Category: Neuere Texte

Vor Wahl: Zivilgesellschaft schließt Solidaritätspakt

Presseaussendung vom 4. Oktober 2017

Für soziale Sicherheit und Demokratie und gegen Angriffe auf zivilgesellschaftliches Engagement
Wien (OTS) – Wenige Tage vor der Nationalratswahl präsentieren Attac, epicenter.works, GLOBAL 2000, Greenpeace, die Katholische ArbeitnehmerInnen Bewegung, ÖBV – Via Campesina Austria, die Plattform 20000 Frauen, SOS Mitmensch, Südwind, die Volkshilfe und die Gewerkschaft vida einen Solidaritätspakt für den Schutz und Ausbau von zivilgesellschaftlichen Handlungsspielräumen, sozialer Sicherheit, Menschenrechten und Demokratie.

Ohne eine lebendige und von Millionen Menschen unterstützte Zivilgesellschaft und Gewerkschaften wäre es um Umweltschutz, Menschen- und ArbeitnehmerInnenrechte, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und den Rechtsstaat in Österreich schlecht bestellt. Doch Angriffe auf viele dieser Errungenschaften und auf zivilgesellschaftliches Engagement und demokratische Handlungsspielräume werden immer häufiger. Dazu zählen:

– Der Abbau von rechtsstaatlichen Garantien, Grund- und Menschenrechten
– Einschränkungen der Versammlungs- und Meinungsfreiheit, offline und online
– Politische Einflussnahme auf die unabhängige Justiz sowie Angriffe und Anzeigen gegen RichterInnen
– Die Verschärfung von Überwachungsmaßnahmen
– Die Diskreditierung von NGOs, die Kürzung von Förderungen oder die Drohung, ihnen Geld zu entziehen
– Die Kriminalisierung von politischer Aktivität und legitimen Formen des Protests
– Der Versuch, bei unliebsamen Gerichtsentscheidungen die Verfassung zu ändern, um andere politisch gewollte Ergebnisse herbeizuführen
– Angriffe auf die demokratisch legitimierten Interessenvertretungen der ArbeitnehmerInnen und die innerbetriebliche Mitbestimmun
– Der Abbau von ArbeitnehmerInnenrechten und Angriffe auf den Sozialstaa
– Das Schüren von Vorurteilen gegen Bevölkerungsgruppe

„Wir rechnen auch in Zukunft mit weiteren Angriffen dieser Art. Mit dem Solidaritätspakt verpflichten wir uns gemeinsam unsere Stimme für die Demokratie, grundlegende Rechte sowie die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen für zivilgesellschaftliches Handeln zu erheben. Wir werden dabei auch solidarisch Beistand leisten und aktiv werden – vor allem, wenn einzelne Bevölkerungsgruppen oder Organisationen staatlicher Repression ausgesetzt sind“, erklären die Organisationen.

Für eine funktionierende Demokratie müssen die Grundrechte der gesamten Bevölkerung geschützt werden. Demokratische Freiräume und eine aktive und starke Zivilgesellschaft sind mehr denn je notwendig, um solidarische und emanzipatorische Antworten auf die gegenwärtigen Krisen zu entwickeln.

Die InitiatorInnen laden weitere zivilgesellschaftliche Organisationen in Österreich ein, sich dem Solidaritätspakt anzuschließen.

Rückfragen & Kontakt:
Solidaritätspakt der Zivilgesellschaft
David Walch
0650 544 00 10
presse@attac.at

4. Oktober 2017 More

„Fuck you“ von Luise Gubitzer

Beinahe eine Buchrezension zum Internationalen Frauentag am 8.3.2017

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„Eine Poesie des „Fuck you““ ist die Überschrift eines Kapitels in dem 2016 erschienenen Buch einer jungen Feministin, Margarete Stokowski, mit dem Titel „Untenrum frei“.

An unterschiedlichen Stellen des Buches erklärt sie warum sie Feministin geworden ist. Ein Grund ist, weil sie anerkennt und dankbar ist für das, was andere Feministinnen früher für sie erkämpft haben, von dem sie heute profitiert. Es sind vor allem die Freiheit von und die Freiheit zu. Feministinnen haben erkämpft, frei von patriarchalen Abhängigkeiten zu sein, die Freiheit zu wählen und gewählt zu werden, die Freiheit einer Erwerbsarbeit nachzugehen, ein eigenes Einkommen zu erzielen und darüber frei zu verfügen, die Freiheit sich jede Art von Bildung anzueignen und jede Art von Beruf auszuüben, die Freiheit über den eigenen Körper zu verfügen. All diese Freiheiten werden durch Gesetze gewährt, durch eine demokratisch legitimierte Rechtsordnung und Rechtsinstanzen. Ab der Erkämpfung des Wahlrechts haben Frauen die Rechtsordnung und die Demokratie wesentlich mitgestaltet, weil gilt: eine Person eine Stimme.

Ich denke, bei Wahlen ist das noch immer so. Aber, was davor und danach geschieht, ist nicht so. Wer mehr Geld hat, hat mehr Einfluss. Und das sind mehrheitlich nicht Frauen. Weder als Eigentümerinnen von großen Vermögen noch als Entscheiderinnen über große Beträge im Topmanagement.
Vor und nach Wahlen geschieht Entscheidendes. Einflussnahme erfolgt z.B. durch Netzwerke, früher haben Frauen das Patriarchat genannt. Mit dieser werden Wahlen gewonnen und danach werden interessensgeleitete Gesetze beschlossen, Verträge abgeschlossen und erfolgt die Hinterfragung von Entscheiden Oberster Gerichte. Dabei geht es großteils noch nicht um Gleichstellungsgesetze. Aber es geht um die Untergrabung der Demokratie und der Rechtsordnung und daher sollten Frauen ihre Stimme erheben, die Gefahren zur Sprache bringen und die Vorgänge beeinspruchen.

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Aufgabe zu prüfen, ob ein Bescheid auf Basis von Verträgen und Gesetzen verfahrensgemäß erfolgt ist. Er prüft das gesetzmäßige Handeln von Verwaltungsbehörden. So hat er das auch bei der Prüfung des Baus einer dritten Piste am Wiener Flughafen getan. Alle Unterlagen, die er herangezogen hat, wurden von demokratisch gewählten Politiker_innen beschlossen und unterzeichnet. Und jetzt sind es demokratisch gewählte Politiker, die diesen Entscheid auf das Schärfste kritisieren. Was geschieht da? Dass diverse Manager und Kämmerer den Entscheid kritisieren, wundert mich nicht. Sie haben Geschäft, Umsatz, Gewinne, Macht im Kopf. Aber demokratisch-legitimierte Politiker?

Das ist nur ein aktuelles Beispiel für Vorgänge in Österreich. Auf EU-Ebene ist ein Beispiel die Nicht-Reaktion der EU als in Rumänien das Antikorruptionsgesetz novelliert werden sollte. Nicht EU-Gremien haben das massiv beeinsprucht, sondern die Bevölkerung Rumäniens hat die Zurücknahme erreicht. Auf wie lange? Die EU lässt zu was mit der demokratischen Rechtsordnung in Polen und in Ungarn geschieht und sie macht Verträge mit jenem Mann, der fundamentale Rechte außer Kraft setzt und gegen 2854 Richter_innen und Staatsanwält_innen Haftbefehle erließ, mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Demokratisches Recht ist durch Politiker und auch durch manche Politikinnen, wie Marine Le Pen, gefährdet.

Recht ist aber auch gefährdet durch Unternehmen, die über Parteienfinanzierung, Medienbesitz, Bezahlung teurer Lobbyisten Politiker_innen für ihre Interessen gewinnen. Das offensichtlichste Beispiel sind die Vorgänge in den USA. Hunderttausende Frauen mit pinkfarbenen „Pussy-Hats“ sind dagegen beim „Frauenmarsch auf Washington“ im Jänner 2017 auf die Straße gegangen.

Die Rechtsordnung wird sowohl von Politiker_innen als auch von Unternehmen und Vermögenden massiv für ihre Interessen umgestaltet. Sowohl der Vorgang, als auch die Ergebnisse sind alarmierend. Recht und Demokratie sind die zwei Fundamente, die Frauen die Freiheit von und die Freiheit zu ermöglichen. „Fuck you“ ist notwendig und nicht nur „eigentlich“ sondern wirklich, wenn diese gefährdet sind.

In Kapitel 6 verweist Margarete Stokowski auf einen Text von Kurt Tucholsky aus 1928 in dem steht, dass „eigentlich“ kein Wort, sondern eine Lebensauffassung sei. Menschen leben vor sich hin, sagen aber „eigentlich“ seien sie was völlig anderes: Rebellen, Dichter. Sie schreibt: „In den schwachen Momenten neigen wir dazu, unsere Haltung hinter einen Satz zu schieben, der mit „eigentlich“ anfängt und dabei zu vergessen, was unsere Handlungsmöglichkeit wäre, das heißt: was unsere Freiheit ist. Für diese Momente hilft es, eine Poesie des „Fuck you“ zu entwickeln und in sich zu tragen, wie ein Mantra“ (S.189). So könne die eigene Handlungsfähigkeit erhalten bleiben und Frauen sich erinnern, wofür sie stehen. Das „Fuck you“ kann eine „magische Formel“ sein, die stärkt „für unsere Ziele zu kämpfen“. „Ein Großteil feministischen Handelns besteht darin, sich nicht verarschen zu lassen.“ Nicht durch Ablenkung, nicht durch Beschimpfung, nicht durch Verbreitung von Mythen, Vorurteilen und Klischees, nicht durch den Vorwurf der Übertreibung der „political correctness“ durch geschlechtersensible Sprache. Es gibt konstruktive Kritik und es gibt „Fuck you- Anwärter*innen“ (S. 190). Das „Fuck you“ kann daher eingesetzt werden als Mantra, zur Gelassenheit gegenüber Kritik, zur Selbstvergewisserung um die Stimme zu erheben und um klar zu machen: Mit mir nicht.

Mit dem Mantra „Fuck you“ sollen sich Frauen stärken, wenn sie unsicher werden, ob der Feminismus noch gebraucht wird. Denn die Kritik gegenüber Feministinnen ist wieder härter geworden. Feministinnen würden „übertreiben“, verhielten sich „bescheuert“, seien „anstrengend“, hätten kein Verständnis für Notwendigkeiten wie zum Beispiel für die, dass so viele Männer Präsidenten seien oder in Vorstandsetagen sitzen, weil es keine qualifizierten Frauen gäbe; oder dafür, dass es eben eine Notstandsverordnung und ein Fremdenrechtspaket, eine Sicherheitsdoktrin und eine dritte Startbahn am Wiener Flughafen braucht.
Der Feminismus würde im 21. Jahrhundert in Europa nicht mehr gebraucht werden, wird behauptet. Jene, die das meinen fragt sie: „Heißt das, Du glaubst, das hier ist der Endzustand?“ (S. 193): Die 22% Gender Wage Gap; der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen; 12 Stunden Erwerbsarbeit pro Tag; die sexuelle Gewalt gegen Frauen; die Art, wie wir leben; die Präsidenten Orban, Duda, Erdogan in Europa und Trump in den USA? Das alles soll „das abschließende Ergebnis aller Kämpfe und Diskussionen um Gleichstellung sein?“ (S. 193) Sie meint, dass es das nicht sein kann und schreibt: „Ich will nicht, dass Olympe de Gouges (1748-1793) ihren Kopf dafür hergeben musste, dass wir uns heute umschauen und sagen: Mehr geht nicht. Wir würden damit alle verarschen, die uns hierher gebracht haben, und ich verarsche nicht gerne Menschen, die etwas für mich getan haben. Also machen wir weiter, und wir brauchen keine Erlaubnis dafür: „I need no permission, did I mention“ zitiert sie Beyoncé“ (S. 193).

Wichtig ist, dass Frauen nicht aufhören Zustände, die ungerecht sind als Ungerechtigkeit zu sehen, darüber Wut zu empfinden und diese auch auszudrücken. Solche Zustände sind kein Naturgesetz, kein Sachzwang, keine Notwendigkeit, dass sie so sein müssen. Sie sind zu verändern.

Hannah Arendt (1958/1994, S. 180) schreibt, dass „das Handeln und Sprechen … sich in dem Bezugsgewebe zwischen den Menschen“ vollzieht. Mit „politisch handeln“ wird ein eigener Faden in das gesellschaftliche Gewebe gewebt, das man nicht selbst gemacht hat. Ein solches Gewebe ist der Feminismus. Ein Gewebe, das unsere feministischen Ahninnen begonnen haben zu weben. In dieses weben sich junge Feministinnen ein und entwickeln und tragen den Feminismus weiter. Das tun sie unter anderem in dem sie das Wort ergreifen. Und sei es nur mit einem „Fuck you“.

Durch das öffentliche Bildungssystem, das Feministinnen miterkämpft haben, sind viele Frauen sprach-, kritik-, und reflexionsfähig geworden. Manche, wie Frau Stokowski, melden sich daher „radikal“ zu Wort. Was für sie bedeutet, dass man genau und präzise sagt, was man meint und was ist. Sprache ist das, was wir teilen. Über Sprache sind wir fähig uns mit anderen zu verständigen. „Aber die Sprache mit der ich das alles formuliere, ist nicht meine, ich habe die Worte nicht erfunden, ich leihe sie mir nur aus und gebe sie an die Welt weiter“ (S. 196) Damit sich Frauen wie sie, Worte leihen können, ist es notwendig, dass es auch weiterhin feministische Forschung gibt in allen Bereichen. Auch und gerade in der Ökonomie. Denn Feministische Ökonomie gibt Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit Ökonomie anders zu denken, neue Begriffe zu entwickeln, ungerechte Zustände sprachlich zu benennen und Maßnahmen zu deren Veränderung zu formulieren. Aber auch dazu braucht es die rechtlich gesicherte Forschungsfreiheit. Margarete Stokowski schließt ihr Buch mit dem Satz: „Ich habe an das Aufstehen und an das Liegenbleiben geglaubt, an die Ruhe und den Sturm, und ich weiß nicht, was noch kommt und woran ich in meinem Leben noch glauben werde, aber ganz sicher niemals ans Schweigen.“ (230).

