klassenzimmern sieht der VP-Minister nicht, die würden schließlich zur historisch gewachsenen Kultur gehören. Und um alle Mitglieder seiner Partei zufriedenzustellen, meint er, „Österreich ist zwar ein religionsfreundlicher, aber auch ein säkularer Staat“. Jedem das Seine, sofern es den eigenen religiösen Wertekatalog anlangt. Besonders hinterfotzig ist, dass wieder einmal Frauen für diese Schleierfahndung missbraucht werden, denn Kopftücher werden von Frauen getragen – hier wie dort.

Die Kopftuch-Debatte, mit der Feindbilder produziert werden, erinnert fatal an unsere Vergangenheit. Eine „historisch gewachsene Kultur“ schloss das „Andere“, das „Fremde“ schon einmal aus dem Wertekatalog aus. Der rassistische Völkermord war die Folge.
Bärbel Danneberg

Deshalb solidarisieren wir uns mit den muslimischen Frauen, die auch in ihrem Beruf ein Kopftuch tragen wollen und verurteilen die billige Stimmenfängerei im rechten Lager durch „Integrations“minister Kurz auf Kosten des Selbstbestimmungsrechts von Frauen.

12. Januar 2017 More

Bildergalerie „internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ 25.11.2016

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alle Fotos: ©Bettina Frenzel

25. November 2016 More

Friedensaktion am Nationalfeiertag 2016

Friedensaktion am Nationalfeiertag: 26.10.2016

Aufruf an alle Friedensaktivistinnen:

Mittwoch, 26. Oktober 2016, 12.00
Michaelerplatz/ Ecke Kohlmarkt, 1010 Wien

Entwaffnet euch! Genug geKRIEGt! Genug getötet!

Flashmob der Plattform 20000 Frauen mit Pace-Fahnen. Wir beginnen beim Stand der Plattform für eine atomkraftfreie Zukunft am Michaelerplatz. Von dort aus durchtanzen und unterwandern wir die Leistungsschau des österreichischen Bundesheers mit bunten Friedensfahnen. Begegnungen mit Chor2go, einer Initiative, die sich singend für die Wiederwahl von Alexander van der Bellen zum Bundespräsidenten einsetzt, und mit den Aktivist/innen der Solidarwerkstatt Linz, die eine Kundgebung zum Thema „Aktiv neutral statt EU-militarisiert“ abhält, werden uns dabei sehr freuen.

Flugblatt 26.10.2016Flugblatt hier!

Nationalfeiertag 26.10.2016 Friedens-Flashmob

Bilder hier! Nationalfeiertag 26.10.2016 Friedens-Flashmob

21. November 2016 More

Bildergalerie Friedens-Flashmob 26.10.2016

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alle Fotos: ©Bettina Frenzel

27. Oktober 2016 More

Von der Not-Wendigkeit sexistischer Werbung und Adbusting als Subversion des Augenblicks / Ulli Weish

Artikel für Katharina Sarikakis Blog univieannamedialab.worldpress.com

Von der Not-Wendigkeit sexistischer Werbung und Adbusting als Subversion des Augenblicks

Ulli Weish 14.7.2016
Die Europameisterschaft 2016 im Fußball ist vorbei. Als verlässliche Begleiter konnten auch heuer wieder vielfältige Sexismen insbesondere in der Sportwerbung beobachtet werden. Verlässlich wie redundant arbeitet der internationale Sportwettenanbieter bet-at-home wiederholt mit plumpem Sexismus und lässt sich seine Kampagne mit Printsujets als Spanner-Plakate gestalten. Zur Erinnerung: Eine junge dunkelhaarige nackte Frau mit Blick in die Kamera hält einen Fußball unter dem Arm, freier Blick auf Po und Seitenansicht des Busens stehen im Zentrum des Sujets, umrahmt mit schwarzen Rändern, um den Eindruck eines Fernglases zu erzeugen, das auf sie gerichtet ist. Der Werbespruch daneben wirbt mit ‚Das Leben ist ein Spiel‘. Die für die Gestaltung verantwortliche Agentur Ganterundenzi ist ebenso wie der Auftraggeber für keine Stellungnahme bereit, nichtmals für den ORF im Laufe der gesamten folgenden Kalenderwoche, weder für das Kulturjournal am Mo, 4.7.2016 noch für orf.on (http://orf.at/stories/2348315/ ), und schon gar nicht für alternative kritische Medien. Die Agentur deutet die öffentliche Kritik zu ihren Sujets als mangelnde Liberalität, fehlende Lebensfreude und moralischen Konservativismus um (http://www.gantnerundenzi.com/kritik/ ). Mit Sexismus möchten sie sich nicht befassen, weder mit verschiedenen Lesarten, ob intendiert oder nicht, noch mit möglichen Folgeschäden einer sexistischen Rezeption, die breit und divers ist und niemals monokausal begründbar sein kann, wenn Übergriffe auf Frauen und Mädchen stattfinden. Überall, zu jeder Zeit, in jeder Stadt, in jedem Staat, kulturell anerzogen, medial dramaturgisch angelegt und seit den poststrukturalistischen Debatten rund um Postfeminismus (vgl. Gill 2015: 249) ironisiert, ambivalent lesbar, und dadurch amorph. Kritische Werbewirkungsforschung geht von verschiedenen Zielgruppen und Betroffenen aus, sexistische Werbung ist daher besonders triggernd für Opfer von sexuellen Gewaltverbrechen (Blake 2015: 92f.).

Die Kritik des österreichischen Werberats zum betreffenden Sujet – siehe http://www.werberat.at/beschwerdedetail.aspx?id=4829 – ebenso wie die der drei österreichischen Watchgroups gegen Sexismus in der Werbung in Graz (http://www.watchgroup-sexismus.at/cms/?p=2212 ), Wien (seit 2. Juni http://www.werbewatchgroup-wien.at/entscheidungen/aktuelle?_%5BADS%5D%5Bid%5D=3379 und Salzburg ( http://www.watchgroup-salzburg.at/2016/06/26/sexistische-werbung-des-wettanbieters-bet-at-home-com/

war eindeutig, aber dennoch wirkungslos, da ohne Konsequenzen ausgestattet. Die Selbstregulation der Werbebranche durch den Österreichweit agierenden Werberat (ÖWR) hat zweifelslos an Bedeutung zugenommen, doch allzu wirksam ist das Instrument in Fällen wie diesem nicht. Der Mechanismus ist bekannt und altbewährt. Denn wenn auch selten wie in diesem Fall einhellig die Plakatkampagne von bet-at-home als sexistisch verurteilt wurde und die Betreiber ersucht wurden, die Kampagne einzustellen, doch die Auftraggeber sich schlichtweg weigern (was ihr Recht ist, denn Selbstregulation baut auf Verständigung und Selbstreflexion auf, Sexismus in der Werbung ist bislang kein Tatbestand, siehe Rechtslage http://www.werbewatchgroup-wien.at/files/Int_nat_Rechtsrahmen_Mag.a_Kappel_20131029.pdf ), passiert genau nichts. Kein Risiko für Tabubrecher in der Agentur-Szene – sondern symbolische Gratifikation als Hippster-Coolness und Rebellen-Image, kein Rechtsbruch für Wiederholungstäter bedenklicher Produkt- und Dienstleistungen (zur Erinnerung: es geht um das Produkt Internet-Sport-Wetten, der Geschäftsführer geht von einer ‚gelungenen Kampagne für die Zielgruppe‘ aus, vgl. http://kurier.at/leben/bet-at-home-werbung-die-an-sexuellen-uebergriff-grenzt/203.718.293 ).

Adbusting und Culture Jamming als Markenkritik

Wenn zivilgesellschaftliche und brancheninterne Kritik nicht fruchtet, eignet sich feministischer Aktivismus und Satire, die sexistischen Mechanismen darzustellen und zu persiflieren, wenn genderegalitäres Bewusstsein zu Sexismus fehlt. Die Plattform 2000frauen, eine zivilgesellschaftliche feministische Gruppe aus Wien (http://zwanzigtausendfrauen.at ) initiierte daher ein Adbusting, ein Werbefake als „Sommerloch-Aktion zur Fußball EW“. Sie produzierte ein Sujet von bad-at-home mit nacktem Männerhintern und freiem Blick auf die sekundären männlichen Geschlechtsorgane, daneben platziert obligatorischer Fußball, ebenso umrandet mit schwarzem Ferngucker und kreierte 6 Werbesprüche, die in der Tonalität den Doppelsprech sexistischer Werbetexte ironisieren (Bilder und link zu Aktion der Plattform: http://zwanzigtausendfrauen.at/2016/06/fake-zum-sommerloch/).

Die Reaktionen auf Twitter und Facebook zu der Gegenkampagne (bet-at-home wird zu bad-at-home) waren vorwiegend positiv, da vor allem aus profeministischer Szene die Bilder und der ironische Text gepostet wurde. Reaktante Einzelfeedbacks zur Ästhetik der Fakes wurden ebenso mitgeliefert. Wie nun der Umgang in den sozialen Netzwerken mit Nacktheit und Sexismus bzw. deren kritische Ironisierung praktiziert wird, beschrieb die Journalistin Alexia Weiss in der Wiener Zeitung (http://www.wienerzeitung.at/meinungen/blogs/juedisch_leben/830352_Anstoessig.html ), Grundtenor: Faschismus im Netz wird kaum geahndet, eine nackte Abbildung, selbst wenn es sich um Kritik, Satire oder Aufklärung handelt, wird in Sekundenschnelle von Facebook gelöscht. Auch der Vergleich mit dem Originalsujet erstaunt: Die Standard Journalistin Olivera Stajic‘ versuchte daraufhin ein kleines alltägliches Sozialmedia-Experiment: Sie postete das Originalsujet von bet-at-home auf Facebook und bekam keine negative Reaktion, das Nacktbild der Dame blieb, doch das Fakebild vom nackten Mann war nach 20 Minuten weg, verschwunden, zwangsgelöscht, vgl. http://derstandard.at/2000040926434/Gegenkampagne-persifliert-sexistische-Werbung

Conklusio für Rechtssicherheit

Subversion als Alltagshandlung gegenüber normalisierenden Sexismen können nicht das Problem – die Aufmerksamkeitsökonomie des Spannens und Starrens – per se verändern. Sie spielen mit der abweichenden Lesart, die das Ungewohnte für das Gewöhnliche einsetzt und damit schockiert (Lasn 2008: 15). Durch die Emotionalisierung und das kritische Selbstbeobachten im Umgang mit ungewohnten bzw. in diesem Fall tabuisierten Bildern kann kritisches Bewusstsein geschaffen und vertieft werden. Das Ziel ist hier ein pragmatisches und konkretes: Die aktuelle Rechtslage in Bezug auf Glückspiel und Sexismus in der Werbung muss hinterfragt und neu geregelt werden (vgl. Völzmann 2014), damit kollektive Lesarten relevant werden und normalisierende Abwertungspraxis (Sex sells als eine dominante Spielart unkreativer Werbung) strafbar wird. In Zahlen messbar, in Geldstrafen verwertbar. Denn Selbstregulation allein setzt Verbindlichkeit bei allen Akteur_innen der Werbeszene voraus, eine Annahme, die in der Praxis falsch sein muss, da Werbung durch Tabubruch ‚funktioniert‘. Das praktizistische Doublebind kann nur durch Rechtssicherheit für alle Beteiligte aufgelöst werden: für die Kreativen als Bild- und Textproduzent_innen, für die Auftraggeber_innen als Finanziers, und für die Rezipient_innen als Käufer_innen, Adressat_innen von Werbung und als Zwangsinformierte, die im öffentlichen Raum den Werbebotschaften ausgesetzt sind. Gerade wenn Werbung so dominant sichtbar und überall – in jedem sozialen wie medialen Umfeld eingebaut ist – muss Werbung gesellschaftlich neu verhandelt und geregelt werden.

Literatur:
Blake, Christopher (2015): Wie mediale Körperdarstellungen die Körperzufriedenheit beeinflussen. Eine theoretische Rekonstruktion der Wirkungsursachen. Springer VS, Wiesbaden.
Gill, Rosalind (2015): Gender And The Media. Polity Press, Cambridge.
Lasn, Kalle (2008): Culture Jamming. Das Manifest der Anti-Werbung. Orange Press, Europrinting Mailand.
Völzmann, Berit (2014): Geschlechterdiskriminierende Wirtschaftswerbung. Zur Rechtmäßigkeit eines Verbots geschlechterdiskriminierender Werbung im UWG. Nomos Verlag, Baden-Baden.

Ulli Weish, Maga. Drin, ist seit 1996 Lektorin am Wiener Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie seit 2011 am Institut für Kultur- und Sozial-Anthropologie im Bereich Gender Studies, Expertin der Wiener Watchgroup gegen Sexismus in der Werbung und Medienaktivistin der Plattform 20000frauen.at. Im April 2016 erhielt sie für ihre zahlreichen ehrenamtlichen feministischen Aktivismen einen der drei Preise des Österreichischen Frauenrings.

16. September 2016 More

Frauen, der ökonomische Faktor – Volksstimme Oktober 2016

Soziale Repression

Frauen, der ökonomische Faktor

Tausend Mal beklagt, immer wieder gesagt und dennoch unerhört: Die Krise des Sozialstaates trifft Frauen in besonderem Maß. „Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Munde sind!“ (Bert Brecht)

Es ist die Zeit der Monster, sagten wir in der Redaktionssitzung. Und tatsächlich: Monströse Arbeitsbedingungen, überhandnehmende Ungleichheit, extreme Ausbeutung der Ware Arbeitskraft, wohin man und frau blickt: steigende Armut und Arbeitslosigkeit, steigender Reichtum. Und viel Arbeit, die zu erledigen, aber unbezahlt ist. Wie wirkt sich die soziale Repression auf Frauen aus?