Die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Demokratie, ihrer Rechtsordnung, und Rechtsorgane ist die Voraussetzung das Frauenrechte gewährt sind. National, supranational und international ist das keine Selbstverständlichkeit – mehr. Es gibt Entwicklungen, die die Demokratie und die demokratische Rechtsordnung als altmodisch, überholt, ja als dekadent erscheinen lassen. Politiker machen sich breit, die für sich das Führerprinzip in Anspruch nehmen und die den Rechtsstaat als „Normenstaat“ in einen „Maßnahmenstaat“, einen „Repressionsstaat“ umändern.

Feminismus ist international, vielfältig, aber niemals neutral und schweigsam.

Auch dazu nicht.
Literatur:
Stokowski, Margarete (2016): Untenrum frei. Rowohlt. Hamburg.
Arendt, Hannah (1958/ 1994): Vita Activa oder Vom tätigen Leben. Piper. München/ Zürich.

Luise Gubitzer ist Ökonomin und Professorin am Institut für Institutionelle und Heterodoxe Ökonomie, Department Volkswirtschaft, WU Wien, luise.gubitzer@wu.ac.at

14. April 2017 More

Friedensapell WILPF – Rom Erklärung April 2017

Frauen vereint für ein friedliches Europa in einer friedlichen Welt

WILPF – Rom-Erklärung als pdf hier

Europa steht 2017 am Scheideweg – Kooperation und Errungenschaften stehen auf dem Spiel. 60 Jahre nach den römischen Verträgen hat die EU viel Kredit verloren bei Frauen, die an Frieden und Gerechtigkeit, ein gutes Leben in Sicherheit und Beteiligung an Entscheidungen glaubten.

Unsere feministische Vision war und ist inklusiv, gleichberechtigt, demokratisch, gerecht, nachhaltig und friedlich. Sie setzt auf Pluralismus, Diversität und die Garantie von Rechten. Sie ist für IFFF/WILPF die Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft.

 

WAS UNS SCHON IMMER UND AUCH HEUTE BEWEGT:

    • Die Notwendigkeit, gemeinsam Nationalismen und Traumata vom Krieg zu überwinden, unsere grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um gegenseitiges Vertrauen und Solidarität zu befördern in einer offenen und säkularen Gesellschaft.
    •  Die EU ist nicht nur ein Raum für Geld und Märkte. Europa ist mehr als die EU. Europa ist die Heimat ihrer BürgerInnen und derer, die bei uns Zuflucht gefunden haben und finden, weil sie ihre Heimat und Lebensräume verlassen mussten.
    • Es gehört zum kulturellen Erbe Europas, dass Menschen Mauern eingerissen haben und grundlegende Freiheiten und Demokratie mit gleichberechtigter Beteiligung von Männern und Frauen geschaffen wurden.
    • Die meisten EuropäerInnen haben die Lektion aus dem Kolonialismus verstanden und respektieren universelle Menschenrechte als Teil globaler Verantwortung auch für den Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen, ohne Natur zu schädigen und Menschen auszubeuten.
    • Die Wirtschaft muss den Menschen dienen und nicht Profite und Interessen einiger Weniger. Menschliche Sicherheit wird erreicht durch die Vermeidung von Konflikten und dem Schutz von Frauen.

 

HERAUSFORDERUNGEN FÜR UNS FRAUEN 2017: FÜR EINE FRIEDLICHE UND GERECHTE ZUKUNFT:

Die EU steht für ein ökonomisches Modell, das Ungleichheiten und Ungerechtigkeit überall auf der Welt vergrößert hat. Die Kluft zwischen arm und reich wächst auch in unseren Gesellschaften. Die Interessen multinationaler Unternehmen, Austeritätsmaßnahmen, ungerechte Steuersysteme, das Fehlen und Abbau öffentlicher Sozial-und Gesundheitssysteme – einschließlich reproduktiver Rechte – bedrohen die Grundlagen unseres Gemeinwesens, die Unabhängigkeit von Frauen und ihre gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe.

Die EU wird zu einem Raum der Exklusion, wo Regierungen neue Mauern bauen, “effiziente” Pushbacks für Flüchtlinge organisieren, Deals mit undemokratischen Führern vereinbaren, um neue “sichere Herkunftsstaaten” zu definieren und weiter die Festung Europa militarisieren. Diese Politik steht oft im Widerspruch zu Völkerrecht und internationalen Menschenrechtsvereinbarungen.

In der EU herrscht Angst vor, die von populistischen/nationalistischen Politikern und rechten Medien geschürt werden. Frauen sind nicht nur mit alten Formen patriarchaler Unterdrückung konfrontiert, sondern kämpfen gegen neue Formen der Diskriminierung, die „Gender“ als Kategorie bekämpfen und offen Rassismus und Hass predigen. Viele wenden sich an autoritäre Führerfiguren, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen.

Das Konsum-und Produktionsniveau (und die Produktionsweise) in der EU und in Europa verschärfen den Klimawandel und sind eine zusätzliche Quelle für Konflikte, Hunger und Zwangsmigration.

Der militärische Pfeiler der EU wird ausgebaut mit der Implementierung der neuen “Global Strategy”, dem Outsourcen des Grenzmanagements an die NATO. Die Steigerung der Militärbudgets in den Mitgliedsstaaten, die Ausrüstung mit neuen Waffengenerationen und ein nukleares Revival in Verbindung und Neubekräftigung der Abschreckungslogik ist extrem gefährlich.

 

WILPF FRAUEN ARBEITEN DARAN, DASS SICH ETWAS ÄNDERT

WILPF ist die älteste Frauenfriedensorganisation. Im Geiste unserer Gründungsmütter und eingedenk der aktuellen gefährlichen Entwicklungen sind wir überzeugt, dass es höchste Zeit ist, sich für ein anderes friedliches und gerechtes Europa einzusetzen. Ligafrauen aus ganz Europa haben sich in Rom getroffen, um unsere Rolle „agents of change“ zu bestätigen. Wir betonen unseren Mut, komplexe Antworten auf komplexe und globale Fragen zu geben. Wir arbeiten über Grenzen hinweg mit unseren europäischen Sektionen und Frauen aus Nachbarregionen in vielen Netzwerken und im Rahmen einer globalen Verantwortung zusammen. Wir werden weiterhin mit einer Genderbrille die Wurzeln von Kriegen und Gewalt benennen und für gewaltfreie Aktionen mobilisieren.

 

WIR RUFEN UNSERE REGIERUNGEN; PARLAMENTARIERINNEN UND EU INSTITUTIONEN AUF

    • Move the money from war to peace! Investieren sie das Geld wo es dringend gebraucht wird für die Menschen: in sozialer Sicherheit, Bildung, Gesundheit und Gleichberechtigung!
    •  Stoppen Sie den Waffenhandel in Konfliktregionen und beachten sie den Zusammenhang von Waffenlieferungen und geschlechtsbezogener Gewalt (CEDAW), verringern sie die Produktion von Klein-und Leichtwaffen und insbesondere Massenvernichtungswaffen!
    •  Nehmen Sie aktiv Teil und Anteil an den gerade begonnenen Verhandlungen zu nuklearer Abrüstung.
    • Bauen Sie die NATO ab, entnuklearisieren Sie Europa und stoppen Sie die Abschreckungslogik!
    •  Investieren Sie in eine Globale Strategie, die der Prävention Vorrang gibt und eine weitere Militarisierung unserer Gesellschaften verhindert!
    •  Setzen Sie die Nachhaltigen Entwicklungsziele um (SDGs), unter besonderer Berücksichtigung Ziel17
    •  Schaffen Sie ein Asylgesetz, das nicht nur menschenrechtliche und völkerrechtliche Vorgaben erfüllt, sondern Priorität für den Schutz, die spezifischen Bedürfnisse und eine sichere Unterbringung für Frauen und Mädchen gewährleistet, gegenüber patriarchalen Strukturen und geschlechtsbezogene Gewalt in ihrem Herkunftsland, auf der Flucht und in Europa. „Frauen und Flucht“ muss integraler Bestandteil der Nationalen Aktionspläne zur UNRes 1325 sein!
    •  Respektieren sie die Women, Peace and Security/WPS Agenda mit der Umsetzung der UNRes 1325, ohne diese für militärische Ziele zweckentfremden!
    • Unterstützen Sie Frauenprojekte, Kooperation, Frauenforschung und Friedenserziehung als Teil der Bildung einer Kultur des Friedens!
    • Verstärken Sie neue Modelle von Konsum und Produktion, die die Grenzen des Wachstums und die Gemeinwohlökonomie einbeziehen!
    •  Respektieren sie die uneingeschränkte Bedeutung von Gleichberechtigung und der Care-Wirtschaft, die Teil eines Frühwarnmechanismus für eine friedliche und gerechte Gesellschaft sind.
    •  Ratifizieren Sie die Istanbul Konvention und implementieren sie entsprechende Schutzmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt!
    •  Tragen Sie aktiv zu Klimaschutzmaßnahmen bei durch die volle Umsetzung des Pariser Abkommens mit einer gendergerechten Agenda!
    • Stoßen Sie mit uns 1000 Ideen und Visionen für die Ausbildung eines Europa der BürgerInnen an: Europäische (Tage in ) Schulen und Institutionen, Europäischen Zivildienst, mehr Erasmus und andere Austauschprogramme, billiges “Interrail,” cross border Festivals, Schaffung europäischer Medien
4. April 2017 More

Von der Not-Wendigkeit sexistischer Werbung und Adbusting als Subversion des Augenblicks / Ulli Weish

Artikel für Katharina Sarikakis Blog univieannamedialab.worldpress.com

Von der Not-Wendigkeit sexistischer Werbung und Adbusting als Subversion des Augenblicks

Ulli Weish 14.7.2016
Die Europameisterschaft 2016 im Fußball ist vorbei. Als verlässliche Begleiter konnten auch heuer wieder vielfältige Sexismen insbesondere in der Sportwerbung beobachtet werden. Verlässlich wie redundant arbeitet der internationale Sportwettenanbieter bet-at-home wiederholt mit plumpem Sexismus und lässt sich seine Kampagne mit Printsujets als Spanner-Plakate gestalten. Zur Erinnerung: Eine junge dunkelhaarige nackte Frau mit Blick in die Kamera hält einen Fußball unter dem Arm, freier Blick auf Po und Seitenansicht des Busens stehen im Zentrum des Sujets, umrahmt mit schwarzen Rändern, um den Eindruck eines Fernglases zu erzeugen, das auf sie gerichtet ist. Der Werbespruch daneben wirbt mit ‚Das Leben ist ein Spiel‘. Die für die Gestaltung verantwortliche Agentur Ganterundenzi ist ebenso wie der Auftraggeber für keine Stellungnahme bereit, nichtmals für den ORF im Laufe der gesamten folgenden Kalenderwoche, weder für das Kulturjournal am Mo, 4.7.2016 noch für orf.on (http://orf.at/stories/2348315/ ), und schon gar nicht für alternative kritische Medien. Die Agentur deutet die öffentliche Kritik zu ihren Sujets als mangelnde Liberalität, fehlende Lebensfreude und moralischen Konservativismus um (http://www.gantnerundenzi.com/kritik/ ). Mit Sexismus möchten sie sich nicht befassen, weder mit verschiedenen Lesarten, ob intendiert oder nicht, noch mit möglichen Folgeschäden einer sexistischen Rezeption, die breit und divers ist und niemals monokausal begründbar sein kann, wenn Übergriffe auf Frauen und Mädchen stattfinden. Überall, zu jeder Zeit, in jeder Stadt, in jedem Staat, kulturell anerzogen, medial dramaturgisch angelegt und seit den poststrukturalistischen Debatten rund um Postfeminismus (vgl. Gill 2015: 249) ironisiert, ambivalent lesbar, und dadurch amorph. Kritische Werbewirkungsforschung geht von verschiedenen Zielgruppen und Betroffenen aus, sexistische Werbung ist daher besonders triggernd für Opfer von sexuellen Gewaltverbrechen (Blake 2015: 92f.).

Die Kritik des österreichischen Werberats zum betreffenden Sujet – siehe http://www.werberat.at/beschwerdedetail.aspx?id=4829 – ebenso wie die der drei österreichischen Watchgroups gegen Sexismus in der Werbung in Graz (http://www.watchgroup-sexismus.at/cms/?p=2212 ), Wien (seit 2. Juni http://www.werbewatchgroup-wien.at/entscheidungen/aktuelle?_%5BADS%5D%5Bid%5D=3379 und Salzburg ( http://www.watchgroup-salzburg.at/2016/06/26/sexistische-werbung-des-wettanbieters-bet-at-home-com/

war eindeutig, aber dennoch wirkungslos, da ohne Konsequenzen ausgestattet. Die Selbstregulation der Werbebranche durch den Österreichweit agierenden Werberat (ÖWR) hat zweifelslos an Bedeutung zugenommen, doch allzu wirksam ist das Instrument in Fällen wie diesem nicht. Der Mechanismus ist bekannt und altbewährt. Denn wenn auch selten wie in diesem Fall einhellig die Plakatkampagne von bet-at-home als sexistisch verurteilt wurde und die Betreiber ersucht wurden, die Kampagne einzustellen, doch die Auftraggeber sich schlichtweg weigern (was ihr Recht ist, denn Selbstregulation baut auf Verständigung und Selbstreflexion auf, Sexismus in der Werbung ist bislang kein Tatbestand, siehe Rechtslage http://www.werbewatchgroup-wien.at/files/Int_nat_Rechtsrahmen_Mag.a_Kappel_20131029.pdf ), passiert genau nichts. Kein Risiko für Tabubrecher in der Agentur-Szene – sondern symbolische Gratifikation als Hippster-Coolness und Rebellen-Image, kein Rechtsbruch für Wiederholungstäter bedenklicher Produkt- und Dienstleistungen (zur Erinnerung: es geht um das Produkt Internet-Sport-Wetten, der Geschäftsführer geht von einer ‚gelungenen Kampagne für die Zielgruppe‘ aus, vgl. http://kurier.at/leben/bet-at-home-werbung-die-an-sexuellen-uebergriff-grenzt/203.718.293 ).

Adbusting und Culture Jamming als Markenkritik

Wenn zivilgesellschaftliche und brancheninterne Kritik nicht fruchtet, eignet sich feministischer Aktivismus und Satire, die sexistischen Mechanismen darzustellen und zu persiflieren, wenn genderegalitäres Bewusstsein zu Sexismus fehlt. Die Plattform 2000frauen, eine zivilgesellschaftliche feministische Gruppe aus Wien (http://zwanzigtausendfrauen.at ) initiierte daher ein Adbusting, ein Werbefake als „Sommerloch-Aktion zur Fußball EW“. Sie produzierte ein Sujet von bad-at-home mit nacktem Männerhintern und freiem Blick auf die sekundären männlichen Geschlechtsorgane, daneben platziert obligatorischer Fußball, ebenso umrandet mit schwarzem Ferngucker und kreierte 6 Werbesprüche, die in der Tonalität den Doppelsprech sexistischer Werbetexte ironisieren (Bilder und link zu Aktion der Plattform: http://zwanzigtausendfrauen.at/2016/06/fake-zum-sommerloch/).

Die Reaktionen auf Twitter und Facebook zu der Gegenkampagne (bet-at-home wird zu bad-at-home) waren vorwiegend positiv, da vor allem aus profeministischer Szene die Bilder und der ironische Text gepostet wurde. Reaktante Einzelfeedbacks zur Ästhetik der Fakes wurden ebenso mitgeliefert. Wie nun der Umgang in den sozialen Netzwerken mit Nacktheit und Sexismus bzw. deren kritische Ironisierung praktiziert wird, beschrieb die Journalistin Alexia Weiss in der Wiener Zeitung (http://www.wienerzeitung.at/meinungen/blogs/juedisch_leben/830352_Anstoessig.html ), Grundtenor: Faschismus im Netz wird kaum geahndet, eine nackte Abbildung, selbst wenn es sich um Kritik, Satire oder Aufklärung handelt, wird in Sekundenschnelle von Facebook gelöscht. Auch der Vergleich mit dem Originalsujet erstaunt: Die Standard Journalistin Olivera Stajic‘ versuchte daraufhin ein kleines alltägliches Sozialmedia-Experiment: Sie postete das Originalsujet von bet-at-home auf Facebook und bekam keine negative Reaktion, das Nacktbild der Dame blieb, doch das Fakebild vom nackten Mann war nach 20 Minuten weg, verschwunden, zwangsgelöscht, vgl. http://derstandard.at/2000040926434/Gegenkampagne-persifliert-sexistische-Werbung

Conklusio für Rechtssicherheit

Subversion als Alltagshandlung gegenüber normalisierenden Sexismen können nicht das Problem – die Aufmerksamkeitsökonomie des Spannens und Starrens – per se verändern. Sie spielen mit der abweichenden Lesart, die das Ungewohnte für das Gewöhnliche einsetzt und damit schockiert (Lasn 2008: 15). Durch die Emotionalisierung und das kritische Selbstbeobachten im Umgang mit ungewohnten bzw. in diesem Fall tabuisierten Bildern kann kritisches Bewusstsein geschaffen und vertieft werden. Das Ziel ist hier ein pragmatisches und konkretes: Die aktuelle Rechtslage in Bezug auf Glückspiel und Sexismus in der Werbung muss hinterfragt und neu geregelt werden (vgl. Völzmann 2014), damit kollektive Lesarten relevant werden und normalisierende Abwertungspraxis (Sex sells als eine dominante Spielart unkreativer Werbung) strafbar wird. In Zahlen messbar, in Geldstrafen verwertbar. Denn Selbstregulation allein setzt Verbindlichkeit bei allen Akteur_innen der Werbeszene voraus, eine Annahme, die in der Praxis falsch sein muss, da Werbung durch Tabubruch ‚funktioniert‘. Das praktizistische Doublebind kann nur durch Rechtssicherheit für alle Beteiligte aufgelöst werden: für die Kreativen als Bild- und Textproduzent_innen, für die Auftraggeber_innen als Finanziers, und für die Rezipient_innen als Käufer_innen, Adressat_innen von Werbung und als Zwangsinformierte, die im öffentlichen Raum den Werbebotschaften ausgesetzt sind. Gerade wenn Werbung so dominant sichtbar und überall – in jedem sozialen wie medialen Umfeld eingebaut ist – muss Werbung gesellschaftlich neu verhandelt und geregelt werden.

Literatur:
Blake, Christopher (2015): Wie mediale Körperdarstellungen die Körperzufriedenheit beeinflussen. Eine theoretische Rekonstruktion der Wirkungsursachen. Springer VS, Wiesbaden.
Gill, Rosalind (2015): Gender And The Media. Polity Press, Cambridge.
Lasn, Kalle (2008): Culture Jamming. Das Manifest der Anti-Werbung. Orange Press, Europrinting Mailand.
Völzmann, Berit (2014): Geschlechterdiskriminierende Wirtschaftswerbung. Zur Rechtmäßigkeit eines Verbots geschlechterdiskriminierender Werbung im UWG. Nomos Verlag, Baden-Baden.

Ulli Weish, Maga. Drin, ist seit 1996 Lektorin am Wiener Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie seit 2011 am Institut für Kultur- und Sozial-Anthropologie im Bereich Gender Studies, Expertin der Wiener Watchgroup gegen Sexismus in der Werbung und Medienaktivistin der Plattform 20000frauen.at. Im April 2016 erhielt sie für ihre zahlreichen ehrenamtlichen feministischen Aktivismen einen der drei Preise des Österreichischen Frauenrings.

16. September 2016 More

Frauen, der ökonomische Faktor – Volksstimme Oktober 2016

Soziale Repression

Frauen, der ökonomische Faktor

Tausend Mal beklagt, immer wieder gesagt und dennoch unerhört: Die Krise des Sozialstaates trifft Frauen in besonderem Maß. „Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Munde sind!“ (Bert Brecht)

Es ist die Zeit der Monster, sagten wir in der Redaktionssitzung. Und tatsächlich: Monströse Arbeitsbedingungen, überhandnehmende Ungleichheit, extreme Ausbeutung der Ware Arbeitskraft, wohin man und frau blickt: steigende Armut und Arbeitslosigkeit, steigender Reichtum. Und viel Arbeit, die zu erledigen, aber unbezahlt ist. Wie wirkt sich die soziale Repression auf Frauen aus?

Weibliche Alltagsgeschichten

Einer der letzten schönen Sommerabende im August. Nach dem Baden im See gehen meine Freundin und ich ins Café der Bootsanlegestelle am Ottensteiner Stausee, um den lauen Abend ausklingen zu lassen. Die Kellnerin ist kurz und knapp, ja, was zu trinken gibt es noch, aber um 19 Uhr ist eigentlich Sperrstunde. Ich schaue mir das müde Gesicht der Frau an. Ich frage, ab wann sie denn heute im Dienst gewesen sei. Seit acht sei sie hier, sagt sie. Anstrengend, sage ich, der Acht-Stunden-Tag ist also passee? Das ist Saisonarbeit, meint sie, tagein, tagaus im Sommer, sie sei froh, den Job zu haben, sie pendle von Hadersdorf bei Krems hierher. „In der Saison hast du vollauf zu tun, und im Winter gehst du stempeln.“

Die teilzeitbeschäftigte Sekretärin eines gemeinnützigen und finanzschwachen Wellness-Vereins wird seit Jahren in den Sommermonaten in die Arbeitslose geschickt – mit einer Einstellungszusage für den Herbst. Dann beginnt die intensive Arbeit und es geht rund um die Uhr. In den Sommermonaten sind die Klient_innen, die sich Wohl und Wellness leisten können, auf Kreta oder sonst wo. Die Sommerarbeitslosigkeit bedeutet für die Sekretärin, eine Alleinerzieherin: 400 Euro weniger im Monat und keine Anrechnung der Dienstzeiten für die Pension. Aber sie ist froh, diesen Job zu haben, sagt sie.

Die 73jährige Pensionistin war zeitlebens Hausfrau, um sich den Kindern zu widmen. Sie war bei ihrem Mann mitversichert. Fünf Jahre lang hat sie ihre Mutter bei sich zu Hause betreut, gepflegt und in den Tod begleitet. Jetzt, nachdem die Betreuungslast von ihr abgefallen ist, machen gesundheitliche Beschwerden eine schwere Herzoperation notwendig, sicher auch ein Resultat der jahrelangen Intensivbetreuung ihrer alten Mutter. Der Rehab-Aufenthalt nach der OP wird von der Pensionsversicherung abgelehnt, für Mitversicherte gelte das nicht. Schließlich bewilligt die Wiener Gebietskrankenkasse nach Bittgesuchen doch einen Rehab-Kuraufenthalt. Sie ist erleichtert und dankbar.

Die 40jährige Betriebsratssekretärin eines großen Konzerns stöhnt: „Arbeit, Arbeit, Arbeit – ich arbeite Vollzeit, habe 50 Gutstunden und falle tot um, wenn ich abends nach Hause komme. Dabei arbeite ich sehr gerne.“

Vier typische Frauenschicksale aus meinem engen Freundinnenkreis. Und alle sagen danke für die Ausbeutung. Hauptsache einen Job haben, wie und unter welchen Bedingungen ist egal. Wo also ist der Widerspruch zu verorten – viel Arbeit, viel Arbeitslosigkeit, viel Ausbeutung?

Gleichstellungskennzahlen, Frauenmonitor

„Die Arbeitslosigkeit nimmt seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008, trotz einer leichten Erholung 2011, kontinuierlich zu“, heißt es im eben erschienenen Bericht zu Gleichstellungskennzahlen 2016 des AMS.1) „2015 erreichte die Arbeitslosigkeit neue Höchstwerte: Der Jahresdurchschnittsbestand von 354.332 Arbeitslosen ist der höchste seit 1945. Auch die Arbeitslosenquote von 9,1% ist die höchste der 2. Republik.“

Frauen sind nur scheinbar weniger von der krisenhaften Entwicklung betroffen, so der AMS-Bericht. Die Auswirkungen treffen sie anders als Männer – beispielsweise durch einen steigenden Anteil an atypischer Beschäftigung. Zwar lag die Frauenbeschäftigungsquote 2015 mit 67,1 Prozent erneut deutlich über dem EU-28-Durchschnitt von 60,4 Prozent, jedoch muss die Quote kritisch betrachtet werden, denn die Frauenbeschäftigung ist vor allem aufgrund von hoher Teilzeitbeschäftigung angestiegen: 47,4 Prozent aller erwerbstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit. Zum Vergleich: nur lediglich 11,2 Prozent aller erwerbstätigen Männer arbeiten in Teilzeit.
Teilzeitarbeit garantiert den Frauen in den meisten Fällen kein eigenständiges existenzielles Auskommen und führt im Alter dazu, dass Frauen deutlich weniger Pension bekommen: Bezogen auf die Daten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger liegen die Alterspensionen der Frauen je nach Art der Berechnung um rund 40 bis 50 Prozent unter den Pensionen der Männer. 1)

Auch die Arbeiterkammer Oberösterreich weist in ihrem Frauenmonitor 2016 nach, dass seit 2005 ist ein massiver Anstieg der Zahl atypisch beschäftigter Frauen zu beobachten ist: „Von der Atypisierung der Arbeitswelt sind Männer und Frauen betroffen, jedoch zeigen sich deutliche Unterschiede in Bezug auf die Art und Qualität der atypischen Beschäftigungsformen. Geringfügige Beschäftigungen, Teilzeit und freie Dienstverträge sind zum überwiegenden Teil Frauensache. Dabei handelt es sich um Beschäftigungsformen, die tendenziell mit einer geringen Entlohnung einhergehen.“2)

Hinzu kommen völlig neue Beschäftigungsformen wie etwa das Crowdworking, die Gewerkschaften und Arbeitnehmer_innen vor ganz neue Herausforderungen stellen: kleines Handwerk für kleines Geld. Unternehmen zerlegen Arbeiten in kleine Projekte und vergeben sie über digitale Plattformen für oft geringe Honorare an Freelancer weiter. In Großbritannien finden sich fünf Millionen Plattformarbeiter_innen, und auch hierzulande steigt ihre Zahl. Bisher galt Crowdworking als Nische, in der Hilfskräfte zu Hause auf ihren Computern simple Aufgaben abarbeiten. Nun schreiben Crowdworker Texte, liefern Chemikalien, testen Handys, entwerfen Verpackungen, planen Häuser, betreiben Marktforschung, entwickeln Software, gestalten Werbekampagnen oder entwickeln neue Produkte – und sie tun dies eben auch im Auftrag großer Konzerne. „Mit der neuen Form des Outsourcings von Arbeit ändert sich die Machtbalance in der Arbeitswelt. Mindestlohn, Kündigungsschutz, Streikrecht, Urlaubsanspruch, Rente, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – für Crowdworker gilt all dies in der Regel nicht.“ („Zeit online“, 5.5.2016)