Weibliche Alltagsgeschichten

Einer der letzten schönen Sommerabende im August. Nach dem Baden im See gehen meine Freundin und ich ins Café der Bootsanlegestelle am Ottensteiner Stausee, um den lauen Abend ausklingen zu lassen. Die Kellnerin ist kurz und knapp, ja, was zu trinken gibt es noch, aber um 19 Uhr ist eigentlich Sperrstunde. Ich schaue mir das müde Gesicht der Frau an. Ich frage, ab wann sie denn heute im Dienst gewesen sei. Seit acht sei sie hier, sagt sie. Anstrengend, sage ich, der Acht-Stunden-Tag ist also passee? Das ist Saisonarbeit, meint sie, tagein, tagaus im Sommer, sie sei froh, den Job zu haben, sie pendle von Hadersdorf bei Krems hierher. „In der Saison hast du vollauf zu tun, und im Winter gehst du stempeln.“

Die teilzeitbeschäftigte Sekretärin eines gemeinnützigen und finanzschwachen Wellness-Vereins wird seit Jahren in den Sommermonaten in die Arbeitslose geschickt – mit einer Einstellungszusage für den Herbst. Dann beginnt die intensive Arbeit und es geht rund um die Uhr. In den Sommermonaten sind die Klient_innen, die sich Wohl und Wellness leisten können, auf Kreta oder sonst wo. Die Sommerarbeitslosigkeit bedeutet für die Sekretärin, eine Alleinerzieherin: 400 Euro weniger im Monat und keine Anrechnung der Dienstzeiten für die Pension. Aber sie ist froh, diesen Job zu haben, sagt sie.

Die 73jährige Pensionistin war zeitlebens Hausfrau, um sich den Kindern zu widmen. Sie war bei ihrem Mann mitversichert. Fünf Jahre lang hat sie ihre Mutter bei sich zu Hause betreut, gepflegt und in den Tod begleitet. Jetzt, nachdem die Betreuungslast von ihr abgefallen ist, machen gesundheitliche Beschwerden eine schwere Herzoperation notwendig, sicher auch ein Resultat der jahrelangen Intensivbetreuung ihrer alten Mutter. Der Rehab-Aufenthalt nach der OP wird von der Pensionsversicherung abgelehnt, für Mitversicherte gelte das nicht. Schließlich bewilligt die Wiener Gebietskrankenkasse nach Bittgesuchen doch einen Rehab-Kuraufenthalt. Sie ist erleichtert und dankbar.

Die 40jährige Betriebsratssekretärin eines großen Konzerns stöhnt: „Arbeit, Arbeit, Arbeit – ich arbeite Vollzeit, habe 50 Gutstunden und falle tot um, wenn ich abends nach Hause komme. Dabei arbeite ich sehr gerne.“

Vier typische Frauenschicksale aus meinem engen Freundinnenkreis. Und alle sagen danke für die Ausbeutung. Hauptsache einen Job haben, wie und unter welchen Bedingungen ist egal. Wo also ist der Widerspruch zu verorten – viel Arbeit, viel Arbeitslosigkeit, viel Ausbeutung?

Gleichstellungskennzahlen, Frauenmonitor

„Die Arbeitslosigkeit nimmt seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008, trotz einer leichten Erholung 2011, kontinuierlich zu“, heißt es im eben erschienenen Bericht zu Gleichstellungskennzahlen 2016 des AMS.1) „2015 erreichte die Arbeitslosigkeit neue Höchstwerte: Der Jahresdurchschnittsbestand von 354.332 Arbeitslosen ist der höchste seit 1945. Auch die Arbeitslosenquote von 9,1% ist die höchste der 2. Republik.“

Frauen sind nur scheinbar weniger von der krisenhaften Entwicklung betroffen, so der AMS-Bericht. Die Auswirkungen treffen sie anders als Männer – beispielsweise durch einen steigenden Anteil an atypischer Beschäftigung. Zwar lag die Frauenbeschäftigungsquote 2015 mit 67,1 Prozent erneut deutlich über dem EU-28-Durchschnitt von 60,4 Prozent, jedoch muss die Quote kritisch betrachtet werden, denn die Frauenbeschäftigung ist vor allem aufgrund von hoher Teilzeitbeschäftigung angestiegen: 47,4 Prozent aller erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit. Zum Vergleich: nur lediglich 11,2 Prozent aller erwerbstätigen Männer arbeiten in Teilzeit.
Teilzeitarbeit garantiert den Frauen in den meisten Fällen kein eigenständiges existenzielles Auskommen und führt im Alter dazu, dass Frauen deutlich weniger Pension bekommen: Bezogen auf die Daten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger liegen die Alterspensionen der Frauen je nach Art der Berechnung um rund 40 bis 50 Prozent unter den Pensionen der Männer. 1)

Auch die Arbeiterkammer Oberösterreich weist in ihrem Frauenmonitor 2016 nach, dass seit 2005 ist ein massiver Anstieg der Zahl atypisch beschäftigter Frauen zu beobachten ist: „Von der Atypisierung der Arbeitswelt sind Männer und Frauen betroffen, jedoch zeigen sich deutliche Unterschiede in Bezug auf die Art und Qualität der atypischen Beschäftigungsformen. Geringfügige Beschäftigungen, Teilzeit und freie Dienstverträge sind zum überwiegenden Teil Frauensache. Dabei handelt es sich um Beschäftigungsformen, die tendenziell mit einer geringen Entlohnung einhergehen.“2)

Hinzu kommen völlig neue Beschäftigungsformen wie etwa das Crowdworking, die Gewerkschaften und Arbeitnehmer_innen vor ganz neue Herausforderungen stellen: kleines Handwerk für kleines Geld. Unternehmen zerlegen Arbeiten in kleine Projekte und vergeben sie über digitale Plattformen für oft geringe Honorare an Freelancer weiter. In Großbritannien finden sich fünf Millionen Plattformarbeiter_innen, und auch hierzulande steigt ihre Zahl. Bisher galt Crowdworking als Nische, in der Hilfskräfte zu Hause auf ihren Computern simple Aufgaben abarbeiten. Nun schreiben Crowdworker Texte, liefern Chemikalien, testen Handys, entwerfen Verpackungen, planen Häuser, betreiben Marktforschung, entwickeln Software, gestalten Werbekampagnen oder entwickeln neue Produkte – und sie tun dies eben auch im Auftrag großer Konzerne. „Mit der neuen Form des Outsourcings von Arbeit ändert sich die Machtbalance in der Arbeitswelt. Mindestlohn, Kündigungsschutz, Streikrecht, Urlaubsanspruch, Rente, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – für Crowdworker gilt all dies in der Regel nicht.“ („Zeit online“, 5.5.2016)

Blinde Flecken der Ökonomie

In ihrem Buch „Feministische Ökonomie“ 3) beleuchten Bettina Heidinger und Käthe Knittler die „blinden Flecken der Ökonomie“. Die traditionelle Wirtschaftswissenschaft ist „stumm, taub und blind“ gegenüber dem Geschlechterverhältnis. „Es geht darum, den unbezahlten Teil der Ökonomie – sei es in Form von Haus- oder Subsistenzarbeit – sichtbar zu machen und als wesentlichen Wertschöpfungsprozess zu behandeln; die spezifische Situation von Frauen am Arbeitsmarkt als Arbeitnehmerinnen oder Unternehmerinnen ins Blickfeld zu bekommen; und die Geschlechterblindheit von ökonomischen Prozessen aufzudecken.“3)

Frauen arbeiten mehr, länger und unter- oder nichtbezahlt. „In Österreich wird von den 9,7 Milliarden unbezahlten Arbeitsstunden der überwiegende Teil – rund zwei Drittel – von Frauen verrichtet (Statistik Austria 2009). Bei der bezahlten Erwerbsarbeit dreht sich das Verhältnis um: der Großteil (61 Prozent) wird von den Männern verrichtet. Frauen verdienen – abgesehen von Lohndiskriminierung – nicht deshalb weniger als Männer, weil sie ‚zu wenig‘ arbeiten, sondern weil sie ‚zu viel‘ unbezahlt arbeiten.“ 3)

Das Nationaleinkommen bzw. das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt unterhinterfragt als Wohlstandsindikator. Unbezahlte Haus-, Reproduktions- und Subsistenzarbeit findet dort keinen Niederschlag. Um diese Arbeiten und die Umverteilungswirkungen einer ein- und ausgabenseitigen Budgetpolitik auf das Geschlechterverhältnis sichtbar zu machen, haben feministische Ökonominnen ein alternativ berechnetes BIP vorgestellt. Gender Budgeting analysiert die Wirkungen der öffentlichen Budgets unter Berücksichtigung der spezifischen Lebenssituationen von Männern und Frauen. Dieses Analyseinstrument, mittlerweile als Bekenntnis im Mainstream angekommen, ist in Österreich Teil des Finanzverfassungsgesetzes. Es hebt allerdings den Staat nicht aus den Angeln, denn woher Einnahmen über Steuern oder andere Instrumente kommen und wofür das Geld ausgegeben wird, ist im System kapitalistischer Verwertungslogik eine politische Entscheidung. Die restriktive Austeritätspolitik einer neoliberalen Wirtschafts- und Fiskalpolitik mit ihren Strukturanpassungsprogrammen hat uns vor Augen geführt, dass Bankenrettungen (etwa die Hypo Alpe Adria, an der noch Generationen abzahlen) vor Sozialausgaben gehen (wie die unwürdige Diskussion um die Mindestsicherung zeigt). „Die Kosten der Austeritätspolitik werden auf dem Rücken der Frauen privatisiert und ‚auf die Küche abgewälzt‘…“3

Familienidylle als Krisenauffangbecken

Vor diesem Hintergrund erklärt sich das Wiederaufleben konservativer Lebensmodelle und Familienideologien, die von der politischen Rechten und vom christlichen Fundamentalismus bedient werden. „Die negativen Folgen der Einführung der ‚Hartz-IV-Reformen‘, die (in Deutschland und jetzt auch in Österreich als Modell für Migant_innenarbeit angedacht werden, Anm. B. D.) 2003 in Kraft getreten sind, in Form einer weiteren Prekarisierung des Arbeitsmarktes hatten vor allem Frauen zu tragen“, schreibt Gisela Notz in ihrem Buch „Kritik des Familismus“.4) Notz: „Die Vorhersage, dass die ‚Harzt-IV-Gesetze‘ erwerbslose Frauen verstärkt in die Abhängigkeit von Ehemännern und Lebensgefährten treiben, sollte sich bestätigen. Durch die Rekonstruktion des ‚Familienernährers‘ wird die frauenspezifische Forderung nach eigenständiger Existenzsicherung missachtet.“

Mit dem Harzt-IV-Gesetz taucht der Billiglohnjob als „Innovation“ auf, mittlerweile ist in der BRD jedes fünfte Beschäftigungsverhältnis ein Mini-Job. Das weibliche „Dazuverdienen“, das auch lange Zeit von den Gewerkschaften ignoriert wurde, restauriert ein antiquiertes konservatives Familienmodell, das fern der Realität ist. Zerrissene prekäre Arbeitsmodelle zerreißen traditionelle Familienformen, während gleichzeitig rückwärtsgewandte Familienideologien (z.B. in der BRD durch ein steuerliches Ehegattensplitting oder hierzulande durch fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen) verfestigt werden. Was der Staat nicht bereit ist herzugeben von seinen Steuermitteln für Soziales, soll individuell durch Ehrenamt und unbezahlte Familienarbeit ausgeglichen werden. Dafür gibt es -zigtausende Beispiele aus dem Gesundheits- und Pflegebereich. Care- oder Sorgearbeit für Kinder, Alte, Kranke wird den Frauen zugeordnet. Oft sind es Migrantinnen, die zu schlechten Arbeits- und Lohnbedingungen grenzüberschreitend pflegerisch tätig sind und die ihre Kinder zurücklassen müssen. „Die Migrationspolitiken des globalen Nordens kanalisieren Migrantinnen in bestimmte Segmente des Arbeitsmarktes wie den Care-Sektor.“ 3)

Tatsache ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht. In der reichen BRD lebten 2013 mehr als 2,4 Millionen Kinder in Armut. „Familien sind nicht arm, weil Väter und Mütter Kinder haben, sondern Familien sind arm, weil sie nicht erwerbstätig sein können, weil es an Betreuungseinrichtungen fehlt, an existenzsichernd bezahlten Arbeitsplätzen oder auch, weil sie aus dem gewünschten Familienbild herausfallen.“4) Beilspielhaft dafür steht die alleinerziehende Mutter.

Was bleibt?
Nichts bleibt wie es ist. Das heißt aber nicht, dass wir die sozialpolitischen Veränderungen schlucken müssen. Viele Denkmodelle beschäftigen sich mit Alternativen zum gängigen neoliberalen TINA-Prinzip (There Is No Alternative). Margaret Thatcher prägte diesen Begriff, der 2010 zum Unwort des Jahres avancierte und der den Abbau des Sozialstaates und wirtschaftsliberale Reformen bei gleichzeitig konservativen Gesellschaftsvorstellungen beinhaltete. Die Globalisierungskritikerin Susan George hat dem TINA-Prinzip den Ausruf „TATA!“ (There Are Thousands of Alternatives! – Es gibt Tausende Alternativen!) entgegengestellt.
Die heterodoxen Wirtschaftstheorien verlangen nach Alternativen, Widerstandsstrategien und Utopien jenseits einer patriarchalen Ökonomie. „Regelgeleitete Fiskalpolitik ist vor allem in Krisenzeiten, wie wir sie im Moment in der Europäischen Union erleben, mit restriktiver Fiskalpolitik – also sinkenden Ausgaben – gleichzusetzen (Klatzer/Schlager 2011, 2012). Sinkt das BIP, sinken die Einnahmen des Staates. Sinken die Einnahmen des Staates, muss irgendwo gespart werden, um das Defizit und den Schuldenstand gleich zu halten.“3) Vor diesem Hintergrund ist der Steuerhinterziehungsskandal von Apple oder anderen Großkonzernen wie Starbucks besonders aufreizend: Jahrelang profitierte Apple aus Sicht der EU-Wettbewerbshüter von unrechtmäßigen Steuererleichterungen in Irland. Die EU-Kommission fordert nun von Apple eine beispiellose Steuernachzahlung von potenziell mehr als 13 Milliarden Euro. Eine Summe, die das irische Haushaltsbudget erreicht – und auf das Irland verzichten will. Der Konzern sitzt aktuell auf Geldreserven von gut 230 Milliarden Dollar und machte allein im vergangenen Quartal 7,8 Milliarden Dollar Gewinn.