Blinde Flecken der Ökonomie

In ihrem Buch „Feministische Ökonomie“ 3) beleuchten Bettina Heidinger und Käthe Knittler die „blinden Flecken der Ökonomie“. Die traditionelle Wirtschaftswissenschaft ist „stumm, taub und blind“ gegenüber dem Geschlechterverhältnis. „Es geht darum, den unbezahlten Teil der Ökonomie – sei es in Form von Haus- oder Subsistenzarbeit – sichtbar zu machen und als wesentlichen Wertschöpfungsprozess zu behandeln; die spezifische Situation von Frauen am Arbeitsmarkt als Arbeitnehmerinnen oder Unternehmerinnen ins Blickfeld zu bekommen; und die Geschlechterblindheit von ökonomischen Prozessen aufzudecken.“3)

Frauen arbeiten mehr, länger und unter- oder nichtbezahlt. „In Österreich wird von den 9,7 Milliarden unbezahlten Arbeitsstunden der überwiegende Teil – rund zwei Drittel – von Frauen verrichtet (Statistik Austria 2009). Bei der bezahlten Erwerbsarbeit dreht sich das Verhältnis um: der Großteil (61 Prozent) wird von den Männern verrichtet. Frauen verdienen – abgesehen von Lohndiskriminierung – nicht deshalb weniger als Männer, weil sie ‚zu wenig‘ arbeiten, sondern weil sie ‚zu viel‘ unbezahlt arbeiten.“ 3)

Das Nationaleinkommen bzw. das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt unterhinterfragt als Wohlstandsindikator. Unbezahlte Haus-, Reproduktions- und Subsistenzarbeit findet dort keinen Niederschlag. Um diese Arbeiten und die Umverteilungswirkungen einer ein- und ausgabenseitigen Budgetpolitik auf das Geschlechterverhältnis sichtbar zu machen, haben feministische Ökonominnen ein alternativ berechnetes BIP vorgestellt. Gender Budgeting analysiert die Wirkungen der öffentlichen Budgets unter Berücksichtigung der spezifischen Lebenssituationen von Männern und Frauen. Dieses Analyseinstrument, mittlerweile als Bekenntnis im Mainstream angekommen, ist in Österreich Teil des Finanzverfassungsgesetzes. Es hebt allerdings den Staat nicht aus den Angeln, denn woher Einnahmen über Steuern oder andere Instrumente kommen und wofür das Geld ausgegeben wird, ist im System kapitalistischer Verwertungslogik eine politische Entscheidung. Die restriktive Austeritätspolitik einer neoliberalen Wirtschafts- und Fiskalpolitik mit ihren Strukturanpassungsprogrammen hat uns vor Augen geführt, dass Bankenrettungen (etwa die Hypo Alpe Adria, an der noch Generationen abzahlen) vor Sozialausgaben gehen (wie die unwürdige Diskussion um die Mindestsicherung zeigt). „Die Kosten der Austeritätspolitik werden auf dem Rücken der Frauen privatisiert und ‚auf die Küche abgewälzt‘…“3

Familienidylle als Krisenauffangbecken

Vor diesem Hintergrund erklärt sich das Wiederaufleben konservativer Lebensmodelle und Familienideologien, die von der politischen Rechten und vom christlichen Fundamentalismus bedient werden. „Die negativen Folgen der Einführung der ‚Hartz-IV-Reformen‘, die (in Deutschland und jetzt auch in Österreich als Modell für Migant_innenarbeit angedacht werden, Anm. B. D.) 2003 in Kraft getreten sind, in Form einer weiteren Prekarisierung des Arbeitsmarktes hatten vor allem Frauen zu tragen“, schreibt Gisela Notz in ihrem Buch „Kritik des Familismus“.4) Notz: „Die Vorhersage, dass die ‚Harzt-IV-Gesetze‘ erwerbslose Frauen verstärkt in die Abhängigkeit von Ehemännern und Lebensgefährten treiben, sollte sich bestätigen. Durch die Rekonstruktion des ‚Familienernährers‘ wird die frauenspezifische Forderung nach eigenständiger Existenzsicherung missachtet.“

Mit dem Harzt-IV-Gesetz taucht der Billiglohnjob als „Innovation“ auf, mittlerweile ist in der BRD jedes fünfte Beschäftigungsverhältnis ein Mini-Job. Das weibliche „Dazuverdienen“, das auch lange Zeit von den Gewerkschaften ignoriert wurde, restauriert ein antiquiertes konservatives Familienmodell, das fern der Realität ist. Zerrissene prekäre Arbeitsmodelle zerreißen traditionelle Familienformen, während gleichzeitig rückwärtsgewandte Familienideologien (z.B. in der BRD durch ein steuerliches Ehegattensplitting oder hierzulande durch fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen) verfestigt werden. Was der Staat nicht bereit ist herzugeben von seinen Steuermitteln für Soziales, soll individuell durch Ehrenamt und unbezahlte Familienarbeit ausgeglichen werden. Dafür gibt es -zigtausende Beispiele aus dem Gesundheits- und Pflegebereich. Care- oder Sorgearbeit für Kinder, Alte, Kranke wird den Frauen zugeordnet. Oft sind es Migrantinnen, die zu schlechten Arbeits- und Lohnbedingungen grenzüberschreitend pflegerisch tätig sind und die ihre Kinder zurücklassen müssen. „Die Migrationspolitiken des globalen Nordens kanalisieren Migrantinnen in bestimmte Segmente des Arbeitsmarktes wie den Care-Sektor.“ 3)

Tatsache ist, dass die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht. In der reichen BRD lebten 2013 mehr als 2,4 Millionen Kinder in Armut. „Familien sind nicht arm, weil Väter und Mütter Kinder haben, sondern Familien sind arm, weil sie nicht erwerbstätig sein können, weil es an Betreuungseinrichtungen fehlt, an existenzsichernd bezahlten Arbeitsplätzen oder auch, weil sie aus dem gewünschten Familienbild herausfallen.“4) Beilspielhaft dafür steht die alleinerziehende Mutter.

Was bleibt?
Nichts bleibt wie es ist. Das heißt aber nicht, dass wir die sozialpolitischen Veränderungen schlucken müssen. Viele Denkmodelle beschäftigen sich mit Alternativen zum gängigen neoliberalen TINA-Prinzip (There Is No Alternative). Margaret Thatcher prägte diesen Begriff, der 2010 zum Unwort des Jahres avancierte und der den Abbau des Sozialstaates und wirtschaftsliberale Reformen bei gleichzeitig konservativen Gesellschaftsvorstellungen beinhaltete. Die Globalisierungskritikerin Susan George hat dem TINA-Prinzip den Ausruf „TATA!“ (There Are Thousands of Alternatives! – Es gibt Tausende Alternativen!) entgegengestellt.
Die heterodoxen Wirtschaftstheorien verlangen nach Alternativen, Widerstandsstrategien und Utopien jenseits einer patriarchalen Ökonomie. „Regelgeleitete Fiskalpolitik ist vor allem in Krisenzeiten, wie wir sie im Moment in der Europäischen Union erleben, mit restriktiver Fiskalpolitik – also sinkenden Ausgaben – gleichzusetzen (Klatzer/Schlager 2011, 2012). Sinkt das BIP, sinken die Einnahmen des Staates. Sinken die Einnahmen des Staates, muss irgendwo gespart werden, um das Defizit und den Schuldenstand gleich zu halten.“3) Vor diesem Hintergrund ist der Steuerhinterziehungsskandal von Apple oder anderen Großkonzernen wie Starbucks besonders aufreizend: Jahrelang profitierte Apple aus Sicht der EU-Wettbewerbshüter von unrechtmäßigen Steuererleichterungen in Irland. Die EU-Kommission fordert nun von Apple eine beispiellose Steuernachzahlung von potenziell mehr als 13 Milliarden Euro. Eine Summe, die das irische Haushaltsbudget erreicht – und auf das Irland verzichten will. Der Konzern sitzt aktuell auf Geldreserven von gut 230 Milliarden Dollar und machte allein im vergangenen Quartal 7,8 Milliarden Dollar Gewinn.

Auch Österreich brüstet sich mit steuerschonenden Maßnahmen für Konzerne mit dem Argument, Anreize für Unternehmensansiedelungen, also Arbeitsplätze zu schaffen. Mit dem Resultat, dass die großen Vermögen geschont werden, während Konsumsteuern, etwa die Mehrwertsteuer, Personen mit geringem Einkommen stärker belasten – und die Arbeitslosigkeit steigt.

Frigga Haug hat in ihrer 4-in-1-Perspektive einen anderen Blick auf die Wirklichkeit geworfen: Der Erwerbs- und der Reproduktionsbereich, Kultur und Politik werden in Hinblick auf eine gerechtere Verteilung der Arbeit zusammengeführt. Das wäre eine radikale Form der Arbeitszeitverkürzung, wenn Arbeit mit Erwerbsarbeit zusammengedacht würde. Die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen ist ein weiterer Denkansatz, den geschlechtergespaltenen Arbeitsmarkt aufzuweichen. Auf der 2. internationalen Marxismus-Feminismus-Konferenz (9. Oktober 2016, Atelierhaus der Akademie der Bildenden Künste, Lehargasse 6-8, 1060 Wien) wird es Gelegenheit geben, die blinden Flecken zu erhellen und alternative Gedanken dazu zu vertiefen.

Bärbel Danneberg

1)Bericht Gleichstellungskennzahlen im AMS 2016, zu beziehen über:
Arbeitsmarktservice Österreich. Arbeitsmarktpolitik für Frauen. Treustraße 35-43, 1200 Wien.
2) Frauenmonitor 2016 Arbeiterkammer OÖ: Die Lage der Frauen in Oberösterreich. ooe.arbeiterkammer.at
3) Bettina Haidinger, Käthe Knittler: Feministische Ökonomie, Mandelbaumverlag kritik & utopie, 2014 (die überarbeitete und erweiterte Neuauflage erscheint dieser Tage).
4) Gisela Notz: Kritik des Familismus, Theorie und soziale Realität eines ideologischen Gemäldes, Schmetterling Verlag, 2015.

16. September 2016 More

Stellungnahme der Plattform 20000frauen zur Frauenpolitik der österreichischen Bundesregierung

Aufbruch durch Bundespräsidentenwahl und Regierungsumbildung? Vielleicht, aber nicht in der Frauenpolitik! Diese bleibt ein Anhängsel, trotz des Verfassungsbekenntnisses zu faktischer Geschlechtergleichheit und Frauenförderung und der europarechtlichen Verpflichtung zu Gender Mainstreaming!

Wenn es um eine starke, emanzipatorische Frauenpolitik in Österreich geht, sind es jedoch nicht (nur) die Rechten, die verhindern, verschleppen oder Probleme schlicht ignorieren. Mit der Regierungsumbildung durch den neuen Bundeskanzler Christian Kern wurde abermals die Chance verabsäumt, die Frauenpolitik durch ein eigenes Ministerium mit entsprechenden Budgetmitteln und Kompetenzen aufzuwerten.
Das Frauenressort wurde lediglich vom Bildungsministerium in das Gesundheitsministerium verschoben. Durch diese Vorgehensweise entsteht der Eindruck, dass die Frauenpolitik ein lästiges Anhängsel ist, das von der Regierung wohl oder übel mitgeschleppt wird.

Gründe dafür, Frauenpolitik und Gender Mainstreaming – in allen Ministerien – endlich ernst zu nehmen, gäbe es zur Genüge:

– Österreich liegt bei der gleichen Bezahlung von Männern und Frauen nach wie vor auf dem vorletzten Platz in der EU. Während der Gender Pay Gap im EU-Durchschnitt rund 16 Prozent beträgt, verdienen hierzulande Frauen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer. Hinzu kommt die geringere Bewertung von “typischen” Frauenberufen: Pädagogische Berufe und Pflegeberufe werden sehr viel schlechter entlohnt als beispielsweise technische Berufe. Auch wenn es eine äußerst wichtige Aufgabe ist, diese Geschlechterseggregation aufzubrechen und Mädchen und Frauen den Zugang zu sämtlichen Berufen zu ermöglichen, reicht es nicht aus, “Frauen in die Technik”-Programme zu lancieren, um den Gender Pay Gap zu bekämpfen.
– Alleinerzieherinnen sind in Österreich besonders stark armutsgefährdet. Hier sind nicht nur Reformen u.a. beim Unterhalt gefragt, sondern auch der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und Ganztagsschulen.
– Frauen bekommen in Österreich durchschnittlich fast 50 Prozent weniger Alterspension als Männer. Obwohl sich – wie eine Berechnung des Wifo zeigt – eine Erhöhung des Antrittsalters für Frauen keinen wesentlichen Effekt auf die Pensionshöhe hat, steht dies nach wie vor im Zentrum politischer Diskussion. Knapp die Hälfte der Frauen in Österreich arbeitet in Teilzeit, rund ein Viertel der Frauen sind Niedriglohnempfängerinnen. Da das österreichische Pensionssystem rein auf das Erwerbseinkommen ausgerichtet ist, wirkt sich das massiv auf die Alterspension für Frauen aus. Auch das Steuern- und Abgabesystem benachteiligt Frauen. Hinzu kommt, dass im Zuge der Pensionsreform 2004 der Durchrechnungszeitraum ausgedehnt wurde, was wiederum Frauen besonders trifft. Vor allem angesichts der Lage am Arbeitsmarkt reicht es nicht aus, Frauen dazu zu ermuntern, möglichst kurz in der Elternkarenz zu bleiben und Vollzeit zu arbeiten. Wir brauchen in Österreich dringend eine umfassende Diskussion über Arbeitszeit und Erwerbsmodelle sowie eine Grundsicherung für alle BürgerInnen. Denn auch 2016 sind noch immer viele Frauen vom Einkommen ihres Partners abhängig, womit eine ganz zentrale Forderung der Frauenbewegung – nämlich eine gesicherte eigenständige Existenz – nach wie vor nicht erfüllt ist. Ökonomische Abhängigkeit ist der Nährboden für häusliche Gewalt – womit die Existenzsicherung von Frauen eine wichtige gewaltpräventive Maßnahme ist.
– Die letzte Steuerreform hat zwar Verbesserungen für eine kleine Gruppe von Frauen gebracht, im Schnitt waren Frauen jedoch die Verliererinnen dieser Reform. Gender Budgeting, das seit 2008 in der Bundesverfassung verankert ist, muss endlich auf allen Ebenen umgesetzt werden. Zudem begünstig das Steuersystem in Österreich Besitz und Vermögen – so gibt es weder eine Erbschafts- noch eine Vermögensssteuer, während Erwerbsarbeit vergleichsweise hoch besteuert ist und Massensteuern wie die Mehrwert steuer Niedrigverdiener_innen, die einen Großteil ihres Einkommens für Konsum aufwenden, besonders belasten.
– Österreich verfügt über eines der schärfsten Asylgesetze Europas. Die letzten Novellierungen haben insbesondere Frauen hart getroffen. Wir brauchen endlich eine Regierung, die sich nicht von rechter Hetze treiben lässt, ein menschenwürdiges Asylgesetz und besondere Schutzmaßnahmen und Einrichtungen für geflüchtete Frauen und LGBTI-Personen. Menschenrechte haben keine Obergrenze!
– Die meisten Frauenberatungsstellen, die enorm wichtige Arbeit in Österreich leisten, verfügen über keine ausreichende Grundfinanzierung und kurzfristige Verträge. Gerade angesichts der nach wie vor patriarchalen Verhältnisse braucht es hier eine Absicherung der vielfältigen und qualifizierten Gewaltschutz-, Beratung-, Sensibilisierungs- und Forschungsarbeit.

Dies ist nur ein Ausschnitt der vielfältigen Problemstellungen, denen sich Frauen- und Gleichstellungspolitik als Querschnittsmaterie widmen muss.

Wir forden die österreichische Bundesregierung und das Parlament auf, Frauenpolitik bzw. die Gleichstellung von Männern und Frauen, die 1998 in der Bundesverfassung verankert wurde, endlich ins Zentrum ihrer politischen Arbeit zu stellen. Österreich braucht ein eigenständiges Frauenministerium mit ausreichender Finanzierung und eine Frauenministerin, die sich ganz dieser Aufgabe widmen und eng mit allen anderen Ministerien zusammenarbeiten kann.

14. Juni 2016 More

Leserinnenbrief zu profil Nr.39

Covertitel: WARUM DER FEMINISMUS VERSAGT HAT …und die Frauen wieder an den Herd wollen…..

WARUM DER JOURNALISMUS VERSAGT HAT…..und dumpfe Titel auf Cover öffentliche Debatten nicht vertiefen können…….
Leserinnenbrief von Ulli Weish

Gut, da war die Polemik gegen junge Bobogirls, die von Mann, Maus und Müsli träumen. Warum dies allerdings neu sein soll, kann weder aus dem Text noch aus dem Subtext (tolle Fotokunst von Heintz!) abgeleitet werden. Die These hängt schief. Auch als Polemik. Seit wann war Feminismus Mainstream? Die Zugehörigkeit im Club der Emanzen war weder damals noch heute gemütlich, Beruflich genutzt hat sie den wenigsten, Anpassung ist nicht erst in der Post-Postmoderne ein Thema, Wenn Arbeitsteilung und Lohnunterschiede nach wie vor vertieft werden, wieso ist dies die ‚Schuld ‚ einer politischen Bewegung, die es seit der Moderne gibt?* Dank der so professionellen und höhnischen Ausklammerung der Mainstream-Medien kann sogar die absurde These gesponnen werden, dass es aktuell kaum moderne Feminismen gäbe bzw. kaum (junge) Frauen (außer Frau Schwarzer, die entweder verrissen oder gehuldigt wird) , die exakt das Gegenteil von Frau Hagers Tochter sein dürften: also konsumkritisch, schönheitsdiskursverachtend, modetrendverwitzelnd, radikal links, heterosexuell oder lesbisch sowohl mit als auch ohne Kinderfantasien, jedenfalls im Kampf um das tägliche Durchwurschteln, von einem prekären Jobprojekt zum nächsten…

Warum profil seit einigen Jahren Polemik mit Qualitätsjournalismus verwechselt, weiß der Geier. Vermutlich sitzt der Quotengeist in der Flasche des Herausgebers. Die gleiche Geisteshaltung wie bei Hager (unhistorisch und klassenlos), findet sich in dieser Nummer auch bei Schwaiger (warum muss die Körpersprache und das Äußere von Frau Baghajati kommentiert werden? Warum darf eine Muslima nicht differenziert Position einnehmen? Warum ist sie dadurch suspekt? Ich als Atheistin finde das unlogisch und denke, dass es offenbar darum geht, krampfhaft unterhaltsam sein zu wollen, wenn Wissen und Positionen zu Themen abgehen). Dafür darf ein Mann in dieser Ausgabe ein Zitat liefern, der wohl Kern meiner Kritik ist: (Mangott, S 49: „Der Raum des kritischen Diskurses (..) ist verloren gegangen.“ Schade, diesen Raum sollte Journalismus, insb. der mit dem Qq-Wort, eigentlich einnehmen.

Ulli Weish, eine sich abstrudelnde erwerbstätige Mami, Feministin und Medienaktivistin (www.20000frauen.at)

*Dieser Logik folgend: Sind AtomgegnerInnen Schuld am aktuellen Eu-Atomkurs? Sind Veganer Schuld an der Schweinemast? Sind Frauen und Mütter Schuld an den sozialen und ökonomischen Bedingungen, die ihre Töchter vorfinden? Oder geht es um eine antifeministische Grundhaltung in Österreich, die niemals gebrochen wurde?

8. Oktober 2014 More

Barbara Blaha in „Die Furche“, 4.9.2014

furche_landDerSoehne

Die Farce rund um Nachbesetzung des Nationalsratsmandats von Barbara Prammer zeichnet ein Sittenbild der Sozialdemokratie und zeigt, wie es um die Partei frauen- und demokratiepolitisch bestellt ist. Beides müsste die Basis alarmieren. Wenn – durchaus auch von Frauen – zu hören ist, Feminismus sei unnötig, weil doch die Gleichstellung schon längst erreicht, empfiehlt sich der Verweis auf den Umstand, dass die Hälfte der Bevölkerung in leitenden Positionen der Politik immer noch völlig unterrepräsentiert ist. Hier versagen nicht zuletzt jene Strukturen, die sich Gleichberechtigung auf die Fahnen schreiben.

Denn ob und in welchen Ausmaß Frauen am politischen Geschehen beteiligt werden, liegt zuvorderst an den Parteien. Sie bestimmen nicht nur, wer überhaupt zur Wahl steht, sondern bestimmen über den Erfolg der Nominierten, indem sie diesen etwa „sichere“ Listenplätze zuweisen. Etwa in der Hälfte aller Länder der Welt existieren Quotenregelungen, um den Anteil von Frauen in den nationalen Parlamenten zu steigern. Mehrheitlich handelt es sich dabei um parteiinterne Quoten, in vielen Fällen aber um gesetzliche Regelungen wie etwa in Belgien, Frankreich, Portugal oder Slowenien. Wo der Staat sich für unzuständig erklärt, sind die Parteien am Zug. Die schreiben statutarisch fest, wie die Zuweisung von Mandaten zu erfolgen hat.

Das ist auch innerhalb der SPÖ geschehen: Seit 1985 gilt – Johanna Dohnal sei Dank – eine Quotenregelung. Eben weil die österreichische Wahlordnung einen derartigen Automatismus nicht vorsieht, sieht sie die SPÖ selbst vor und garantiert damit ihren Wählerinnen angemessene Vertretung von und durch Frauen. 2010 wurde die Quote im Parteistatut nochmals nachjustiert und hielt fortan fest, dass bei der Nachbesetzung eines Mandats die Quote zu beachten sei. Bundesfrauenvorsitzende Heinisch-Hosek feierte den Beschluss etwas überschwänglich aber durchaus nicht unberechtigt als „historischen Tag für die Sozialdemokratie.“ Heute hört sich das freilich ganz anders an: Die von ihr selbst durchgesetzte Quotenregelung sei nicht mehr als „ein zahnloser Tiger“. Allein: Die Regelung selbst schreibt klar fest, wie Nachbesetzungen zu passieren haben, nur braucht es eine Frauenorganisation die sich zu ihr bekennt und für sie kämpft, statt im Parteivorstand dienstbeflissen einen (und keineswegs den ersten) Beschluss mitzutragen, der der selbstverordneten Quote zuwiderläuft.

Das ist die eine Lehre aus der Causa Ablinger: Die besten Regelungen sind das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben stehen, wenn Frauen aus Rücksicht auf die Parteiräson anderen Frauen die Solidarität aufkündigen. Auf den Beistand der Männer brauchen diese – auch das wurde deutlich – jedenfalls nicht zu hoffen. Johanna Dohnal sagte einmal, dass eine Frauenbewegung, die nicht lästig sei, über keinerlei Existenzberechtigung verfüge. Dieses Urteil kann mittlerweile wohl auch für die zahnlose Bundesfrauenorganisation der SP unterschrieben werden. Vom Standpunkt der Frauen ist die Causa Ablinger also in mehrfacher Hinsicht ein Skandal. Die Schmierenkomödie die hier zur Aufführung gelangte, sorgt zu Recht für Ärger. Sie illustriert einmal mehr, dass die SPÖ es mit dem, was sie sonst gerne mit erhobenem Zeigefinger predigt in der Praxis selbst nicht so ernst nimmt. Das ist für jede Bewegung mit einem moralischen Anspruch unweigerlich mit einem schweren Glaubwürdigkeitsverlust verbunden. Was bei alldem aber leicht außer Sicht zu geraten droht: Die Vorgangsweise des SP-Parteivorstandes wirft ein Schlaglicht auf den Zustand der innerparteilichen Konflikt- und Demokratiekultur.

Und dabei kann einem erst recht gruseln. Denn Sonja Ablinger wurde nicht verhindert, weil sie eine Frau ist. Ablingers Wiederbestellung als Nationalrätin wurde torpediert, weil sie sich in der Vergangenheit mehrmals für eine inhaltliche Neuausrichtung der Sozialdemokratie stark gemacht hat – und sich damit auch gegen die Linie der Parteispitze stellte. Auf der Website der oberösterreichischen Landespartei liest man in herzerfrischender Offenheit dann auch: „Offenbar geht es nicht „nur“ um die Einhaltung einer Quotenregelung und die Förderung von Frauen, sondern vielmehr um den Umgang der Partei mit innerparteilichen Kritikerinnen und Kritikern.“ Es ist dieser „Umgang der Partei“ mit kritischen Stimmen der die Basis alarmieren sollte: Wer sich innerhalb der SP für eine Orientierung nach links ausspricht, sich den Grundsätzen und Werten der Sozialdemokratie verpflichtet fühlt und die Führungsriege weniger an Worten als an ihren Taten misst, wird bei nächster Gelegenheit entfernt – und draußen gehalten – koste es, was es wolle.

In seltener Einigkeit ziehen nun sämtliche Jugendorganisationen gemeinsam mit kritischen Teilen der SP wie der Wiener Sektion 8 vor das parteiinternes Schiedsgericht. Doch wie das statutarisch verbriefte Recht der Frauen auf Repräsentanz, verkommt die innerparteiliche Demokratie zur Farce, wenn gilt: wo kein Gericht, da kein Rechtsanspruch. Zuständig für die Einsetzung des Schiedsgerichts ist der Bundesvorstand der SP. Dass eben jener Bundesvorstand, der sich in der Vorwoche noch lässig über die eigenen Statuten hinwegsetzte, sich nun eines besseren besinnt und an demokratiepolitische Spielregeln hält, darf bezweifelt werden.

Kommentar zur Nachbesetzung des Nationalratsmandats von Barbara Blaha, erschienen am 4.9.2014 in der Zeitschrift „Die Furche“

10. September 2014 More

Männer sind mitgemeint, Augustin April/14

Dannebergpredigt

Männer sind mitgemeint

Sprachlos staune ich über das Ansinnen des österreichischen Normungsinstituts, den geschlechtergerechten Sprachgebrauch aufzuheben: Durch eine Generalklausel soll künftig auf weibliche Sprachformen verzichtet werden. Kein Binnen-I, kein * oder _, keine Mag.a und keine Dr.in mehr. Denn „Frauen sind in der männlichen Form mitgemeint“, wird argumentiert. Der Entwurf zur ÖNORM A 1080 widerspiegelt ein gesellschaftspolitisches Klima, das die Zeit für gekommen hält, mit erkämpften Rechten, also auch mit feministischen „Sprachflausen“, aufzuräumen.

Der Kampf gegen das Binnen-I oder andere geschlechtergerechte Ausdrucksformen wird, mal heftiger, mal hinter vorgehaltener Hand, seit über 40 Jahren geführt. Selbst manche Männer, die mit dem neuen Männerbild der 80er Jahre Gleichbehandlung ebenso stolz vor sich hertrugen wie das frischgeborene Baby, haben sich mit dem Stolperstein großes I nie ganz abfinden können. Sprachverhunzung, Zwangsbeglückung, Verbissenheit haben sich Frauen anhören müssen, wenn sie auf weibliche Endungen verwiesen. Haha, liebe Genossinnen und Genossinnen, war auf manchen Parteitagen zu hören… Der Mann, das Mensch, Sprache schafft Bewusstsein.