Auch Österreich brüstet sich mit steuerschonenden Maßnahmen für Konzerne mit dem Argument, Anreize für Unternehmensansiedelungen, also Arbeitsplätze zu schaffen. Mit dem Resultat, dass die großen Vermögen geschont werden, während Konsumsteuern, etwa die Mehrwertsteuer, Personen mit geringem Einkommen stärker belasten – und die Arbeitslosigkeit steigt.

Frigga Haug hat in ihrer 4-in-1-Perspektive einen anderen Blick auf die Wirklichkeit geworfen: Der Erwerbs- und der Reproduktionsbereich, Kultur und Politik werden in Hinblick auf eine gerechtere Verteilung der Arbeit zusammengeführt. Das wäre eine radikale Form der Arbeitszeitverkürzung, wenn Arbeit mit Erwerbsarbeit zusammengedacht würde. Die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen ist ein weiterer Denkansatz, den geschlechtergespaltenen Arbeitsmarkt aufzuweichen. Auf der 2. internationalen Marxismus-Feminismus-Konferenz (9. Oktober 2016, Atelierhaus der Akademie der Bildenden Künste, Lehargasse 6-8, 1060 Wien) wird es Gelegenheit geben, die blinden Flecken zu erhellen und alternative Gedanken dazu zu vertiefen.

Bärbel Danneberg

1)Bericht Gleichstellungskennzahlen im AMS 2016, zu beziehen über:
Arbeitsmarktservice Österreich. Arbeitsmarktpolitik für Frauen. Treustraße 35-43, 1200 Wien.
2) Frauenmonitor 2016 Arbeiterkammer OÖ: Die Lage der Frauen in Oberösterreich. ooe.arbeiterkammer.at
3) Bettina Haidinger, Käthe Knittler: Feministische Ökonomie, Mandelbaumverlag kritik & utopie, 2014 (die überarbeitete und erweiterte Neuauflage erscheint dieser Tage).
4) Gisela Notz: Kritik des Familismus, Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes, Schmetterling Verlag, 2015.

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Bildergalerie Volksstimmefest 2016

Tag 1, Fotos ©Bettina Frenzel
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Tag 2, Fotos ©Bettina Frenzel
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3. September 2016 More

Frauen.Punkt 2016

Plattform 20000frauen beim Volksstimmefest 2016

Samstag, 3. September 2016, 16.00 Uhr

Frauen.Punkt / Jesuitenwiese (beim Eingang zum Volksstimme-Fest auf der Wiese rechts)

Wider die Militarisierung des Denkens

Diskussion

Mit Geschlecht wird Politik gemacht, auch für den Krieg. Aktuell erleben wir dies im Erstarken kulturalistischer Debatten, die im Namen von Frieden und Sicherheit gerade mit der Rede von Frauenrechten und Sexualpolitiken vielfache Formen von Gewalt rechtfertigen.
Was bedeutet dies für feministische Positionen?
Inwiefern muss sich Feminismus immer wieder neu ausbuchstabieren, um auf dem Minenfeld von Konflikt und Krieg weder missbraucht noch verharmlost zu werden?
Und wie können feministische Visionen von Frieden heute aussehen?

Darüber diskutieren:

*Heidi Ambrosch (KPÖ-Frauen)
*Claudia Brunner (feministische Sozialwissenschaftlerin, Klagenfurt)
*Lena Freimüller (Peace in Action)
*Andrea Mayer-Edoloeyi (Solidarwerkstatt Linz)
*Hanada Al-Refai (vor dem Krieg aus Syrien Geflohene)

Moderation: Ulli Weish (Plattform 20000 Frauen)

Bilder vom ersten Tag hier!
Bilder vom Volksstimmefest 2016

Sonntag, 4. September 2016, 15.00 Uhr

Diskussionszelt / Jesuitenwiese (vor der 1. Kreuzung in der Wiese rechts)

Die Linke wird feministisch sein. Oder unbedeutend!

Diskussion

Feministinnen kritisieren seit nunmehr fast 40 Jahren die Theorie und Praxis der Linken. Ihre Kritik betrifft u.a. den im Marxismus gebräuchlichen Arbeitsbegriff und die Werttheorie, die Stellung zu Hausarbeit, zur Familie, zum Umgang miteinander und zur Natur, zu Wirtschaft und zu Kriegen. Sie entwarfen Zukunftsvorstellungen und erhoben ihre Stimmen im Verlangen nach Befreiung.
Was ist aus den leidenschaftlichen Debatten und Kämpfen geworden?
Welche Fragen bewegen marxistische Feministinnen / feministische Marxistinnen heute?
Wie muss linke Politik gestaltet sein, damit sie auch Frauen anspricht und erreicht?

Darüber diskutieren anhand der von Frigga Haug formulierten 12 Thesen des Marxismus-Feminismus:

*Barbara Eder (feministische Sozialwissenschaftlerin)
*Käthe Knittler (feministische Ökonomin)
*Birge Krondorfer (Frauenhetz, feministische Philosophin)
*Rubia Salgado (maiz Linz, angefragt)

Einleitung: Heidi Ambrosch (KPÖ-Frauen)
Moderation: Hilde Grammel (Plattform 20000 Frauen)

31. August 2016 More

Fake zum Sommerloch

Unser Vorschlag zur EM-Kampagne von bad-at-home:
Ungestörte Nacktheit mit totalem Produktbezug

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Sexismus in der Werbung ist keine Bagatelle, sondern irritiert, verletzt, wertet ab. Nicht nur Frauen.
Solange Alltagssexismus als Unterhaltung, als Gag und als Normalität gesehen wird, solange Kampagnen auf Busen, Bein und Po von jungen Models fixiert sind, solange braucht es subversive Bilder und Texte, die den herrschenden heteronormativen Blick in Frage stellen. Unsere Plakatserie von der Agentur ‚GEIFERundERNSTI‘ ist ein fröhliches Strandsujet, passend für die aktuelle Jahreszeit. Dass es um Sportwetten geht, ist logisch, was denken Sie denn? Weil wir für Freiheit, Spass und nackte Männer sind, heute, morgen und im Sommer.

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„Anstößig“ – Artikel von Alexia Weiss in der Wiener Zeitung, 8.7.2016

„Die Macht des Sexismusmantras“ – ORF-online (im letzten Absatz verlinkt mit unserer Kampagne!)

„Gegenkampagne persifliert sexistische Werbung“ – dieStandard 12.7.2016

„Frauen verspotten sexistische Werbung“ – FrauenSicht, das führende Portal für engagierte Frauen und Männer. 16. August 2016

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Offener Brief an die Frauenministerin, die Bundesregierung sowie die Klubobleute der Grünen, NEOS, ÖVP und SPÖ

Wien, 13. 7. 2016

Aus aktuellem Anlass (Werbung der Firma bet-at-home für die Fußballeuropameisterschaft) hat die Plattform 20000frauen eine Kampagne gegen sexistische Werbung initiiert, siehe

http://zwanzigtausendfrauen.at/2016/06/fake-zum-sommerloch,
die ein erfreuliches mediales Echo gebracht hat.

Obwohl der Werberat und die drei Watchgroups gegen Sexismus in der Werbung (Graz, Salzburg, Wien) die Plakate als sexistisch eingestuft haben, hat dies zu keinen Konsequenzen geführt. Das zeigt wieder einmal, dass Selbstkontrolle nicht funktioniert, wenn sich die Akteure nicht daran halten.
Daher fordern wir ein Verbot sexistischer Werbung mit Sanktionsmöglichkeiten (inklusive kollektivem Klagerecht) und erwarten dazu Ihre Initiative.

Viele Grüße aus dem Sommerloch
die Plattform 20000frauen
www.20000frauen.at

Offener Brief 07-2016, als pdf

Von der Not-Wendigkeit sexistischer Werbung und Adbusting als Subversion des Augenblicks, Ulli Weish 14.7.2016 – hier als pdf zm Lesen!

27. Juni 2016 More

Stellungnahme der Plattform 20000frauen zur Frauenpolitik der österreichischen Bundesregierung

Aufbruch durch Bundespräsidentenwahl und Regierungsumbildung? Vielleicht, aber nicht in der Frauenpolitik! Diese bleibt ein Anhängsel, trotz des Verfassungsbekenntnisses zu faktischer Geschlechtergleichheit und Frauenförderung und der europarechtlichen Verpflichtung zu Gender Mainstreaming!

Wenn es um eine starke, emanzipatorische Frauenpolitik in Österreich geht, sind es jedoch nicht (nur) die Rechten, die verhindern, verschleppen oder Probleme schlicht ignorieren. Mit der Regierungsumbildung durch den neuen Bundeskanzler Christian Kern wurde abermals die Chance verabsäumt, die Frauenpolitik durch ein eigenes Ministerium mit entsprechenden Budgetmitteln und Kompetenzen aufzuwerten.
Das Frauenressort wurde lediglich vom Bildungsministerium in das Gesundheitsministerium verschoben. Durch diese Vorgehensweise entsteht der Eindruck, dass die Frauenpolitik ein lästiges Anhängsel ist, das von der Regierung wohl oder übel mitgeschleppt wird.

Gründe dafür, Frauenpolitik und Gender Mainstreaming – in allen Ministerien – endlich ernst zu nehmen, gäbe es zur Genüge:

– Österreich liegt bei der gleichen Bezahlung von Männern und Frauen nach wie vor auf dem vorletzten Platz in der EU. Während der Gender Pay Gap im EU-Durchschnitt rund 16 Prozent beträgt, verdienen hierzulande Frauen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer. Hinzu kommt die geringere Bewertung von “typischen” Frauenberufen: Pädagogische Berufe und Pflegeberufe werden sehr viel schlechter entlohnt als beispielsweise technische Berufe. Auch wenn es eine äußerst wichtige Aufgabe ist, diese Geschlechterseggregation aufzubrechen und Mädchen und Frauen den Zugang zu sämtlichen Berufen zu ermöglichen, reicht es nicht aus, “Frauen in die Technik”-Programme zu lancieren, um den Gender Pay Gap zu bekämpfen.
– Alleinerzieherinnen sind in Österreich besonders stark armutsgefährdet. Hier sind nicht nur Reformen u.a. beim Unterhalt gefragt, sondern auch der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und Ganztagsschulen.
– Frauen bekommen in Österreich durchschnittlich fast 50 Prozent weniger Alterspension als Männer. Obwohl sich – wie eine Berechnung des Wifo zeigt – eine Erhöhung des Antrittsalters für Frauen keinen wesentlichen Effekt auf die Pensionshöhe hat, steht dies nach wie vor im Zentrum politischer Diskussion. Knapp die Hälfte der Frauen in Österreich arbeitet in Teilzeit, rund ein Viertel der Frauen sind Niedriglohnempfängerinnen. Da das österreichische Pensionssystem rein auf das Erwerbseinkommen ausgerichtet ist, wirkt sich das massiv auf die Alterspension für Frauen aus. Auch das Steuern- und Abgabesystem benachteiligt Frauen. Hinzu kommt, dass im Zuge der Pensionsreform 2004 der Durchrechnungszeitraum ausgedehnt wurde, was wiederum Frauen besonders trifft. Vor allem angesichts der Lage am Arbeitsmarkt reicht es nicht aus, Frauen dazu zu ermuntern, möglichst kurz in der Elternkarenz zu bleiben und Vollzeit zu arbeiten. Wir brauchen in Österreich dringend eine umfassende Diskussion über Arbeitszeit und Erwerbsmodelle sowie eine Grundsicherung für alle BürgerInnen. Denn auch 2016 sind noch immer viele Frauen vom Einkommen ihres Partners abhängig, womit eine ganz zentrale Forderung der Frauenbewegung – nämlich eine gesicherte eigenständige Existenz – nach wie vor nicht erfüllt ist. Ökonomische Abhängigkeit ist der Nährboden für häusliche Gewalt – womit die Existenzsicherung von Frauen eine wichtige gewaltpräventive Maßnahme ist.
– Die letzte Steuerreform hat zwar Verbesserungen für eine kleine Gruppe von Frauen gebracht, im Schnitt waren Frauen jedoch die Verliererinnen dieser Reform. Gender Budgeting, das seit 2008 in der Bundesverfassung verankert ist, muss endlich auf allen Ebenen umgesetzt werden. Zudem begünstig das Steuersystem in Österreich Besitz und Vermögen – so gibt es weder eine Erbschafts- noch eine Vermögensssteuer, während Erwerbsarbeit vergleichsweise hoch besteuert ist und Massensteuern wie die Mehrwert steuer Niedrigverdiener_innen, die einen Großteil ihres Einkommens für Konsum aufwenden, besonders belasten.
– Österreich verfügt über eines der schärfsten Asylgesetze Europas. Die letzten Novellierungen haben insbesondere Frauen hart getroffen. Wir brauchen endlich eine Regierung, die sich nicht von rechter Hetze treiben lässt, ein menschenwürdiges Asylgesetz und besondere Schutzmaßnahmen und Einrichtungen für geflüchtete Frauen und LGBTI-Personen. Menschenrechte haben keine Obergrenze!
– Die meisten Frauenberatungsstellen, die enorm wichtige Arbeit in Österreich leisten, verfügen über keine ausreichende Grundfinanzierung und kurzfristige Verträge. Gerade angesichts der nach wie vor patriarchalen Verhältnisse braucht es hier eine Absicherung der vielfältigen und qualifizierten Gewaltschutz-, Beratung-, Sensibilisierungs- und Forschungsarbeit.