Männer sind mitgemeint. Wie absurd das ist, hat „Möserlreich“, eine satirische Replik der Plattform 20000frauen auf Herrschaftsnormen, sichtbar gemacht. In einer Aktion rund um den Frauentag haben Frauen ihr konterkariertes Sprachprodukt in Redaktionen wie „Österreich“, „profil“, „News“, „Falter“ etc. getragen, um gegen die frauenfeindlichen Sprachgewalten des Boulevards zu protestieren. Das liest sich z. B. so: „Schluss mit dem Hodenbonus! Den Frauen reicht es allmählich mit der Gleichberechtigung. Sie sind schon lange nicht mehr ‚Herrinnen der Schöpfung‘, es sind die Männer, die mittlerweile allerorts bevorzugt werden. (…) So sieht also die von Maskulinisten verschwiegene Wahrheit aus: Uns Männern nützt eine Quotenregelung letztendlich nichts, jedenfalls denjenigen nicht, die noch einen Funken Stolz in sich tragen…“

Das Zitat ist originär, nur die Geschlechter wurden vertauscht. Ö-Norm = männlich, dagegen habe ich beim Austrian Standards Institut protestiert.

Bärbel Danneberg

16. Juli 2014 More

Ö-genormte Unsichtbarkeit, Volksstimme April/14

Quer gedacht, von Bärbel Danneberg

Ö-genormte Unsichtbarkeit

Die Empörung war vorherzusehen, der Anlass ist vergleichsweise zu gröberen Ungerechtigkeiten banal: Das österreichische Normungsinstitut möchte per Generalklausel künftig auf weibliche Sprachformen verzichten. Das Binnen-I oder * oder _, die Mag.a oder Dr.in sollen künftig verschwinden. Der Entwurf zur ÖNORM A 1080 argumentiert, „Frauen sind in der männlichen Form mitgemeint“. Die Wogen gingen hoch, es hagelte Proteste, denn der Frauenalltag zeigt das mitgemeinte Gegenteil: Trotz Gleichbehandlungsrichtlinien und Diskriminierungsverboten bleibt die Vertretung von Fraueninteressen explizit ausgesperrt, wenn beispielsweise im Publikumsrat des ORF der Österreichische Frauenring, die größte Dachorganisation mit mehr als 40 Mitgliedsorganisationen, wieder einmal nicht vertreten ist.

Die Zeit scheint reif, die von vielen nur geduldeten Gleichbehandlungsgebote wieder abzuräumen. Der Stolperstein Binnen-I gibt seit mehr als 40 Jahren Anlass für sprachliche Empörung auch bei ansonsten recht aufgeschlossenen Mitmenschen – Vergewaltigung der Sprache, gestörter Lesefluss, Emanzen-Gehabe… Schon allein diese Aufgeregtheit würde für weibliche Sprachformen sprechen. Doch Sprache allein kann nicht herhalten für die Ignoranz gegenüber Fraueninteressen. Sprache aber schafft Bewusstsein und widerspiegelt gesellschaftliche Zustände.

In einem Protestschreiben des Vereins österreichischer Juristinnen gegen die geplante Ö-Norm heißt es: „Die Verwendung des Binnen-I hat sich im Alltagssprachgebrauch als eine wesentliche Variante der Sichtbarmachung der weiblichen und männlichen Form etabliert. Aus grammatikalischen Gründen wäre das Argument des ‚Mitgemeint-Seins‘ – wenn, dann – bei der ausschließlichen Verwendung der weiblichen Form insofern korrekt, als dass Normen häufig in der weiblichen Pluralform auch die männliche beinhalten.“ Männer sind aber leider nicht mitgemeint, wenn von Putzfrauen oder Krankenschwestern gesprochen wird, ebenso wenig impliziert es eine Frau, wenn wir vom Bundespräsidenten reden.

Sprache bildet nicht nur de-facto-Realitäten ab, sondern prägt auch unser Bewusstsein und wirkt damit als ein Faktor der gesellschaftlichen Weiterentwicklung, sagen die Juristinnen. „Eine geschlechtergerechte Sprache impliziert demnach nicht nur die Existenz von mehr als dem männlichen Geschlecht (und kann dadurch – je nach Fallkonstellation – eventuell schon Reflektionen über Geschlechterverhältnisse auslösen), sondern trägt darüber hinaus die Botschaft in sich, dass Geschlechtergleichstellung ein gesellschaftspolitischer Wert ist. Neben der Vermeidung der Verwendung der rein männlichen Formulierung von Texten ist das Sichtbarmachen von Frauen in der Sprache daher ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Geschlechtergleichstellung.“

Zurück zum ORF: Es ist mehr als sprachliche Ignoranz, dass in einem Gremium einer öffentlich-rechtlichen Anstalt die Mehrheit der Bevölkerung keinen Platz hat. Seit 2007 bemüht sich der Frauenring um einen Sitz im Publikumsrat des ORF – vergeblich. Abermals wurde jetzt die Bewerbung von Österreichs größter Frauendachorganisation ignoriert. „Zwar sind ältere Menschen ebenso wie Familien oder Kraftfahrer im Publikumsrat repräsentiert, eine Vertretung von Fraueninteressen ist aber nicht vorgesehen“, meint dazu die Vorsitzende des Frauenrings, Christa Pölzbauer. Das ORF-Gesetz nennt Frauen nicht als spezifische Gruppe, die im Publikumsrat vertreten sein muss, eine entsprechende Auslegung wäre jedoch durchaus möglich gewesen. Immerhin sind in allen explizit genannten Gruppen Frauen zu finden, deren Interessen der Frauenring vertritt.

Frauen sind eben nicht mitgemeint. Das zeigen sämtliche ORF-Diskussionsformate: Frauen sind unterrepräsentiert, und frauenpolitische Inhalte sind spärlich gesät. Allenfalls zum Internationalen Frauentag hat es sich bei den Sendungsverantwortlichen durchgesprochen, dass Frauen ein mediales Thema sind – bis zum nächsten Jahr.

Bärbel Danneberg

16. Juli 2014 More

Damit es so bleibt, wie es ist …

Die Plattform 20000frauen zur I-Debatte

Da ist sie wieder, die Binnen-I-Debatte. Sommerlich leicht in den Argumenten („stört den Lesefluss“, „ist umständlich“, „zerstört die deutsche Sprache“) werden die zugrunde liegenden Prinzipien geschlechtersensibler Sprache geflissentlich ausgeblendet. Beachtlich ist die Liste der Unterstützenden des Krone-Briefes, der aktuell von Blatt zu Blatt wandert. Personen aus Bildungseinrichtungen mit Rang und Namen (Konrad Paul Liessmann, Heinz Mayer) sind vertreten – und haben offensichtlich auch kein Problem damit, mit rechten Kreisen zu paktieren (siehe http://fm4.orf.at/stories/1742481/). Der Tenor ist simpel wie Gabalier: zurück zur „Normalität“. Platz gibt’s dafür selbstverständlich im gesamten Qualitäts- wie Boulevardarrangement der sommerlichen Löcher.

Von so viel Medienaufmerksamkeit träumen frauenpolitische NGOs, wenn es um ernste Themen wie Sparpolitiken (Doku Graz, Frauengesundheitszentrum Graz), um Besetzungsfragen (ORF Stiftungsrat, EU-Parlament) oder um strukturelle Gewalt (in der Arbeit, im sozialpolitischen Kontext) geht. Doch Medienlogik funktioniert – leider größtenteils auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk – anders.

Reaktionäre Stellungnahmen – und kommen sie auch noch so absurd daher – finden in den Medien stets Gehör, insbesondere, wenn es sich um (anti-)feministische Debatten handelt. Dabei schien das alpenländisch-konservative Österreich noch vor wenigen Wochen überholt zu sein. Es funkelte der bombastische Regenbogen des Phönixes in allen Farben. Conchita Wurst am Ballhausplatz. Medientaumel, Promidichte. Der merkwürdig selbstgefällige mediale Rausch – sich als gendersensibles queeres Österreich abzufeiern – bremste sich jedoch mit dem Skandal rund um das Life-Ball Plakat („Ich bin Adam. Ich bin Eva. Ich bin ich“) abrupt ein. Kalkuliertes Medienecho, die üblichen ProtagonistInnen als Debattengarnierung folgten. Heterosexuelle geben vor, für ihren Lebensstil diskriminiert zu werden. Das Staunen darüber bleibt ungedruckt.

Und nun, begleitet vom Nach-WM-Fernsehdepressionsschub, kommt die Sprachdebatte im vollen Rückwärtsgang daher. Dazwischen performte noch ein Schlagersänger die Bundeshymne für eine Getränkefirma und trat eine Diskussion um große Söhne los, die wir als politisch interessierte und engagierte Frauen gebraucht haben wie einen Kropf. Nicht, dass Sprache kein wichtiges Thema wäre – ganz im Gegenteil. Die Frauenbewegung(en) haben sich das sprachliche Sichtbarwerden hart erkämpft, die (feministische) Sprachwissenschaft liefert seit Jahrzehnten wichtige Ergebnisse, die nach wie vor darauf warten, von den Massenmedien unters Volk gebracht zu werden.

Was bekannt sein dürfte, ist, dass Sprache sich immer verändert. Ihr ständiger Wandel schließt die zeithistorischen Debatten und Kämpfe um Sichtbarkeit ein. Wer wird genannt? Wer bleibt mitgemeint? Wer bleibt ausgeklammert? Die Debatte ist alt. Alle Argumente für eine geschlechtersensible Sprache sind seit den 1970er-Jahren bekannt – zumal sie Feministinnen und Frauenpolitikerinnen seit Jahrzehnten gebetsmühlenartig wiederholen müssen.

Sie alle – und damit auch die Plattform 20000frauen – befinden sich in einem merkwürdigen Debatten-Dilemma: Bleiben sie an altbekannten Themen dran, etwa den Lohnunterschieden und der unbezahlten Haus- und Pflegearbeit, ernten sie im besten Fall journalistisches Gähnen, wenn nicht glatt das Gegenteil behauptet wird („Mythos Lohnschere“). Gehen sie auf die Gewaltfragen in der Gesellschaft, in den Familien und den sozialen Strukturen ein, so werden Einzelfälle vermarktet, Storys verdichtet, Klischees und Geschlechterarrangements vernutzt.

Auch Aktivistinnen der Plattform 20000frauen wurden und werden immer wieder mal um Interviews gebeten. Meist handelt es sich dabei um Themen, die stromlinienförmige Profil-Journalisten und kernige Kronenzeitungs-LeserbriefschreiberInnen vorgeben oder die in die Kategorie „Lifestyle“ eingeordnet werden. Aber der Lohn lässt meist nicht lange auf sich warten: Wenn wir uns danach vorwerfen lassen dürfen, wir hätten „keine anderen Sorgen“. Daher ein praktikabler und überaus Platz sparender Vorschlag zur aktuellen Debatte: ab nun das generische Femininum für die kommenden 100 Jahre einzusetzen (Männer sind natürlich mit gemeint), damit wir uns vermehrt den Themen widmen können, um die es uns geht: um Arbeitsbewertung, selbstbestimmtes Leben und Gewaltfreiheit.

Links zum Thema:

Binnen-I bzw. Sprache:

Über Volkstümlichkeit, die Fähigkeit zu Denken und Feministinnen
Ein Beitrag zur Binnen – I Debatte 2014 von Petra Unger

Bitte verteilen:
Olja Alvir fordert die 800 UnterzeichnerInnen des Offenen Briefs auf zu sagen, warum sie gemeinsame Sache mit Rechtsaußen machen! Mitmachen!!!http://www.olja.at/gemeinsam-gegen-das-gendern/

Leitfaden für diskriminierungsfreie Sprache, herausgegeben vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Wien 2010

Marlene Streeruwitz in dieStandard.at: Verschönerung des Niedergangs, 16. Juli 2014

BIRGITTA WINKLER, TRAUDE KOGOJ in dieStandard.at: Vorwärts ins Mittelalter, 14. März 2014

Verein österreichischer Juristinnen: WER FRAUEN NICHT BENENNT MACHT SIE UNSICHTBAR, 16. März 2014

FM4 – Michael Fiedler, Zurück in die Vergangenheit, 15. Juli 2014

Anatol Stefanowitsch: DIE FÜNF FREUNDE UND DIE RÜCKKEHR ZUR SPRACHLICHEN NORMALITÄT, 15. Juli 2014

Beate Hausbichler in dieStandard.at: Der herrschende Sprachstil ist ein anderer, 15. Juli 2014

Leonhard Dobusch: Kuriose Koalitionen: Krone, Klenk und andere Sprachkonservative, 15. Juli 2014

Ö1, Unübersehbar. Unüberhörbar. Unsinnig? Moment am Sonntag: Gendern im Alltag, 18. März 2012

GenderKompetenzZentrum: Gender-Aspekte Sprache, 2.1.2010

an:schläge, CARINA KLAMMER und FABIENNE VESPER – an.sprüche: Nach den Sternen greifen, 30. März 2013

Beate Hausbichler in dieStandard.at: Raum für _!, 26. Oktober 2008

Luise F. Pusch im dieStandard-Interview: „Längerfristig bin ich für die Abschaffung des ‚in'“, 7. März 2009

dieStandard.at: Uni führt „generisches Femininum“ für ihre Grundordnung ein, 6. Juni 2013

BEATE HAUSBICHLER in dieStandard.at: „Man“ meint nicht alle, 10. Jänner 2012

dieStandard.at: Geschlechtergerechtes Formulieren, 10. September 2009

Bärbel Danneberg in der Volksstimme: Ö-genormte Unsichtbarkeit, April 2014

Bärbel Danneberg im Augustin: Männer sind mitgemeint, April 2014

Hymne:

Frauengeschichte kann neue Dimension von Größe entfalten, Hilde Schmölzer im Standard am 17. Juli 2014

Elfriede Hammerl in Profil: Beinharter Respekt, 5. Juli 2014

denkwerkstattblog.net: Die Hymne, Gabalier und Werbegelder, 26. Juni 2014

Stellungnahme der Grazer Autorinnen Autorenversammlung zum Disput über die Bundeshymne, 28. Juni 2014

Gastkommentar in dieStandard.at von DUDU KÜCÜKGÖL: Zu schön für einen Schleier, zu klein für die Hymne, 7. Juli 2014

TAZ: Hits mit Blut und Boden, 4. Juli 2014

ALEXANDRA FÖDERL-SCHMID in derStandard.at: Große Töchter, kleine Geister, 4. Juli 2014

16. Juli 2014 More

Frauenfeindlichkeit ist in Österreich salonfähig

Nach Shitstorm-Attacke nun Morddrohungen gegen Bundesministerin Heinisch-Hosek
Stellungnahme vom Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen und dem Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
Wien, 9. Juli 2014

Frauen „mitzumeinen“ ist eine Form von subtiler Diskriminierung. Morddrohungen gegenüber der Frauenministerin auszusprechen, weil sie auf diese Diskriminierung hinweist, ist ein öffentlicher Akt von Frauenverachtung. „Es braucht scheinbar nicht viel, um zu zeigen, was an frauenfeindlichen Tendenzen da ist!“, so Elisabeth Cinatl, Vereinsvorsitzende des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen.