Dies ist nur ein Ausschnitt der vielfältigen Problemstellungen, denen sich Frauen- und Gleichstellungspolitik als Querschnittsmaterie widmen muss.

Wir forden die österreichische Bundesregierung und das Parlament auf, Frauenpolitik bzw. die Gleichstellung von Männern und Frauen, die 1998 in der Bundesverfassung verankert wurde, endlich ins Zentrum ihrer politischen Arbeit zu stellen. Österreich braucht ein eigenständiges Frauenministerium mit ausreichender Finanzierung und eine Frauenministerin, die sich ganz dieser Aufgabe widmen und eng mit allen anderen Ministerien zusammenarbeiten kann.

14. Juni 2016 More

Bildergalerie Tische – Fem. Tischgesellschaft Juni 2016

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alle Fotos: ©Bettina Frenzel für die Plattform 200000frauen

6. Juni 2016 More

Bildergalerie 2. Fem. Tischgesellschaft

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alle Fotos: ©Bettina Frenzel

5. Juni 2016 More

Frauenenquete 2016

Frauenenquete: „Frauen. Flucht/Migration. Rassismus.“

Freitag, 1. April 2016, 09.00 – 17.00 Uhr
ÖBB Unternehmenszentrale, Am Hauptbahnhof 2,
Konferenzsaal 3, 1100 Wien

Eine Veranstaltung der Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und der Plattform 20000frauen mit freundlicher Unterstützung der ÖBB. Danke!

pdf: Einladung Frauenenquete Frauen.Flucht_Migration.Rassismus am 1.4.2016

Dokumentation Frauenenquete Frauen. Flucht/Migration. Rassismus.:

Am 1. April 2016 fand die fünfte Enquete der ehemaligen Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek (BMBF) in Kooperation mit der Plattform 20000frauen statt. Die Veranstaltung konnte in der ÖBB Unternehmenszentrale in Wien, vermittelt durch die Diversity Beauftragte Traude Kogoj, gestaltet werden. Die Keynotes und die Workshops sind hier in stark gekürzter Form wiedergegeben.
Inhalt: In öffentlichen Diskursen werden Frauen als Flüchtende marginalisiert und Migrantinnen sind oftmals rassistischen Vorurteilen ausgesetzt. Der nicht nur aktuell hoch umstrittene Komplex “Flucht, Migration, Rassismus” wurde in 2 Impulsvorträgen und 8 Workshops in seiner Bedeutung für Frauen und den Konsequenzen auf ihr Leben dargestellt und kritisch reflektiert. Unterschiedliche Kontexte, Dimensionen und Perspektiven kamen zur Sprache.
(Herbst 2016, Birge Krondorfer, Plattform 20000frauen, Moderatorin der Enquete)

Keynotes:
Prof.in Dr.in Sylvia Hahn
Die lange Geschichte der Migration
Inhalt:
Erstaunlicherweise wird bei den Diskussionen und Medienberichten über Migration und Flucht so getan als wären diese und die Konfrontation mit Menschen anderer Herkunft Phänomene der unmittelbaren Gegenwart. Doch hat Migration eine ebenso lange Geschichte wie die Menschheit selbst. Auch ausgeblendet bleibt die „eigene“ Vergangenheit, die gerade in Österreich, wie in vielen anderen Ländern Europas, stets eine Geschichte von Aus- und Einwanderung und einer lebhaften Binnenmigration war. Warum wird im Zeitalter der globalen Mobilität Sesshaftigkeit noch als das „Normale“ und und/freiwillige Mobilität als die Ausnahme angesehen? Und warum werden dabei die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Bedingungen zumeist übersehen?
Zur Person:
Sylvia Hahn, Historikerin am Fachbereich Geschichte und Vizerektorin für Internationale Beziehungen und Kommunikation an der Universität Salzburg; Schwerpunkte: Historische Migrationsforschung, Stadt- und Geschlechtergeschichte, Geschichte der Arbeit.
Vortrag 1, Sylvia Hahn, als pdf

Prof.in Dr.in Nikita Dhawan
Die Migrantin retten?! Flucht, Gender und (un)mögliche Solidarität
Inhalt: Bekannt ist Salman Rushdies Bemerkung: „Das Problem mit den Engländern ist, dass sich ihre Geschichte in Übersee zugetragen hat und sie daher nicht um ihre Bedeutung wissen.“ Auch im deutschsprachigen Raum dominiert in Bezug auf den Kolonialismus eine relative Geschichtsvergessenheit. In meinem Vortrag werde ich dieser „Amnesie“ entgegentreten, indem ich spezifische Artikulationen des Rassismus, Sexismus, Klassismus und Migration und wie dieser mit der kolonialen Geschichte Europas verbunden war, historisch zurückverfolge. Dazu werde ich die gegenwärtige europäische Flüchtlingspolitik analysieren und die (Un)Möglichkeit der Solidarität mit vergeschlechtlichen geflüchteten Subjekten herausarbeiten.
Zur Person:
Nikita Dhawan, Professorin für Politische Theorie mit Akzentuierung Frauen- und Geschlechterforschung und Direktorin der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung ‚Identitäten – Diskurse – Transformationen’ an der Universität Innsbruck.
Vortrag 2, Nikita Dhawan, als pdf

Videos auf unserem Youtube-Kanal:

Eröffnung der Frauenenquete:

Keynote Dr.in Sylvia Hahn „Die lange Geschichte der Migration“ mit anschließender Diskussion:

Abschlussplenum der Frauenenquete:

WORKSHOPS

Workshop 1: Migration_Flucht & DaZ
Welche Bilder erzeugt der mediale, politische und Alltagsdiskurs über Migration und Flucht? Welchen Einfluss haben diese Bilder auf das pädagogische Verhältnis?
Migration_Flucht: Deutschlernen als ultima ratio? Was soll in „DaZ-Kursen für Flüchtlinge“ (mit-)vermittelt werden – Werte? Sollen sich Deutschkurse für Flüchtlinge von anderen DaZ- Kursen unterscheiden – im Hinblick auf Inhalte, Methoden, Materialien? Wer ist qualifiziert, „Deutsch für Flüchtlinge“ zu unterrichten? Wie können strukturelle Rahmenbedingungen und globale Ungleichheitsverhältnisse in DaZ-Kursen zum Thema werden?
Selma Mujić, Sozialanthropologin und Kursleiterin bei LEFÖ. Im DaZ-Kontext interessiert sie sich für Sprache im Zusammenhang mit Macht- und Unterdrückungsmechanismen.
WS 1- Deutsch als Zweitsprache, Bericht als pdf

Workshop 2: Romnija und Sintizi: Selbstorganisation zwischen Rassismen und Stigmatisierung
Im Workshop werden interaktiv die Begriffe „Zigeuner“, Roma, Sinti und Antiziganismus erklärt. Weiters wird auf die Herkunft, die Wanderung und die Geschichte der in Österreich lebenden Roma und Sinti eingegangen und aktuelle Projekte kurz skizziert z.B. die Bildungssituation von Romnija/Sintizi. In einer Gruppenübung werden die Teilnehmerinnen Argumente und Gegenargumente zu alltäglichen Rassismen und Vorurteilen erarbeiten und diskutieren, die am Plenum präsentiert werden.
Manuela Horvath, Angestellte der Diözese Eisenstadt (Romapastoral), u.a. Mitarbeiterin bei den Projekten ROMBAS und Romane Thana, Antiziganismustrainerin.
Darija Marinkovic, Integrationscoach, Antiziganismustrainerin, Deutschtrainerin für Romnija, Herausgeberin eines in Kürze erscheinenden Kochbuches.
WS 2 – Romnija und Sintizi, Bericht als pdf

Workshop 3: Who cares? Arbeit von Migrantinnen
Es werden die „neue Dienstbotinnengesellschaft“ – Migrantinnen putzen, pflegen…für den Ober- und Mittelstand – sowie die legale und illegale Arbeitsmigration von Frauen thematisiert. Der Workshop will Raum öffnen für feministische und antirassistische Reflexionen aktueller Zusammenhänge zwischen der Arbeit von Migrantinnen, dem Abbau des Sozialstaats und rassistischer Kulturalisierung. Welche Herausforderungen und Perspektiven entstehen daraus für Frauenarbeit in sozialen, politischen, pädagogischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Bereichen?
maiz, Autonomes Zentrum von und für Migrantinnen, LinzWS 3 – Arbeit von Migrantinnen, Bericht als pdf

Workshop 4: Probleme Afrikanischer Frauen auf der Flucht, bei der Migration und Integration
Die drei Workshopleiterinnen halten kurze Impulsreferate zu ihrer persönlichen Erfahrung hinsichtlich Flucht, Migration und Integration sowie zu Aspekten von Diskriminierungen an afrikanischen Frauen. Weiters behandeln sie diese Themen aus der Erfahrung der Klientinnen aus der Beratungsstelle der Afrikanischen Frauenorganisation (Standort Wien) und aufgrund ihrer Arbeit in den African Communities. Es werden die Auswirkungen der österreichischen Politik zu Flucht, Migration und Integration behandelt und mit den Teilnehmerinnen diskutiert.
Etenesh Hadis, Frauenleiterin in Äthiopien und Eritrea, äthiop. Diplomatin in NO-Europa, Flucht 1991 nach Österreich. 1996 Gründung und seither Leitung der Afrikan. Frauenorganisation.
Segal Hussein, Flüchtling aus Somalia, Studium der Politikwissenschaft und Internat. Entwicklung, Mitglied und Assistentin in der Beratungsstelle der Afrikan. Frauenorganisation. Docia Müller, Migrantin aus Ghana, geflüchtet nach Österreich, Mitglied von PANAFA und Afrikan. Frauenorganisation. Sekretärin in der Botschaft von Burkina Faso.
WS 4 -Probleme afrikanischer Frauen, Bericht als pdf

Workshop 5: Traumadynamiken im Asylverfahren
Schutzsuchende Frauen sind im Asylverfahren benachteiligt, wenn sie nicht in der Lage sind, die erlittene sexualisierte Gewalt und Folter im Erstkontakt mit der Behörde, darzulegen. In den Einvernahmen werden Traumadynamiken auf die BehördenvertreterInnen übertragen, die Gegenübertragungen entwickeln und Abwehrstrukturen mobilisieren, die u. a. von eigenen transgenerationalen kollektiven Traumatisierungen unbewusst gespeist werden (Rassismen, Stereotypen etc.). Dies wird anhand eines Beispiels aus einer Studie über “Krieg und Folter im Asylverfahren” von einer Frau und ihrer Tochter aus Tschetschenien vor- und zur Diskussion gestellt.
Ruth Kronsteiner, Dr.in, Studium der Ethnologie und Orientalistik, Psychoanalytische und Systemische Psychotherapeutin, Universitätslektorin.
WS 5 – Traumadynamiken im Asylverfahren, Bericht als pdf

Workshop 6: Feministische Medienproduktion – von Migrantinnen für alle
(Mainstream-)Medien tragen erheblich zur nationalen Selbstvergewisserung einer Gesellschaft bei. Migrant_innen werden in diesem Prozess häufig als „Störung“ sowohl im medialen Erzählen als auch in der medialen Produktion betrachtet. Die Printzeitschrift STIMME und das Online-Magazin migrazine.at verstehen sich als „Gegenprojekte“, die Migration als Realität betrachten und sowohl rassistische Grenzziehungen als auch antifeministische Normalitäten infrage stellen. Der Workshop thematisiert Aspekte kritischer Medienproduktion in der Migrationsgesellschaft, gemeinsam sollen redaktionelle Strategien wie auch politische Anliegen einer antirassistisch-queer-feministischen Medienproduktion erörtert werden.
Assimina Gouma, Sozialwissenschaftlerin. Sie unterrichtet, publiziert und forscht zu Medien, Migration und Antirassismus. Sie ist Redakteurin bei migrazine.at und bei Kurswechsel.
Gamze Ongan, Chefredakteurin von STIMME – Zeitschrift der Initiative Minderheiten und Obfrau von Peregrina – Bildungs-, Beratungs- und Therapiezentrum für Migrant_innen. Vina Yun, freie Redakteurin (u. a. bei migrazine.at) und Autorin in Wien. Sie schreibt über Feminismus/Antirassismus/Queer, Medien und Pop.
WS 6 – Feministische Medienproduktion, Bericht als pdf

Workshop 7: Orientalische Frauen im Abseits – Flucht vor wem?
In der Fluchtdebatte sind Frauen selten Subjekte der Kommunikation. Bei der Fremdzuschreibung ist die Inferiorität der orientalischen Frau zentral, die einen anti- muslimischen Rassismus begründet. Die irakische Frauenbewegung wurde vom Baath- Regime unterstützt. Die reaktionären und religiösen Kräfte im Nahen Osten drohen alle gesellschaftspolitischen Fortschritte zu beseitigen. Die U.S.-Besatzung war weit davon entfernt irakische Frauen zu befreien: neben hunderttausend weiblichen Kriegsopfern wurden Millionen Frauen zu Gefängnisinsassinnen im eigenen Heim, oder sind zur Flucht gezwungen. Doch sie werden nicht ausschließlich von religiösen Agenden diskriminiert, sondern erliegen machtpolitischen und neoliberalen Interessen.
Myassa Kraitt, 1985 im Irak geboren. Arbeitete in Traiskirchen, bei Hemayat und Sintem. Mitbegründerin der Beratungsstelle Extremismus (BMFJ), Vorträge und Beraterin zu Extremismus und Fanatismus.
WS 7 – Orientalische Frauen im Abseits, Bericht als pdf

Workshop 8: „Freiwillig helfen“ zwischen Trauma und Rassismus, Notwendigkeit und Empathie, Smartphones und Plastiktellern, privaten Initiativen und Großorganisationen
Die „Willkommenskultur“ war nur möglich, weil sich zahllose Menschen „ehrenamtlich“ zur Verfügung gestellt haben, um das Notwendige – wie Lebensmittel beschaffen und Kleider ausgeben, Sortieren und Aufräumen, Begleitungen u.ä. – zu übernehmen. Ein halbes Jahr später haben manche HelferInnen in den Organisationen eine soziale Heimat gefunden, andere engagieren sich politisch oder haben keine Zeit mehr. Viele allerdings haben sich zurückgezogen, ernüchtert von der Kooperation mit den Hilfsorganisationen, von der Politik und nicht zuletzt auch von Flüchtlingen, mit denen sich der Kontakt nicht immer positiv gestaltete. Der WS soll motivieren und ermutigen, Differenzen auszuhalten und politisch aktiv zu bleiben bzw. zu werden.
Christa Kleiner, Supervisorin, Beraterin mit Schwerpunkt Diversität, Dipl. Sozialarbeiterin, Feministische Aktivistin, ehrenamtliche Helferin.
WS 8 – Freiwillig-helfen, Bericht als pdf

Bilder der Frauenenquete 2016

Bilder der Frauenenquete 2016, ©Bettina Frenzel

8. April 2016 More

Bildergalerie 1.4.2016, Frauenenquete „Frauen. Flucht/Migration. Rassismus.“

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Alle Fotos: ©2016 Bettina Frenzel

2. April 2016 More

2. Feministische Tischgesellschaft

Zwei Bildergalerien mit Fotos von der Feministischen Tischgesellschaft sind online:

2.Fem. Tischgesellschaft am 4.6.2016

2.Fem. Tischgesellschaft am 4.6.2016

weitere Fotos von der Feministischen Tischgesellschaft 2016

weitere Fotos von der Feministischen Tischgesellschaft 2016

Film und AudioCollage über unsere Tischgesellschaft

Ein wunderschöner Film von WienTv über unsere Tischgesellschaft auf der Facebookseite von WienTV: WienTV auf Facebook

Und im CBA-Archiv von Radio Orange abgelegt von Mobilreporterin Klaudia eine AudioCollage zur Tischgesellschaft
https://cba.fro.at/318745
Der Beitrag kann ab sofort geteilt, downgeloadet und eingebettet werden – natürlich unter Creative Commons!

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Das Programm ist online
programmA4_tischgesellschaft16.inddProgramm A4 Tischgesellschaft 2016

Flyer für die TischgesellschaftDownload Einladungsflyer!

Samstag, 4. Juni 13-17 Uhr, Mariahilferstraße / Wien, Höhe Zieglergasse:

Invitation -Feminist Table Round – Einladung in englischer Sprache

السبت 4 يونيو – Einladung in arabischer Sprache

Frieden schaffen ohne Waffen

„Wenn du mehr hast als du brauchst, errichte einen längeren Tisch statt eines höheren Zaunes“

Unter diesem Motto findet am Samstag, 4. Juni 2016 auf der Wiener Mariahilferstraße die 2. Feministische Tischgesellschaft der Plattform 20000 Frauen statt.

Für diesen Tag laden wir Euch alle herzlich ein, gemeinsam mit Flüchtlingsfrauen und ihren Familien eine möglichst lange Tafel auf der Mariahilferstraße zu bilden. Bringt Essen und Getränke mit und lasst uns ein Gastmahl der Freundinnenschaft im öffentlichen Raum feiern!

Damit wollen wir demonstrieren, dass es auch anders geht: ohne Zäune und Mauern, ohne Hetze und Ignoranz, dafür aber mit Solidarität und Interesse am Leben von Frauen und ihren Angehörigen, die ihr Weg zu uns geführt hat. Denn in diesen finsteren Zeiten verwirken ihre Menschlichkeit diejenigen, die der Unmenschlichkeit untätig zusehen oder sie gar noch befördern.

„Wenn du mehr hast als du brauchst, errichte einen längeren Tisch statt eines höheren Zaunes!“ – dieser Spruch der spanischen Zivilgesellschaft, die ein Netzwerk der Solidarität gebildet hat, das Geflüchteten mit Wohnungen und anderer Unterstützung zur Seite steht, hat uns zur diesjährigen Feministischen Tischgesellschaft inspiriert. Er wurde zusammen mit dem Foto von einer langen Festtafel, das ein öffentlich zelebriertes Gastmahl der Begegnung zeigt, über die sozialen Netzwerke verbreitet.

Neben Gesprächen und Begegnungen mit Flüchtlingsfrauen und den Frauen der solidarischen Netzwerke, die mit ihnen zusammenarbeiten, wollen wir die Feministische Tischgesellschaft 2016 zum Anlass nehmen, um eine neue Friedensbewegung mit zu begründen. Denn Kriege, hauptsächlich in Form Bürgerkriegen, die von Europa und den USA angezettelt wurden, gehören – neben der strukturell fixierten Ausbeutung des globalen Südens durch den globalen Norden – zu den wesentlichsten Gründen, die Menschen zwingen, ihre Heimat zu verlassen.

Daher laden wir alle Fraueninitiativen und -organisationen für den 4. Juni dazu ein, das Thema „Frieden“ mit uns zu gestalten. Dies kann bspw. in Form von Aktionen, Collagen, Diskussionsrunden, Ausstellungen etc. geschehen.

Wenn ihr euch an der Feministischen Tischgesellschaft 2016 beteiligen wollt, meldet euch bitte gleich unter tisch@20000frauen an. Lasst uns auch wissen, ob euer Beitrag ein inhaltlicher oder ein aktionistischer sein wird oder einfach nur darin besteht, Essen zur gemeinsamen Tafel mitzubringen.
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Saturday, 4 June, 1 pm – 5 pm, Mariahilferstrasse / Zieglergasse, Vienna

Making Peace without Weapons

“When you have more than you need, build a longer table, not a higher fence!”

This is the motto for the Second Feminist Table Round of Platform 20000 Women which will take place on Saturday, 4 July 2016 on Mariahilferstrasse.

We warmly invite you for this day to set up a long table on Mariahilferstrasse together with refugee women and their families. Bring food and drinks to celebrate this feast of friendship among women in public space!

By that we want to demonstrate that it is possible to do things differently than official politics wants to make us believe: with open fences and borders, with respect, solidarity and interest in the lives of those women and their family members whose path has led them our way. Because in those dark times those are losing their humanity who stand by and watch inhumanity gaining ground or contributing to it.

“When you have more than you need, build a longer table, not a higher fence!” this slogan used by Spanish civil society which has formed a network of solidarity supporting refugees providing accommodation and other assistance, has inspired us to this year’s Feminist Table Round. The slogan has been shared and distributed in the social networks in combination with the picture showing an endlessly long table with people eating a festive dinner together.

Besides organizing a setting where the participants of the Table Round can meet and talk to refugee women and women of the solidarity networks who work together with them, we want this year’s Table Round to be an occasion to help re-found a new peace movement. Because it is wars, nowadays especially taking the shape of civil wars, kindled and perpetuated by Europe and the USA, which are among the most important causes forcing people to leave their countries, along with the relations of structural exploitation of the global South by the global North.

That is the reason why we invite all women’s initiatives and organisations for 4 June to make prominent the issue of peace in the public of Vienna’s Mariahilferstrasse. This can be done by means of activities, flash-mobs, collages, discussions, exhibitions etc.

If you want to be part of the Feminist Table Round 2016, please announce your participation by sending an e-mail to tisch@20000frauen.at Let us know, if your contribution will be an idea, a statement, an activity or if it will consist in bringing along food to share at the table.

PostkarteSAVE THE DATE – Postkarte zum Download

15. März 2016 More

Bildergalerie 10.12.2015 „Tag der Menschenrechte“

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Fotos: ©2015 Bettina Frenzel

11. Dezember 2015 More

Femme Fiscale

Pressemitteilung 24. November 2015

Femme Fiscale: Investitionen in Menschen statt Geschenke an Unternehmen

Femme fiscale 24.11.2015, Foto: ©attac

Femme fiscale 24.11.2015, Foto: ©attac

Budget: Arbeitsmarktgipfel der Femme Fiscale sieht 1 Mrd. Investitionen in Bildung, Pflege und Arbeit mit Menschen mit 15.000 neuen Jobs vor

Übermorgen beschließt das Parlament das Budget 2016 mit den falschen Prioritäten. Daher präsentiert die Initiative Femme Fiscale auf einem eigenen Arbeitsmarktgipfel heute vor dem Parlament ein Beschäftigungspaket unter dem Titel „Care Revolution“. BILDER unter http://bit.ly/21dG7VJ (© Attac)

„Beim offiziellen Arbeitsmarktgipfel wurde den Unternehmen durch die geplante Kürzung der Dienstgeberbeiträge zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) fast eine Milliarde geschenkt. Das ist volkswirtschaftlicher Unsinn und wird unweigerlich zu Kürzungen bei sozialen Leistungen führen“, kritisiert die Femme Fiscale. Femme Fiscale fordert stattdessen eine Milliarde Euro im Bildungs- und Care-Bereich zu investieren. Damit werden kurzfristig 15.200 neue Jobs geschaffen – mittelfristig durch Zweitrundeneffekte noch viel mehr. „Mit unserem Beschäftigungspaket fließt das Geld dorthin, wo wir es am dringendsten brauchen und es die meiste Beschäftigung schafft: Bei Bildung, Pflege und im Flüchtlingsbereich. Damit werden gleichzeitig Frauen von unbezahlter Arbeit entlastet“, betont die Femme Fiscale.

Das Beschäftigungspaket von Femme Fiscale beinhaltet:

– Mehr Einkommen für Arbeit mit Menschen: Als erster Schritt Anheben der Löhne im Pflegebereich an das durchschnittliche Einkommen von Angestellten (150 Millionen Euro)
– Investitionen in Pflege (u.a. mobile Pflege, Pflegedienst): (300 Millionen Euro für 2016): rund 3.500 Jobs
– Mehr mehr und bessere Kinderbetreuung und -bildung: mehr Plätze und Personal, längere Öffnungszeiten (135 Millionen Euro vom Bund, gleicher Betrag von den Ländern): rund 10.000 Jobs
– Ausbau Ganztagsschulen für alle Schulstufen (350 Millionen Euro): 1.700 Jobs
– Investitionen in Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen (kurzfristig Verdopplung der vorgesehenen 70 Millionen Euro) schafft Hunderte weitere Jobs

Zwtl.: Akzente in Richtung Umbau der Wirtschaft

Angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen muss das Budget 2016 einen Schwerpunkt auf Bildung und Care-Bereich setzen. Die Maßnahmen des Beschäftigungspaketes „Care Revolution“ wären ein wichtiger kurzfristiger Schritt in diese Richtung, weitere Investitionen müssen mittelfristig folgen.

* Femme Fiscale ist eine Initiative von Gruppen und Netzwerken, die sich für geschlechtergerechte Steuer- und Budgetpolitik einsetzt.
Bestehend aus FeministAttac, Attac, Frauenring, Plattform 20.000 Frauen, AG Frauen/Armut der Österreichischen Armutskonferenz, Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen, OBRA (One Billion Rising Austria), Frau im ÖGV, Watch Group. Gender und öffentliche Finanzen, Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, AÖF

Rückfragehinweis:
Elisabeth Klatzer
Mail: femme.fiscale@gmx.at
Telefon: 0650/5050565

Femme Fiscale im Internet:
hier!

Weitere Fotos hier: ©attac

24. November 2015 More

Bildergalerie Volksstimmefest 2015

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alle Fotos: ©Bettina Frenzel

7. September 2015 More

Frauen.Punkt 2015

Volksstimmefest 5./6. September 2015, Jesuitenwiese, Prater

www.volksstimmefest.at
Auch heuer wird die Plattform 20000Frauen in Kooperation mit anderen Initiativen den Frauen.Punkt gestalten:

Frauen.Punkt am Volksstimmefest 2015

Frauen.Punkt am Volksstimmefest 2015

Samstag, 5. September, ab 15h:

Refugee Welcome: Diskussion und Information zum großen aktuellen Thema Flucht/Geflüchtete – Schwerpunkt: Refugee Women
Mit dabei: Dagmar Schindler, Expertin in Flüchtlingsfragen
Was können wir tun, was sind die nächsten Aktionen, wo können wir uns einklinken?
Beiliegend ein Forderungspapier und ein Redebeitrag zum Thema Refugee Women. (pdfs zum Downloaden)

28. September – Internationaler Aktionstag für freien Zugang zu legalen und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen
Brainstorming und Planung – Kundgebung ist für diesen Tag vor dem Parlament angemeldet.
Nähere Infos in der Facebook-Gruppe Schwangerschaftsabbruch raus aus dem Strafrecht: https://www.facebook.com/groups/Schwangerschaftsabbruchrausausdemstrafrecht/
website: http://www.september28.org/

Sonntag, 6. September, ab 15h:

„Alleinerziehende – Schluss mit Allein und Arm!“ mit Maria Stern
In Österreich bilden die Alleinerziehenden (93% Frauen) die erwerbstätige Bevölkerungsgruppe, die am stärksten von Armut betroffen ist. Trotz überdurchschnittlichem Arbeitspensum. Der Hauptgrund ist das Unterhaltsgesetz, das große Lücken aufweist, die die Politik, trotz jahrelanger Versprechen, nicht gewillt ist, zu schließen. Das Forum Kindesunterhalt hat sich zum Ziel gesetzt, ein großes Netzwerk von Betroffenen und SympathisantInnen aufzubauen und weiterhin in die Medien zu drängen um die Politik an ihre Verantwortung zu erinnern. Ziel ist eine Kindesunterhaltssicherung nach Schwedischem Modell.

3. September 2015 More

Diskussionspapier der Plattform 20000frauen zur Prostitutionsdebatte

Diskussionspapier Plattform 20000 Frauen

Frauensolidarität kann nicht bei Sexarbeiterinnen / Prostituierten aufhören!