Mit Bestürzung stellen die Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (AÖF) und das Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen fest: Frauenfeindlichkeit und die Diskriminierung von Frauen werden in Österreich scheinbar wieder salonfähig. Das geht sogar soweit, dass Bundesministerin Heinisch-Hosek – mittlerweile zum zweiten Mal – Polizeischutz benötigt, weil sie sich öffentlich für die Rechte von Frauen einsetzt!

Die schlechte wirtschaftliche Lage und die Finanzkrise haben zu einer gesellschaftlichen Entsolidarisierung geführt. Daraus entstand ein fruchtbarer Nährboden für die unterschiedlichen Formen von Gewalt. Gerade in solchen Krisenzeiten ist es wichtig, dass PolitikerInnen ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und klar Position beziehen: für Solidarität und Respekt und gegen Gewalt an Frauen. Es ist erschütternd, dass sich kein Regierungsmitglied mit Gabriele Heinisch-Hosek öffentlich solidarisiert und Stellung bezogen hat!

Der gesellschaftliche Backlash hin zu einem traditionell-patriarchalen Geschlechterverständnis ist äußerst beunruhigend. Zudem werden die Errungenschaften der letzten 30 Jahre, in denen der Staat auf den Säulen Solidarität und Gerechtigkeit aufbaute, immer mehr demontiert.

Die Frauenbewegung hat in Bezug auf gleiche Rechte für Frauen viel erreicht und dennoch hat sich auf zwei Gebieten kaum etwas verändert: Gleichbehandlung in der Erwerbsarbeit (geringere Löhne bei gleicher Arbeit, Teilzeitanstellungen, prekäre Arbeitsverhältnisse…) und die sogenannte Care-Arbeit (für Mitmenschen sorgen und sich um sie kümmern), die nach wie vor zum Großteil unbezahlt von Frauen erledigt wird. Gerade deshalb sind Frauen mit ihren geringeren Erwerbszeiten die Hauptleidtragenden der Pensionsreform, in der der Durchrechnungszeitraum signifikant erhöht wurde.

Die Auswirkungen der Ungleichbehandlung erleben die Beraterinnen der Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen in ihrer alltäglichen Arbeit: Mehrfachbelastungen und häusliche Gewalt. Frauen, die ihre Angehörigen pflegen, (Enkel-)Kinder betreuen und einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sind hohen Belastungen ausgesetzt, die überfordernd und erschöpfend sind. Sie fühlen sich allein gelassen und als Versagerinnen, wenn sie „nicht alles unter einen Hut bekommen“. Hier gilt es noch viel Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu leisten, damit bezahlte und unbezahlte Arbeiten zwischen Frauen und Männern gleich verteilt werden.
Es gilt umfassende Bewusstseinsarbeit zu leisten, denn ein frauenfeindliches gesellschaftliches Klima, das geprägt ist von fehlender gesellschaftlicher Unterstützung, ist ein Nährboden für häusliche Gewalt an Frauen.

Das Netzwerk und der Verein AÖF erklären sich mit Frauenministerin Heinisch-Hosek, den Grünen und allen Menschen, die sich für Respekt gegenüber Frauen einsetzen, solidarisch, mit dem Ziel, dass es in Österreich (wieder) ein Klima der Anerkennung und Gleichwertigkeit der Geschlechter gibt.

Das Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen ist eine Dachorganisation von derzeit 58 Frauen- und Mädchenberatungsstellen aus allen neun Bundesländern. Der gleichnamige Verein wurde 1995 gegründet.: www.netzwerk-frauenberatung.at

Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) ist das Netzwerk der autonomen Frauenhäuser in Österreich, der sich 1988 als Zusammenschluss der Mitarbeiterinnen der autonomen Frauenhäuser in Österreich gegründet hat. Der Verein ist Informationsdrehscheibe für seine Mitglieder und nimmt die Interessen der österreichischen Frauenhausbewegung wahr: www.aoef.at

Rückfragehinweis:
Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen
Tel.: 01/595 37 60; e-mail: netzwerk@netzwerk-frauenberatung.at
zvr 851 336 534

Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
Tel.: 01/544 08 20; e-mail: informationsstelle@aoef.at
zvr 187612774

9. Juli 2014 More

Käthe Leichter, 1895-1942

„Es ist eine späte Genugtuung, dass eine der größten Frauenkämpferinnen ihrer Zeit, überzeugte Kriegsgegnerin und Antifaschistin Käthe Leichter nun posthum ihre Doktorwürde von der Universität Heidelberg zurückerhalten hat, welche ihr nach der Verhaftung durch die Gestapo entzogen worden war“, so die Frauensprecherin der KPÖ, Heidi Ambrosch.
(09.01.2014)
Wir AntifaschistInnen „freuen uns mit ihrem Sohn und danken ihm für das Ringen darum“. Ambrosch erinnert zugleich daran, dass es der langjährige Leiter des Dokumentationsarchivs und KPÖ-Mitglied Herbert Steiner, war, „der die erste Biographie zu Käthe Leichter verfasste und auf dessen Anregung der Käthe-Leichter-Preis (Österreichischer Staatspreis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung) gestiftet wurde“, der seit 1991 – mit einer Unterbrechung zur Zeit der schwarz-blauen Koalition – bis heute jährlich an feministische Forscherinnen vergeben wird.

„Die Texte von Käthe Leichter haben jedenfalls bis heute unschätzbaren Wert für die Schärfung des feministischen Blicks auf Frauenleben und ihre Geschichte“, so Ambrosch.

Mehr zur Vita von Käthe Leichter

18. April 2014 More

Position der Plattform 20000frauen zum Gesetzesentwurf betreffend gemeinsame Obsorge

Positionen zum Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Kindschafts- und Namensrecht im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch, das Außerstreitgesetz, das Ehegesetz, das Justizbetreuungsagentur-Gesetz, das Rechtspflegergesetz, das Gerichtsgebührengesetz und das Bundesgesetz zur Durchführung des Übereinkommens vom 25. Oktober 1980 über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung geändert werden (Kindschafts- und Namensrechts-Änderungsgesetz 2012 ­ KindNamRÄG 2012)

(Ende der Begutachtungsfrist: 5. November, geplantes Inkrafttreten: 1.Februar 2013)

Der  am 10.10 präsentierte  Entwurf des KindNamRÄG 2012 ist nicht der bahnbrechende familienrechtliche Wurf, als der er der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Der Entwurf enthält hinsichtlich des Namensrechts, der Definition des Kindeswohls, der Wohnsitzregelung, des Vaterschaftsanerkenntnisses, der Verwaltung von Mündelgeld und im Verfahrensrecht  zweifellos zu begrüßende Neuerungen. Die weitere Gleichstellung ehelicher und unehelicher Kinder sowie die Berücksichtigung der Situation so genannter „Patchwork Familien“ durch Stärkung der Rechte der Lebensgefährten, die nicht leibliche Elternteile sind, sind ebenfalls Schritte in Richtung eines moderneren und realitätsnäheren Familienrechts.

Die vorgesehene Regelung der  Obsorge begegnet jedoch großen Bedenken, hier insbesondere die Möglichkeit einer gerichtlichen Verfügung einer gemeinsamen Obsorge auch gegen den Willen eines Elternteils.

Im Einzelnen:

Namensrecht:  Der Wegfall der Subsidiarität des Vaternamens sowohl beim Familiennamen der Ehegatten als auch beim Namen des Kindes und der Ersatz durch den Mutternamen (beim Kind) bzw die Festlegung, dass hinsichtlich des Namens der Ehegatten  jede/r ihren/seinen Namen behält, wenn keine Einigung erfolgt (s §§ 93 f, 155 Abs 2), ist zu begrüßen.

Die ausführliche Definition des Kindeswohls berücksichtigt sowohl direkte als auch indirekte Gewalt sowie die Verpflichtung  der/des Lebensgefährten/in (§ 139 Abs 2) eines Elternteils  zum Schutz des Kindeswohls;  insofern sind bei der vorliegenden Fassung viele Forderungen und Bedenken, die im Vorfeld der Erstellung des Entwurfs von Frauenorganisationen und anderen Institutionen (Frauenhäuser,  Frauenberatungsstellen, Jugendämter, Kinder- und Jugendanwaltschaft, Frauenring, Verein Österreichischer Juristinnen, Anwältinnen, Richterinnen, Expertinnen) geäußert wurden, umgesetzt worden.

Ebenso bei der Wohnsitzregelung:  Hier wurden ausreichende Vorkehrungen getroffen, um Kindesentführung bzw Gezerre um Wohnsitzverlegungen zu vermeiden (s § 162). Dass die Forderung nach einer so genannten „Doppelresidenz“ nicht umgesetzt wurde ist zu begrüßen.

Die neu eingeführten Regelungen zum Vaterschaftsanerkenntnis und Mündelgeld (stärkere Absicherung) sind ebenfalls zu begrüßen.

Obsorge:

Bei der Regelung der Bestimmung gemeinsamer Obsorge nichtverheirateter Eltern vor dem Standesamt wurde befürchtete Rechtsschutzdefizit dadurch abgemildert, dass nunmehr das  persönliche, wenn auch nicht gleichzeitige Erscheinen beider beim Standesamt erforderlich ist (nicht mehr die bloße Übergabe eines zB auch von der Mutter unterschriebenen Formulars)  und der Widerruf binnen acht Wochen möglich ist (s § 177 Abs 2). Diese Regelung erscheint nun in Hinblick auf Rechtsschutzdefizite von Müttern im Wochenbett und ihrer oft besonderen psychischen Verfassung knapp nach der Geburt bzw Migrantinnen mit uU beschränkten Sprachkenntnissen weniger bedenklich. Ob sich die intendierte Verwaltungsvereinfachung – Geburtsanzeige, Namensfestlegung und Obsorgeregelung in einem vor derselben Behörde – in der Praxis bewährt und nicht doch frisch entbundene Mütter dadurch hinsichtlich der Bestimmung der Obsorge zu sehr unter Druck gesetzt werden können, wird sich zeigen. Hinsichtlich der Ausbildung der bis jetzt noch nie mit Sorgerechtsfragen konfrontierten StandesbeamtInnen werden jedenfalls zusätzliche Bildungsmaßnahmen nötig sein. Es bleibt zu hoffen, dass die erforderlichen Ressourcen hierfür zur Verfügung gestellt werden. In streitigen Fällen wird allerdings auch in Zukunft die Anrufung des Gerichts unvermeidlich sein.

Aus der Sicht zahlreicher Frauenorganisationen  – zB Frauenring, autonome Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen, Verein Österreichischer Juristinnen – bestehen gegen die Obsorge-Regelung in den §§ 179 und 180 schwere Bedenken:

Nach diesen Bestimmungen soll – wie bereits seit 2001 – die gemeinsame Obsorge beider Elternteile nach der Trennung weitergelten;  eine Vereinbarung über die Obsorge ist vorzulegen. Bei Nichteinigung kann vom Gericht eine vorläufige Anordnung für sechs Monate – so genannte „Abkühlphase“ – getroffen werden. Anschließend kann allenfalls die gemeinsame Obsorge gerichtlich verfügt werden, alles unter Berücksichtigung des Kindeswohls.

Bereits in den Jahren 1999/2000 wurden von Frauenseite grundsätzliche Bedenken gegen das Institut der gemeinsamen Obsorge geäußert. Hauptargument: wenn sich die Elternteile einig sind, brauchen sie ohnehin weder Urteil noch Gericht, und bei Uneinigkeit und Konflikten ist es für alle Beteiligten besser, wenn eine/r allein verantwortlich ist. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen eine klare Orientierung, wer Entscheidungen trifft.

Auch jetzt stellt sich die Frage, ob eine gerichtlich verfügte gemeinsame Obsorge im Konfliktfall wirklich zum Wohl des Kindes ist und wie das in der Praxis funktionieren soll. Eine Verschärfung der ohnehin schon schwierigen Situation nach Trennungskonflikten ist jetzt mehr denn je zu befürchten. PsychotherapeutInnen befürchten ein drastisches Ansteigen der  Anzahl traumatisierter Kinder und Jugendlicher.