Derzeit stehen in der Frage von Prostitution / Sexarbeit in der Frauenbewegung unversöhnliche Positionen gegenüber: Die abolitionistische, wonach Prostitution verboten und Sexkauf bestraft werden soll („Gäbe es keine Prostitution, gäbe es auch keinen Frauenhandel“), und jene, der es um Rechte für Sexarbeiterinnen geht.
Jeder Feministin sei es unbenommen, über Prostitution / Sexarbeit zu denken, was sie will, was wir jedoch nicht können, ist unsere Solidarität gerade bei Sexarbeiterinnen / Prostituierten enden zu lassen.
Angesichts sich ständig verschlechternder Arbeitsbedingungen in allen Berufen – zunehmender Prekarisierung, Aushöhlung des Arbeitsrechts, keine existenzsichernden Einkommen, befristete und Teilzeitjobs, von denen frau nicht leben kann – und angesichts der weltweit immer deutlicher die Form von Ausbeutungsverhältnissen annehmenden Wirtschaftsbeziehungen, die vielen Menschen des globalen Ostens und Südens ökonomisches Überleben immer mehr verunmöglicht, kann das Verbot von Prostitution / Sexarbeit oder die Kriminalisierung ihrer Kunden nicht auf der frauenpolitischen Tagesordnung stehen. Vielmehr müssen Feministinnen darum kämpfen, dass die in diesem Bereich tätigen Frauen (und Männer) menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen vorfinden. Für eine solidarische Frauenbewegung sind Gespräche mit den Betroffenen die Voraussetzung dafür, deren Situation kennenzulernen, um Politik auf informierter Grundlage zu machen.
Wir fordern deshalb von der offiziellen (Frauen-) Politik, dass keine Gesetze mehr für Sexarbeiterinnen / Prostituierte gemacht werden ohne ihre Sicht als Betroffene anzuhören und Selbstorganisationen und Beratungseinrichtungen von Sexarbeiterinnen, insbesondere sexworker.at, LEFÖ u.a. beizuziehen. Es gibt keinen Grund, SexarbeiterInnen/Prostituierte zum einzigen Berufsgruppe zu machen, die an der Erarbeitung der sie betreffenden Gesetzen automatisch ausgeschlossen wird, und vermutlich die einzige Berufsgruppe, wo stattdessen die Polizei diese Gesetze mitbestimmt. Diese Form der Stigmatisierung und Diskriminierung mit allen negativen Folgen, die sich keine Menschengruppe gefallen lassen würde, muss beendet werden.
Es geht in dieser Frage nicht in erster Linie um Geschlechterkampf, sondern um Migration und Menschenrechte für eine Gruppe, die in unserer Gesellschaft zu den Schwächsten und Ausgesetztesten zählt! Armutsmigration durch eine Politik der Verbote regeln zu wollen, ist menschenverachtend und liefert Sexarbeiterinnen/Prostituierte unnötig den BordellbetreiberInnen und dem Gewaltregime des Staates aus. Der österreichische Staat lässt Menschenrechtsverletzungen gegenüber Sexarbeiterinnen zu, weil er mit dem Hurenstigma kalkuliert, d.h., sich darauf verlässt, dass wenig Solidarität mit Sexarbeiterinnen / Prostituierten vorhanden ist. Häufig nimmt die Haltung von Feministinnen gegenüber Sexarbeiterinnen/Prostituierten Formen an, die Sexarbeiterinnen/Prostituierte ebenfalls abwerten, diskriminieren und verurteilen und – da unter SexarbeiterInnen sehr viele Migrantinnen sind – daher als rassistisch gelten müssen.
Die Aktivistinnen der Plattform 20000 Frauen lehnen dies für sich ab.
Wir schließen uns jenem Verständnis von Prostitution / Sexarbeit an, das die darin Tätigen davon haben, nämlich das einer freiwillig erbrachten sexuellen Dienstleistung, die einen einvernehmlichen Vertrag zwischen Erwachsenen voraussetzt. Wenn es das nicht ist, ist es nicht Sexarbeit / Prostitution, sondern sexuelle Gewalt, Ausbeutung und Zwang.
Außerdem verwenden wir künftig den Begriff der Hurenbewegung für ihre Arbeit: Sexarbeit statt Prostitution.

Die Plattform 20000 Frauen fordert daher:
• Keine Abschiebungen aufgrund von Verwaltungsstrafen (derzeit können Sexarbeiterinnen, die eine Verwaltungsstrafe in der Höhe von € 1000 angehäuft haben, abgeschoben werden).
• Aufhebung aller Verbotszonen des Straßenstrichs, besonders vor den Stundenhotels – dieser ist als eine relativ selbstbestimmte Form von Sexarbeit anzusehen und für manche Frauen die bevorzugte Form der Sexarbeit. Unter angemessenen Umständen ist der Straßenstrich ein Arbeitsort, an dem SexarbeiterInnen der größte Anteil an ihrem Einkommen bleibt, während in Laufhäusern Mieten ab 80 Euro pro Tag üblich sind.
• Beim Verbot des Straßenstrichs in Wien wurden nur AnrainerInnen gehört und die Betroffenen SexarbeiterInnen nie. Die Vertreibung in extrem abgelegene Gebiete hat zahlreiche Frauen zu Gewaltopfern gemacht, die anderswo nie Probleme mit Kunden hatten.
• Der entstandene illegale Straßenstrich macht Frauen ebenso vulnerabel wie das Verbot von Escort, weil sie sich bei Problemen an keine offiziellen Stellen wenden können.
• Wir fordern die Legalisierung von Escort.
• Eine Entkriminalisierung von Sexarbeit und die Einhaltung von Grund- und Menschenrechten gegenüber Sexarbeiterinnen.
• Es darf nicht sein, dass die Polizei das Recht hat, jederzeit eine Wohnung zu betreten, nur weil jemand behauptet hat, dass eine dort sich aufhaltende Frau der Prostitution nachgehe.
• Dass Sexarbeiterinnen sich wenn sie nicht arbeiten (Urlaub, Krankheit) bei der Polizei abmelden müssen ist untragbar.
• Die mit langen Wartezeiten verbundenen und entwürdigenden wöchentlichen, teilweise kostenpflichtigen Gesundheitsuntersuchungen sind abzuschaffen. Diese nützen nur der Versicherung von Freiern, dass sie bedenkenlos ohne Kondom mit der Frau verkehren können und nicht dem Interesse an der Gesundheit der Frau. Es sind reine Kontroll- und Repressionsmaßnahmen, die keinerlei Nutzen für SexarbeiterInnen haben. Es gibt aktuell in Wien nur eine Stelle für ca. 3500 Frauen, die Frauen werden untersucht, aber nicht behandelt und sie erhalten keine Diagnose. Die Zwangsuntersuchungen von Sexarbeiterinnen gehören – wie in allen anderen Ländern der Welt (Ausnahme Griechenland, viel längere Intervalle!) bereits geschehen – ersatzlos gestrichen. UNO, UNAIDS und WHO haben sich in diesem Sinne positioniert. Untersuchungen müssen – wie für alle Menschen – freiwillig und anonym sein.
Diese Gesundheitsuntersuchungen setzen Frauen auch der Gewalt aus: Wenn sie von Freiern, Zuhältern und Betreibern nicht aufgefunden werden wollen, können sie am Gesundheitsamt angetroffen werden, da ihnen dort ein bestimmter Tag pro Woche zugeteilt ist. In einigen Bundesländern ist fachspezifischen SozialarbeiterInnen der Besuch des Gesundheitsamtes untersagt. Bei einer Zwangsuntersuchung oder einer Razzia ist nicht zu erwarten, dass Opfer von Gewalt sich jemandem anvertrauen.
• Die Frauen dürfen keine/n BetreiberIn brauchen, der/die sie anmeldet. Die Frauen zu Angestellten von Betreibern zu machen, bedeutet sie der Abhängigkeit von diesen auszusetzen. (Es gibt Bundesländer, wo man nur mit Bescheid von BetreiberInnen den Deckel/Zulassungskarte bekommt).
• Sexarbeiterinnen, die sich für ihre Rechte einsetzen und gewerkschaftlich organisieren, müssen vor rechtswidrigen oder willkürlichen Hausdurchsuchungen und Steuerstrafverfahren geschützt werden.
• Wir fordern die Aufhebung der Registrierungspflicht. Frauen, die sexuelle Dienstleistungen anbieten, dürfen nicht dazu gezwungen werden, sich als Prostituierte registrieren zu lassen – das ist eine Einschränkung ihrer sexuellen Selbstbestimmungsrechte.
• Sexarbeiterinnen am Straßenstrich haben vor der Willkür bei Gesetzen oder der Polizei geschützt zu werden. Aufenthalt in der Verbotszone oder in „Arbeitskleidung“ in Verbotszonen bedeutet € 500 (bzw. Ersatzhaftstrafe) als Mindeststrafe bei der ersten Übertretung (Winken am Straßenrand reicht dazu), Strafen von über € 1000 in nur wenigen Stunden zu bekommen, kommt regelmäßig vor. Ab 1000 Euro Strafe können MigrantInnen abgeschoben werden.

DISKUSSIONPAPIER_Plattform20000frauen_2015 als pdf

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Bildergalerie Feministische Tischgesellschaft 30. Mai 2015

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2. Juni 2015 More

Feministische Tischgesellschaft in Wien am 30. Mai 2015

Video von der Feministischen Tischgesellschaft

© Dominique Doujenis

Bilder von der Feministischen Tischgesellschaft

144frauen_tischgesellschaft20150530-9965alle Fotos: ©Bettina Frenzel

Programm für die feministische Tischgesellschaft

vorbehaltlich kleiner letzter Änderungen
programmA3_tischgesellschaft15 hier zum Download in A3!

programmA4_tischgesellschaft15 und hier zum Download in A4!

 

Plattform 20000frauen lädt zur Feministischen Tischgesellschaft am 30. Mai

Von 13 bis 17 Uhr verwandelt sich die Mariahilfer Straße in eine feministische Begegnungszone
Im Gedenkjahr 2015 jähren sich auch zwei bedeutende frauenpolitische Ereignisse: Vor 40 Jahren wurde der Schwangerschaftsabbruch in Österreich mit der Einführung der Fristenlösung straffrei gestellt, im selben Jahr fand in Mexiko City die erste UN-Weltfrauenkonferenz statt. Anlässlich dieser beiden Jubiläen lädt die Plattform 20000frauen zu einer Feministischen Tischgesellschaft am Samstag, den 30. Mai 2015. Von 13 bis 17 Uhr werden auf der Mariahilfer Straße zwischen Schottenfeldgasse und Andreasgasse Tische aufgebaut, die von feministischen Organisationen bespielt werden – alle Interessierten sind dazu eingeladen, sich zu beteiligen und mitzudiskutieren.

Das Veranstaltungsformat
Über 30 Initiativen und Organisationen haben sich zur Tischgesellschaft angemeldet – darunter etwa Die Sicherheitsnadel, die Plattform Alleinerzieherinnen, das Sexworker Forum, die feministischen Magazine an.schläge und fiber, die Gleichbehandlungsanwaltschaft, LEFÖ und der Österreichische Frauenring. Sie alle gestalten das Programm an ihren Tischen autonom, so werden zum Beispiel Diskussionsrunden zu spezifischen Themen (z.B. Pflege, Schwangerschaftsabbruch, Frauen auf der Flucht, Feministische Generationen) veranstaltet oder kreative Aktionen geplant. Zu jeder vollen Stunde wird das laufende Programm unterbrochen und es finden kurze Performances feministischer Künstlerinnen statt. Eine Programmübersicht mit allen Inhalten wird einige Tage vor dem 30. Mai auf der Website der Plattform 20000frauen (www.20000frauen.at) veröffentlicht und auch bei der Tischgesellschaft aufliegen.

Alle interessierten Frauen* sind eingeladen, die Tischgesellschaft zu besuchen, sich vor Ort zu beteiligen und mit anderen in Austausch zu treten!

Auch das Essen und Trinken soll bei einer Tischgesellschaft nicht zu kurz kommen: Die einzelnen Gruppen bieten an ihren Tischen eigenverantwortlich Leckereien an, die Plattform 20000frauen stellt allen Wasser, Fladenbrot und Schafskäse zur Verfügung.

Bei Schlechtwetter
Die Tischgesellschaft findet im Freien statt, eine alternative Location im Falle von Schlechtwetter steht nicht zur Verfügung. Vor Ort wird allerdings ein Zelt aufgebaut, sollte es durchgehend regnerisch sein, wird sich das Programm auf einen kleinen Austausch in diesem Zelt beschränken.

Die Plattform 20000frauen
Die Plattform 20000frauen ist eine überparteiliche feministische Plattform, die 2010 gegründet wurde. Einzelne Frauen fanden zusammen, um eine große Demonstration zum 100. Internationalen Frauentag am 8. März 2011 am Wiener Ring zu veranstalten. Seit dieser Frauen*Demonstration trifft sich die Plattform regelmäßig einmal pro Monat an wechselnden Orten, um Aktionen zu planen und verschiedene Themen zu diskutieren. Feministisches und antirassistisches Engagement stehen im Zentrum der Plattform-Aktivitäten, die Bandbreite der Aktionen reicht von der Herausgabe einer feministischen Satirezeitung über Flashmobs und Podiumsdiskussionen bis hin zur Veranstaltung der Frauenenquete gemeinsam mit der Frauenministerin.

Warum eine Feministische Tischgesellschaft
Die Plattform 20000frauen vereint Aktivistinnen* aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, mit unterschiedlichen Biografien – und damit auch vielfältigen politischen Positionen. Zentrale Anliegen der Plattform sind es, immer wieder miteinander in Austausch zu treten und (temporäre) Bündnisse zu knüpfen. In diesem Sinne schafft die Plattform regelmäßig Räume für feministischen Diskurs. Nach der Frauen*Demonstration am 19. März 2011 und der Zeltstadt der Frauen 2012 ist die Feministische Tischgesellschaft die dritte Großveranstaltung im öffentlichen Raum.

Aufruf Ulli Weish

Alltagslabor – Diskussionen im öffentlichen Raum zu Frauen/Körper/Konsum/Praktiken

Idee: Wir diskutieren über Alltagsgegenstände und Verbrauchsgüter, die uns nerven.
Aufruf: Objekte mitbringen! Allerlei willkommen!
Ablauf: Objekte werden auf Tisch gesammelt und gemeinsam kommentiert; bleiben auf Tisch oder werden auf Wäscheleinen gehängt. Gerne am Ende der Veranstaltung wieder mit heim nehmen oder in einem kollektiven Akt weg schmeißen……..

Am Beispiel von Damenunterhosen, BHs, Schuhen, Bekleidungs-Modewellen (verschiedener Röcke, Hosen in der Mini- bis Maxi-Variante mit Fokus auf unbequem und unpraktisch), Körperlotions und Enthaarungs-, Hautlotions und Antischweiss-Produkte, zu den sog. Hygiene-Artikeln (wie Tampoons und Binden bis zur Slipeinlage) also wieder mal zum alten Klassiker der Sauberkeitserziehung, die sich aktuell mit der Behaarungskontrolle verkoppelt und Produkte kreiert, die den Warenkreislauf und die Alltagspraktiken des täglichen Körperbeobachten am Laufen halten…….Auch gerne Kinderspielsachen in der aktuellen Trennung von Pinkplastikzeug mit Rüschen für Mädchen und Militäroutfit für den kleinen Babyboy von heute; gerne auch Kinderzeitschriften und elektronisches Freizeitvergnügen (also Abschussspiele für Jungs und Schöner Stylen für Mädchen)

Ziel: Debatte mit zufälligen Passantinnen und Shoppenden auf der Maria Hilfer Strasse sowie mit Aktivistinnen und NGOFrauen, die bei der feministischen Tischgesellschaft mitmachen, zu initiieren. Alltagsdebatte zu Körperkontrolle und Konsumzwang vertiefen, Freiheiten und Vielfältigkeiten von Gewohnheit und Aussehen verstärken; im 21. Jahrhundert kann das Projekt „Körperbasteln für den Aufstieg“ als dominant beschrieben werden, der die Sehnsüchte von (jungen) Frauen radikal bindet (ökonomisch, Zeitressourcen, Selbstwahrnehmung etc.)

Bitte Mail an Eure Netzwerke weiterleiten bzw. an alle Gruppen, die bei der Fem. Tischgesellschaft mitmachen werden und/oder im Verteiler der Plattform sind!

Ich hoffe auf viele Replys und mitgebrachte Objekte; auf kritische Inputs und auf rege Beteiligung;
meine geplante Rolle ist das Sammeln, mit-kommentieren, Beginn und Ende der ‚Performance‘ mit Megaphon

ich bin am 20.5. beim Organisationsplenum um 18uhr (diesmal bei den Grünen in der Lindengasse) dabei;
glg
ulli weish

1. Aufruf:

Beteiligt euch

am 30. Mai 2015

in Wien
bei der

Feministischen Tischgesellschaft

anlässlich

40 Jahre UN-Dekade der Frau

und

40 Jahre Schwangerschaftsabbruch in Österreich

1975 fand in Mexiko City die erste UN-Weltfrauenkonferenz statt, mit dem Ziel, die Stellung der Frauen weltweit zu verbessern. Die auf der Konferenz entworfene Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frauen (CEDAW) wurde 1979 von der UNO verabschiedet und bis heute von fast allen 190 UNO-Mitgliedsstaaten ratifiziert (1982 von Österreich). Auf der vierten und bislang letzten UN-Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 verpflichteten sich die Staaten die Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen zu fördern. Doch die Realität schaut anders aus: weltweit leisten Frauen 2/3 der Arbeit, produzieren die Hälfte der Lebensmittel, verfügen über 10% des Einkommens und nur 1% des Vermögens.

1975 wurde in Österreich der Schwangerschaftsabbruch legalisiert, d.h. bis zur 12. Schwangerschafts-woche straffrei gestellt. Ein großer Sieg für Frauen: das Ende von lebensgefährlichen Abtreibungen sowie Straffreiheit für ungewollt Schwangere und Ärzte/Ärztinnen, die Abtreibungen durchführen. Die Fristenlösung ist aber ein Kompromiss, denn bis heute steht der betreffende Paragraf im Strafgesetzbuch. Darüber hinaus ist die Forderung nach einer Durchführung von Abbrüchen in allen aus öffentlichen Geldern finanzierten Spitälern in ganz Österreich nach wie vor nicht erfüllt, ebenso wenig wie jene nach Kostenübernahme für einen Abbruch durch die Krankenkasse.

2015 gibt es also genügend Anlässe für Begegnung und Austausch zwischen Vertreterinnen aus Frauen- und Mädcheneinrichtungen, öffentlichen Institutionen und Interessensvertretungen sowie interessierten Einzelfrauen. Die Aktivistinnen der Plattform 20000frauen laden daher am

Samstag, den 30. Mai von 13.00 bis 17.00 Uhr zu einer Feministischen Tischgesellschaft auf die Mariahilfer Straße

– zwischen Schottenfeldgasse und Andreasgasse – ein. Die Tischgesellschaft wird im öffentlichen Raum stattfinden, zahlreiche Tische bieten Platz für diskursive und kulinarische Genüsse, umrahmt wird die Aktion von künstlerischen Performances, verschiedenste Formate wie etwa Speed Dating oder Weltcafè bieten spannende und vielfältige Diskussions- und Begegnungsmöglichkeiten.

Diese Aktion wird gelingen, wenn sich viele viele viele beteiligen! Daher suchen wir
 Einzelfrauen und Fraueninitiativen, die ihre Themen lustvoll einbringen möchten,
 Musikerinnen, Theaterfrauen und Clowninnen, die den künstlerischen Rahmen gestalten,
 Köchinnen, die kulinarisch verwöhnen,
 Frauen, die mitorganisieren und mitgestalten wollen.
Wir stellen die benötigte Infrastruktur (Tische, Bänke, kulinarische Grundversorgung, Equipment für Redebeiträge etc.) zur Verfügung und sorgen für ein festliches Flair.
Bei Interesse bitte an office{at}20000frauen.at wenden oder bei einem Plenum vorbeikommen – Termine und Orte rechts oben!

FeministischeTischgesellschaft_Einladung_Plattform20000frauenpdf zum Download hier!

18. Februar 2015 More

Frauenenquete 2014 „Frauen. Bilden. Kritik.“

Samstag, 22. November 2014 von 8.30 – 17.00 Uhr
PH Wien
Daumegasse 8 / Grenzackerstraße 18
1100 Wien

Eine Zusammenarbeit der Plattform 20000frauen mit dem Bundesministerium für Frauen und Bildung!

Genaueres Programm auf Webseite der Frauenministerin
Einladungs-pdf hier zum Download!

Keynote-Sprecherinnen:
Susanne Dermutz „Bildet Schule Frauen?“
Michaela Judy „Polyphonie. Oder: Feministische Bildung zwischen Autonomie, Dialog und Solidarität“
Wiltrud Gieseke „Genderverhältnisse in Bildung. Zwischen Entwicklung und Stillstand – wo befinden sich die Frauen?“

Enquete Frauen.Bilden.Kritik.

Bilder Enquete Frauen.Bilden.Kritik.

Workshops:

Workshop I: Dekonstruktivistische/ queere/ normativitätskritische Perspektiven in der feministischen Bildungsarbeit – Claudia Schneider (EfEU – Verein zur Erarbeitung feministischer Erziehungs- und Unterrichtsmodelle)

Inhalt: Wie können pädagogische Konzepte aussehen, die – ohne das System der Zweigeschlechtlichkeit zu reproduzieren – dazu beitragen, Normativität aufzubrechen und Handlungsspielräume zu eröffnen, indem eine Entscheidung für EIN Geschlecht in den Hintergrund gerückt bzw. in Frage gestellt wird? Welche theoretischen Grundlagen, welche Methoden und welche didaktischen Settings sind dafür geeignet?
Zielgruppen: Pädagog_innen

Zur Person: Mag. Claudia Schneider
Studium der Europäischen Ethnologie an der Unversität Wien;
seit 1995 Mitarbeiterin beim Verein EfEU (Verein zur Erarbeitung feministischer Erziehungs- und Unterrichtsmodelle) und dessen Vorstandsmitglied, seit 2004 Gründungs- und Vorstandsmitglied der ASD – Austrian Society for Diversity, Lektorin an der Universität Wien und der Universität für Angewandte Kunst Wien.
Arbeitsbereiche: Aus- und Fortbildung, Organisationsberatung und Forschung.
Themenschwerpunkte an der Schnittstelle von Theorie und Praxis: gender- und diversitysensible Pädagogik, Gender-und Diversity-Trainings im Rahmen der Erwachsenenbildung, Beratung und Evaluation von Bildungsprozessen sowie Diversity Management in Bildungsinstitutionen.

www.efeu.or.at, www.societyfordiversity.at

Workshop II: Qualifikation und tatsächliche Berufschancen von Frauen – Gerlinde Hauer (Abteilung Frauen und Familie der AK Wien)

Inhalt: Wie haben sich die Bildungsbeteiligung und die Erwerbsbeteiligung in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt? In welchem Ausmaß haben Frauen und Männer einen Job entsprechend Ihrer Ausbildung? Und wie wirken sich diese Entwicklungen auf die Einkommen aus?

Es zeigt sich, dass Frauen immer besser ausgebildet sind. Beim erreichten Bildungsniveau gibt es nur mehr geringe Unterschiede zwischen Frauen und Männern, bei höheren Ausbildungen haben Frauen die Männer mittlerweile sogar überholt haben. Allerdings spiegelt sich das nur unzureichend in den Berufschancen von Frauen wider.

Was sind die Gründe dafür und welche Maßnahmen braucht es um Gleichstellung am Arbeitsmarkt voranzutreiben?

Zur Person: Mag. Gerlinde Hauer
Studium der Geschichte mit Schwerpunkt Frauenforschung an der Universität Wien; von 1991 bis 1999 freiberufliche wissenschaftliche Mitarbeiterin in verschiedenen Forschungs- und Ausstellungsprojekten; seit 1999 Referentin in der Arbeiterkammer Wien mit Schwerpunkt „Frauen und Arbeitsmarkt“, u. a. Konzeption und Betreuung von Studien, wie z.B. das „AK-Wiedereinstiegsmonitoring“ (erstellt von L & R-Sozialforschung); Mitautorin der Studie „Frauen-Bildung-Arbeitsmarkt. Die Entwicklung der Qualifikationsstruktur von Frauen und Männern 1981-2010 in Österreich und Wien (2014)“.

Workshop III: Feministische außerschulische Jugendarbeit – Tanja Eckhardt/Gudrun Rothschedl (*peppa Mädchenzentrum der Caritas Wien)

Inhalt: Die Mädchenarbeit ist Gegenstand zahlreicher Diskussionen und sieht sich immer wieder mit kritisch gestellten Fragen und Forderungen konfrontiert. Vertreterinnen des *peppa – Mädchenzentrums der Caritas Wien diskutieren aktuelle Themen und Anforderungen in der Arbeit mit jugendlichen Mädchen. Vor dem Hintergrund der Erfahrungswerte im *peppa – Mädchenzentrum sowie ausgehend von theoretischen Ansätzen der Mädchenarbeit soll der Workshop Impulse für die pädagogische Praxis in der Mädchenarbeit geben und Raum für Fragen und Diskussion bieten.

Die Auseinandersetzung mit der Gestaltung „zeitgemäßer“ und „zielgruppengerechter“ Inhalte und Angebote und die damit verbundenen Fragen „Was kann die Mädchenarbeit heute bieten?“ bzw. „Welchen Herausforderungen muss sich die Mädchenarbeit stellen?“ sind zentrale Themen des Workshops.

Die vielfältigen und oft widersprüchlichen Anforderungen an Mädchen und insbesondere junge Migrantinnen und die ständig im Wandel begriffenen Lebenswelten jugendlicher Mädchen erfordern eine Schärfung des Blickes für die Lebensrealitäten der jungen Frauen. „Wo stehen die Mädchen heute?“ „Welchen Mädchenbildern begegnen wir heute?“ „Welche Anforderungen lassen sich daraus für die Mädchenarbeit ableiten?“

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach der Diskrepanz zwischen den Anliegen der Mädchenarbeit und der Selbstdefiniton der Mädchen. „Was bedeuten feministische Positionen für Jugendarbeiterinnen bzw. für die Mädchen selbst?“ „Welche Haltung und Sprache verbindet bzw. trennt sie?“ Im Rahmen des Workshops sollen Möglichkeiten zum Umgang mit den Herausforderungen und Widersprüchen in der feministisch orientierten Mädchenarbeit erarbeitet werden. Ein weiterer Aspekt ist die gesellschaftliche Bedeutung feministischer Mädchenarbeit. Auch die Frage nach der Notwendigkeit von Mädchenräumen zur Vervielfältigung von Mädchenbildern und -kulturen ist damit eng verknüpft.

Zur Person: Mag. Gudrun Rothschedl
Studium der Soziologie (Johannes Kepler Universität Linz, Humboldt-Universität zu Berlin)
Aufbaulehrgang Jugendarbeit (wienXtra Institut für Freizeitpädagogik Wien)
Lehrgang Mainstreaming Gender und Diversity in modernen Organisationen Anwendung und strukturelle Verankerung im Berufsalltag
ImKontext Institut für Organisationsberatung, Gesellschaftsforschung, Supervision und Coaching
Teamleitung *peppa – Interkulturelles Mädchenzentrum der Caritas Wien
Schwerpunkte: Feministische Mädchenarbeit, Genderpädagogik, Genderstudies, Feministische Theorie, Diversität, Migration

Mag. Tanja Eckhardt
Studium Psychologie (Universität Wien)
Grundkurs Jugendarbeit (wienXtra Institut für Freizeitpädagogik Wien)
Ausbildung Motopädagogik im Kindesalter (Verein Motopädagogik Wien)
Online Beratung Lehrgang (wienXtra Institut für Freizeitpädagogik Wien)
Betreuerin *peppa – Interkulturelles Mädchenzentrum der Caritas Wien
Schwerpunkte: Feministische Mädchenarbeit, Freizeitpädagogik, Psychosoziale Beratung, Vernetzungs- und Kooperationsarbeit

Workshop IV: Zwischen „Genderwahnsinn“ und weiblicher Freiheit: Gender-Arbeit an Schulen – Hilde Grammel (FS 12 und Plattform 20000frauen)

Inhalt: An den Wiener Humanberuflichen Schulen wurde von 2006-2013 Gender Mainstreaming als Top-Down-Prozess implementiert. Der Workshop befasst sich mit der inzwischen wieder gestoppten Umsetzung dieses Themas vor Ort und bettet diese Arbeit in einen aktuellen gesellschaftspolitischen Kontext zwischen politischen Gender-Diskursen rechter und konservativer Kreise einerseits und der feministischen Kritik am Gender Mainstreaming andererseits ein.
Zielgruppen: PädagogInnen, an feministischer und Frauenpolitik Interessierte

Zur Person: Mag. Hilde Grammel
Studium der Anglistik/Amerikanistik und Geschichte an der Universität Wien, seit fast 3 Jahrzehnten als Lehrerin berufstätig, Gender- und Diversity-Beauftragte ihrer Schule.
Politische Aktivistin in zahlreichen feministischen und linken Zusammenhängen, u.a. von 1993-2008 in der Redaktion von [sic!], Forum für feministische GangArten, Mitarbeit in Frauencafé und Frauenzentrum Wien, Mitbegründerin der Plattform 20000 Frauen und Mitherausgeberin von 100 Jahre Frauenfragen. Bewegung – Reflexion – Vision (Promedia, Wien 2012) und der aep-informationen 01/2014 zu Prostitution oder Sexarbeit. Realitäten, Rechte, Richtungen. Aktivistin von EL-Fem, dem feministischen Netzwerk der Europäischen Linksparteien.
Alleinerziehende Mutter einer inzwischen erwachsenen Tochter.

Workshop V: Feministische Bildung verliert den Internetanschluss. Gründe und Aussichten – Maria Zimmermann/Karin Kuchler (Genderraum)

Inhalt: Wir möchten zu einem niederschwelligen Austausch darüber einladen, was feministische Bildung im Internetzeitalter bedeuten kann. Gemeinsam wollen wir auch erarbeiten was feministische Orte im Internet können sollen und wollen. Teilnehmerinnen* jeden Kenntnisstandes sind herzlich willkommen, benötigte Grundinformationen stellen wir sehr gerne zur Verfügung.

Maria Zimmermann: Politikwissenschaftsstudentin, Sachbearbeiterin im Referat für Menschenrechte und Gesellschaftspoltik der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft, Mitgründerin vom kritischen, journalistischen und medienaktivistischen Kollektiv prozess.report & Koordinatorin im Verein Genderraum
Schwerpunkte: (Netz)Feminsimus, Netzpolitik, Datensicherheit, (Online)-Aktivismus
Organisation: Genderraum

Karin Kuchler: Studium der Philosophie, Bibliotheks- und Informationswissenschaft in Triest, Wien und Honolulu, dort auch Assistenzbibliothekarin im wissenschaftlichen Journaldienst. Wissenschaftliche Mitarbeiterin unter anderem am Institut für Höhere Studien, politische Erwachsenenbildnerin, als solche durch ÖH/bm:wf im Unabhängigen Tutoriumsprojekt zertifiziert. Gegenwärtig OeAD-Lektorin an der Alexandru Ion Cuza Universität, Iași. Organisation: Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit

Workshop VI: Frauenbildung als Praxis der Beziehung. Vermittlung zwischen Autorität und Freiheit – Birge Krondorfer (Frauenhetz – Feministische Bildung, Kultur und Politik)

Inhalt: In unseren sogenannten postautoritären Gesellschaften wird ‚Autorität’ zumeist mit Herrschaft gleichgestellt und damit die Vorstellung von Bedürfnissen nach Orientierung, Geborgenheit und Stabilität abgewiesen. (Was dann in Angeboten von ideologischen Manipulierern sich doch hinter den Kulissen krude einen Weg bahnt.) Auch kann bloße Abwehr von Autorität Tyrannei durch Majoritäten produzieren, inklusive eines damit einhergehenden Konformismus.

Wird ‚Autorität’ nicht verstanden als Durchsetzung eines ‚autoritären Charakters’, sondern als ein ethisches Konzept, so wäre die Reanimierung eines bewussten Autoritätsbegriffs dort für pädagogisches Handeln relevant, wo Bildung als Produkt abgelehnt und ihr Prozesscharakter zur Entwicklung von Selbstbestimmung und Kritik an frauenschädlichen Verhältnissen im Vordergrund steht.

Bei einer Bildung von/für/durch Frauen, die im- oder explizit männlich dominierte Systeme hinterfragt, kommt den Beziehungen zwischen Frauen eine eigene Bedeutung zu: erst durch die Anerkennung gegenseitiger Abhängigkeiten wird die Bildung eigenständiger Denk- und Handlungsweisen ermöglicht. Wird Bildung nicht nur als Vermittlung von Wissen, sondern auch als Beziehungsgebilde verstanden, so bedeutet ‚weibliche’ Autorität ein Sich-zur- Verfügung stellen durch die Position des Unterschieds: ein Lehr- und Lernverhältnis, das abstrakte Unabhängigkeitsfantasien hinterfragt und damit konkrete Freiheit eröffnet. ‚Aufgabe der Autorität ist es immer gewesen, Freiheit zu begrenzen und gerade dadurch zu sichern’ (Hannah Arendt). Diesen Paradoxien möchte sich die Denkwerkstatt annähern.

Zur Person: Mag. Dr. Birge Krondorfer
Politische Philosophin und feministisch Tätige. Universitätslektorin und Autorin. Moderatorin, Trainerin, Supervisorin, Mediatorin. Ehrenamtlich arbeitend u.a. in der Bildungsstätte Frauenhetz, der Plattform 20000frauen, Verband feministischer Wissenschafterinnen, der Arge Demokratie braucht Bildung. Temporäre Redakteurin und Herausgeberin. Letzte Co.Herausgaben: Frauen und Politik. Nachrichten aus Demokratien, Wien 2008; Frauen-Fragen. 100 Jahre Bewegung, Reflexion, Vision, Wien 2012; Prekarität und Freiheit? Feministische Wissenschaft, Kulturkritik und Selbstorganisation, Münster 2013; Gerburg Treusch-Dieter Ausgewählte Schriften, Wien/Berlin 2014.

Workshop VII: Kritische Bildungsarbeit mit Migrantinnen – Selma Mujić (LEFÖ – Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen)

Inhalt: LEFÖ, als feministische, politische Erwachsenenbildungseinrichtung, ist um kritische Ansätze in der Bildungsarbeit mit Migrantinnen bemüht (www.lefoe.at). Diese Grundhaltung war Ausgangspunkt des Projektes mehr.sprache_dazmaterial, das hier vorgestellt werden soll (http://mehrsprachen.wordpress.com/daz-materialien/).

Inhalte, Themen, Methoden, Materialien und die Sprache selbst, als ein Wissens- und Ordnungssystem, sind ideologisch und nie neutral. Deshalb gilt es, die Texte und Inhalte um Aspekte des Politischen zu erweitern und aus einer postkolonialen, intersektionalen, rassismuskritischen und feministischen Perspektive neu zu betrachten. Dabei rücken die strukturellen Rahmenbedingungen, die individuelle Handlungsmöglichkeiten mitbestimmen, ins Blickfeld der Auseinandersetzung. Im Unterricht soll der strukturelle Herrschaftszusammenhang eingeblendet und Mechanismen der Ausgrenzung und Diskriminierung, die Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe sowie zu Bildung und Arbeitsmarkt erschweren, erkannt, benannt sowie kritisch reflektiert werden. Ein Feld, in welchem die hegemoniale Sprache (Deutsch) vermittelt wird, kann nicht getrennt von Migrations-/„Integrationspolitik“ und vom bildungspolitischen Kontext betrachtet werden. Im Sinne eines hegemoniekritischen Anspruchs in der Erwachsenenbildungsarbeit gilt es, eine Auseinandersetzung mit macht- und wissenskritischen Fragen bezogen auf die Inhalte, Methoden, Materialien und das pädagogische Herangehen zu fördern. Das verlangt nach kritischer Aneignung, Intervention und Um-/Neugestaltung. Ins Zentrum eines wissenskritischen Zugangs rücken u.a. folgende Fragen: Welches Wissen wird (dominanz-) gesellschaftlich anerkannt und welches nicht? Wer definiert Wissen? Wer hat Zugang zu welchem Wissen? Welches hegemoniale Wissen wird über bestimmte Inhalte/Sprachen/Methoden/Materialien reproduziert? Was will ein DaZ-Kurs vermitteln? Welche Inhalte finden Platz? Welche Annahmen über «die Kursteilnehmerinnen» bestehen? Werden Teilnehmerinnen defizitär in ihrem Wissen wahrgenommen? Durch Zuschreibungen und Stereotypisierungen werden Bilder über „die Anderen“ produziert und bestehende Bilder gefestigt; damit ihre vermeintliche „Andersartigkeit“ erst konstruiert. Unter Berücksichtigung der hierarchischen pädagogischen Verhältnisse in Lernprozessen zwischen Lernenden und Lehrenden plädieren wir für eine Pädagogik, die die zugeschriebenen Rollen reflektiert, die dichotomen Kategorien von wissend/unwissend in Frage stellt und nicht nur ein bestimmtes Wissen als Wissen erscheinen lässt.

Nach einem kurzen theoretischen Input und der Vorstellung des Projektes werden die Workshop-Teilnehmerinnen eingeladen, sich daran zu probieren, die Theorie mit der Praxis zu verknüpfen – Material zu analysieren, zu „kritisieren“ und umzuschreiben, neue Kontexte einzubauen und zu intervenieren. An das normalisierte (Lehrbuch-)Sprechen soll das kontextabhängige Sprechen, die Sprache des Aufbegehrens, Widersprechens, Ausverhandelns, Konfliktes, der Kritik, Verteidigung, Abweichung anknüpfen.

Zur Person: Mag. Selma Muji
Kursleiterin bei LEFÖ – Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen
Interessensschwerpunkte: Basisbildung; Mehrsprachigkeit; Sprachbiographisches Arbeiten; kritische Bildungsarbeit; pädagogische Verhältnisse; Theater der Unterdrückten; Bildungspolitische Rahmenbedingungen; strukturelle Benachteiligungen in Bezug auf Bildungsarbeit mit Migrantinnen …
Kultur- und Sozialanthropologin
Themenschwerpunkte: Migration, Diaspora, Transnationalismus; Macht, Gewalt, Krieg, Peace Studies; Ausgrenzungsmechanismen; Gender; Afrikanische Geschichtswissenschaft; Rassismus, Nationalismus, Islamophobie; Erinnerungsarbeit/„-kulturen“ …

Workshop VIII: Die fördernden und hemmenden Faktoren in der Emanzipation von muslimischen Migrantinnen – Zeynep Elibol (Islamische Fachschule für soziale Bildung)

Inhalt: Musliminnen stehen unter Generalverdacht unterdrückt zu sein. Die Emanzipation,die Chancengleichheit und Gleichbehandlung sind für sie genauso wichtig wie für andere Frauen auch. Aber müssen Musliminnen mehr dafür kämpfen als andere Frauen? In diesem Workshop soll Raum geboten werden die hemmenden und fördernden Faktoren in der Arbeit mit muslimischen Frauen in Bereich Schule, am Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft zu reflektieren, Synergien für neue Ansätze und neue Konzepte zu schaffen. Dabei werden an Stereotypen und konkreten Fallbeispielen gearbeitet.

Zur Person: Zeynep Elibol studierte Physik, Pädagogik und Politikwissenschaften in der Türkei und in Wien. Ihre Diplomarbeit beschäftigte sich mit den sozialen und Bildungsproblemen türkischer Mädchen und Frauen in Österreich. Seit 1988 arbeitet sie als Lehrerin, seit 2002 leitet sie die „Islamischen Fachschule für Soziale Bildung“ in Wien, eine dreijährige Ausbildung für Sozialberufe. Sie ist Dozentin für Sonderpädagogik an der IRPA Wien und Universität Salzburg. Im Jahr 2008 wurde sie gemeinsam mit der in Amerika lebenden jüdischen Schriftstellerin Ruth Klüger mit dem „Frauenpreis der Stadt Wien“ ausgezeichnet. Begründet wurde diese Auszeichnung mit ihrem Einsatz zur Stärkung muslimischer Mädchen in Österreich und ihrer interkulturellen und interreligiösen Verständigungsarbeit.

Workshop IX: Einblicke in die Praxis feministischer Erwachsenenbildung für Frauen mit Lernschwierigkeiten – Susanne Bali/Esther Weinberger (Ninlil – Empowerment und Beratung für Frauen mit Behinderung)

Inhalt: Der Verein NINLIL bietet seit seiner Gründung 1996 Empowermentseminare für Frauen mit Lernschwierigkeiten an. Im Zentrum stehen die Frauen mit ihren Stärken und Bedürfnissen. Frauen tauschen sich innerhalb der Frauen-Gruppe aus und stützen sich untereinander. In diesem Workshop wollen wir die Empowermentseminare vorstellen und auch darauf eingehen, was es braucht, um alle Frauen inklusiv an feministischen Erwachsenenbildungsangeboten teilhaben zu lassen.

Zur Person:

Susi Bali ist Psychologin und feministische Selbstverteidigungstrainerin. Sie leitet seit 2000 Empowermentseminare bei Ninlil und ist dort auch im erweiterten Vorstand. Im Selbstvertretungszentrum für Menschen mit Lernschwierigkeiten im WUK arbeitet sie als Unterstützerin.

Esther Weinberger: Behindertenfachbetreuerin, Mediatorin, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Verein Ninlil, Leiterin von Empowermentseminaren

22. November 2014 More