In den Erläuternden Bemerkungen (Seite 4, vierter Absatz) wird zudem  die unbewiesene Behauptung aufgestellt, dass sich die 2001 eingeführte gemeinsame Obsorge nach der Scheidung in der Praxis bewährt hätte. Die in diesem Zusammenhang zitierte Evaluationsstudie erhebt lediglich faktische Zahlen und schließt daraus auf die Akzeptanz. Eine Erhebung der Auswirkungen auf die emotionale und faktische Situation der Beteiligten bzw den Verlauf von Sorgerechtsverfahren einschließlich dessen, was im Vorfeld in den Familien passiert, fehlt gänzlich.

Eine so weitgehende Ermöglichung der gemeinsamen Obsorge ist auch im Lichte der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte nicht erforderlich; hier wurde lediglich die Möglichkeit für nicht verheiratete Väter eingefordert, das ursprüngliche alleinige Sorgerecht der Mutter eines unehelichen Kindes gerichtlich überprüfen zu lassen; das Fehlen entsprechender Regelungen verstoße gegen den Gleichheitssatz und diskriminiere so die Väter unehelicher Kinder.

Sollten die angeführten Bestimmungen in dieser Form mit 1.2.2013 in Kraft treten, wären diese baldigst zu evaluieren: Hiezu sollte eine wissenschaftliche Studie, basierend auf seriösem Faktenmaterial durchgeführt werden. Diese Studie sollte einen Drei-Phasen-Vergleich enthalten: Auswirkungen der alleinigen Obsorge eines Elternteils vor 2001, Auswirkungen der seit 2001 eingeführten gemeinsamen Obsorge in der bis 2013 geltenden Fassung, Auswirkungen der Neufassung durch das KindNamRÄG 2012. Ob die erwähnte Abkühlphase Verfahren verlängert oder verkürzt – in der Praxis wird voraussichtlich beides vorkommen – und wie sich die Abkühlphase auf die Beteiligten auswirkt sollte ebenfalls im Rahmen einer solchen Studie erhoben werden.

Der Ersatz der Besuchsrechte durch neu geregelte Kontaktrechte in den §§ 186 ff wird hingegen  positiv bewertet, Rechte der Kinder werden hier ausdrücklich berücksichtigt (zB können über 14jährige Kontakt verweigern, s § 108 Außerstreitgesetz), eine Einschränkung bei Gewalt (s § 187 Abs 2) und Kontaktrecht Dritter (also zB Lebensgefährten, Berücksichtigung von patchwork-Familien) sind vorgesehen.

Ebenso wird der Ausbau der Informations- und Äußerungsrechte, und der vorgesehene  Entfall dieser Rechte bei Nichtwahrnehmung persönlichen Kontakts (s § 189) begrüßt; der schwierigen Situation von Kindern, deren nichtsorgeberechtigter Elternteil seine Pflichten nicht wahrnimmt, wird dadurch besser Rechnung getragen.

Hinsichtlich der Adoption ist der große Durchbruch in Richtung Modernität doch nicht gelungen: Eine gemeinsame Adoption ist nach wie vor nur durch Ehepaare, nicht durch Lebensgemeinschaften bzw Eingetragene Partnerschaften ( s § 191) zulässig, allerdings kann eine Person mit Zustimmung ihres Ehegatten bzw Partners das Kind allein adoptieren.

Die Neuregelung im Bereich der Verfahren ist offenkundig um eine Entschärfung bemüht, wenn auch den Gerichtsverfahren keine Schlichtungsstellen vorgeschaltet wurden, wie ebenfalls diskutiert und gefordert. Positiv erscheinen die Regelung bezüglich der Durchsetzung von Sorgerecht und Kontakt –  keine Vollstreckung nach der Exekutionsordnung! – und die  ausführlichen Bestimmungen zur Wahrung der Privatsphäre. Der  Versuch der Abrüstung in gerichtlichen Rosenkriegen durch Familiengerichtshilfe bzw Besuchsmittler deutet wohl ebenfalls in Richtung Deeskalation, doch stellt sich auch hier die Ressourcen-Frage: Werden hier ausreichend Mittel zur Verfügung stehen? Wurde die Ressourcen-Frage ausreichend geklärt? Bei mangelnden Ressourcen in personeller und ausbildungsmäßiger Hinsicht die Gefahr, dass Familiengerichtshilfe und Besuchsmittler zu Alibi-Maßnahmen werden und dadurch Menschen, die ohnehin durch monate- bzw jahrelange Streitigkeiten und Verfahren bereits mit dem Rücken zur Wand stehen, dadurch zu zusätzlichen Terminen vergattert werden, die  mangels ausreichender personeller Ausstattung bzw Ausbildung der handelnden Personen nicht viel bringen.

Forderungen daher: Evaluierung, ausreichende Ressourcen und vor allem:

Keine gemeinsame Obsorge durch Gerichtsurteil gegen den Willen der Mutter!

15. Oktober 2012 More

aus „Volksstimme“ Oktober 2012

Gemeinsame Obsorge

Machtkampf ums Kind

Dass ein automatisch geltendes gemeinsames Sorgerecht auch automatisch bessere Eltern aus zankenden Ex-Partnern macht, ist zu bezweifeln. Vernunft lässt sich nicht per Gesetz verordnen.

Ja, es gibt sie, die Väter, die sich um ihren Nachwuchs kümmern, die (nicht nur finanziell) für ihr Kind sorgen, sondern die, karenziert oder nicht, die Windeln wechseln und nachts am Bett des kranken Kindes sitzen. Die eben auch die ganz vielen unangenehmen Seiten von Betreuungspflichten wahrnehmen, die also nicht nur Fußball mit dem Sohn spielen oder mit der Tochter den Schwimmkurs besuchen, sondern die umfassend das Wohl ihres Kindes im Auge haben und dafür keinen Richterspruch brauchen.

Aber ehrlich, diese Sorte Vater ist rar. Konkret: Selbst wenn Männer eine Auszeit nach der Geburt ihres Kindes nehmen, dauert das für 71,9 Prozent maximal ein halbes Jahr. Nur 6,4 Prozent der Männer unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit wegen des Kindes und nur 31 Prozent der Frauen bekommen bei der Kinderbetreuung Unterstützung durch den Partner. Im Jahresschnitt 2010 erhielten 44.524 Kinder einen Unterhaltsvorschuss (Statistik Austria), das heißt, väterliche Drückeberger sind nicht nur beim Kinderbetreuen, sondern auch bei den Alimentationszahlungen für den Nachwuchs auszumachen.

Nun gibt es ein Höchstgerichtsurteil, nach welchem auch Väter unehelicher Kinder ein Antragsrecht auf gemeinsame oder alleinige Obsorge haben. „Im Interesse des Menschenrechts auf Familienleben“ hat der Verfassungsgerichtshof dem österreichischen Gesetzgeber aufgetragen, bis Ende Jänner 2013 eine Reparatur des ABGB vorzunehmen. Der Österreichische Frauenrung, eine Dachorganisation von mehr als 40 österreichischen Frauenorganisationen, sagt NEIN zu einer weiteren Novellierung der Vertretungsrechte beider Elternteile in Richtung „automatischer gemeinsamer Obsorge“ – gerade nach strittiger Scheidung. In einer Stellungnahme an die Medien begründet Dr. Brigitte Hornyik, Vertreterin des Vereins Österreichischer Juristinnen im Vorstand des Frauenrings, weshalb:

„Erstens: Es sind die VäterRECHTLER, die immer nur auf ihre RECHTE pochen und gern auf unangenehme Betreuungspflichten (Stichworte kranke Kinder, durchhustete Nächte, Büffeln für Mathe, obwohl frau selbst schon nach Arbeit, Haushalt, kurz dem üblichen Alleinerzieherinnen-Alltag am Sand ist) vergessen! DESWEGEN wird von Frauenseite jetzt darauf hingewiesen, dass Sorgerecht nicht nur Recht, sondern auch Pflicht ist.
Zweitens: Es sind die Kampf-Väter, denen es wohl mehr um Macht als um das Kindeswohl bzw. ihre Beziehung zu den Kindern geht. Väter, die sich bereits während aufrechter Beziehung engagiert haben – und zwar im Alltag am Krankenbett, in den Sprechstunden usw., also im Bereich des nicht immer so rosigen und Glück bringenden Dienstleistungsunternehmens „Elternschaft“, werden nach einer Trennung sicher nicht ausgesperrt! Nur die, die ihre Vaterschaft erst vor dem Pflegschaftsgericht entdecken, sind nicht immer so willkommen …
Drittens: An ALLE: Die „gemeinsame Obsorge“ ist keine gemeinsame Obsorge, sondern das alleinige Vertretungsrecht der Mutter einerseits, des Vaters andererseits für das Kind – Stichwort: Unterschrift! In aufrechter Beziehung meist kein Problem, nach der Trennung meist schon: Mama meldet an, Papa meldet ab, Mama stellt einen Antrag, z.B. Reisepass, Papa zieht den Antrag zurück – na fein! Wohliges Kindeswohlgefühl macht sich breit! Wenn
sich Mama und Papa trotz Trennung wie vernunftbegabte Menschen verhalten, miteinander gerade über die Kinder reden, sind die rechtlichen Rahmenbedingungen zweitrangig – aber wehe, wenn nicht! Dann kann jede simple Unterschriftsleistung zum Nebenschauplatz des Rosenkriegs werden!

Also lassen wir die Kirche im Dorf: Es geht nicht um ausgesperrte Väter und böse Mütter, die nur Machtinteressen verfolgen und den armen Papis die Pflichten aufhalsen wollen. Es geht auch nicht um unsere Liebe zu den Kindern – die entzieht sich ja Göttin sei Dank den Paragrafen. Es geht um pragmatische Regelungen, die den ohnehin schwierigen Alltag von AlleinerzieherInnen – großes I wohlgemerkt! – nicht noch mühsamer machen. Wenn jede Schikursanmeldung zum Spielball kleinlicher Zänkereien werden kann, ist es doch wohl mehr im Interesse von Mutter, Vater und Kind, beim derzeitigen grundsätzlichen alleinigen Vertretungsrecht eines Elternteils zu bleiben – es kann ja ohnehin in beiderseitigem Einverständnis ein Vertretungsrecht auch des jeweils anderen Elternteils festgelegt werden. Und Gratulation an alle, die trotz Scheidung solche juristischen Regeln gar nicht brauchen!“

B. D.

15. Oktober 2012 More

The Best Birth Control In The World Is For Men

by Jon Clinkenbeard

If I were going to describe the perfect contraceptive, it would go something like this: no babies, no latex, no daily pill to remember, no hormones to interfere with mood or sex drive, no negative health effects whatsoever, and 100 percent effectiveness. The funny thing is, something like that currently exists.

The procedure called RISUG in India (reversible inhibition of sperm under guidance) takes about 15 minutes with a doctor, is effective after about three days, and lasts for 10 or more years. A doctor applies some local anesthetic, makes a small pinhole in the base of the scrotum, reaches in with a pair of very thin forceps, and pulls out the small white vas deferens tube. Then, the doctor injects the polymer gel (called Vasalgel here in the US), pushes the vas deferens back inside, repeats the process for the other vas deferens, puts a Band-Aid over the small hole, and the man is on his way. If this all sounds incredibly simple and inexpensive, that’s because it is. The chemicals themselves cost less than the syringe used to administer them. But the science of what happens next is the really fascinating part.

The two common chemicals — styrene maleic anhydride and dimethyl sulfoxide — form a polymer that thickens over the next 72 hours, much like a pliable epoxy, but the purpose of these chemicals isn’t to harden and block the vas deferens. Instead, the polymer lines the wall of the vas deferens and allows sperm to flow freely down the middle (this prevents any pressure buildup), and because of the polymer’s pattern of negative/positive polarization, the sperm are torn apart through the polyelectrolytic effect. On a molecular level, it’s what supervillains envision will happen when they stick the good guy between two huge magnets and flip the switch.

With one little injection, this non-toxic jelly will sit there for 10+ years without you having to do anything else to not have babies. Set it and forget it. Oh, and when you do decide you want those babies, it only takes one other injection of water and baking soda to flush out the gel, and within two to three months, you’ve got all your healthy sperm again.

The trouble is, most people don’t even know this exists. And if men only need one super-cheap shot every 10 years or more, that’s not something that gets big pharmaceutical companies all fired up, because they’ll make zero money on it (even if it might have the side benefit of, you know, destroying HIV).

If this sounds awesome for you or your loved one, get the word out. Share this article. Or this link. Or this one. Or this one. Sign this petition. Do something! A revolutionary contraceptive like this needs all the support it can get.

UPDATE: A lot of people are asking to be kept in the loop. So here’s the clinical trial/mailing list sign-up from the Parsemus Foundation to get further information about this procedure’s development. And again, please fill out the short non-spam petition to get the procedure funded and keep buzz going.

more…

18. April 2012 More

Name it, change it! Media guide

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by the Women’s Media Center and She Should Run. We work to identify, prevent, and end sexist media coverage of federal and gubernatorial women candidates, elected politicians, and high-profile public officials of all races. We monitor coverage by all members of the press—from bloggers to radio hosts to television pundits. Our goal, to quote Katie Couric, is to “make sexism as repugnant as racism.”

14. April 2012 More

Patriarchy and Misogyny in Politics Pave the Way for Violence Against Women by Fabrice Gernigon

I must admit that writing about gender issues is not the easiest task I have been given. And it is exactly because I don’t feel comfortable with that subject that I felt it would be interesting to dig a little deeper.

My feeling is that I am not the only one not to be at ease, because in France there is a huge gap between the progressive speeches politicians give to the media and the reality. The reality is that every three days a woman dies because she has been hit by her husband. This year more than 650,000 women reported that they had suffered from physical violences, and in their own home for half of them.

Despite the fact that this is a huge issue, I have to admit that I have never been directly exposed to it in my country. However I am convinced that even though violences against women are of course denounced by most men, they are deep-rooted in the customs of our society that is traditionally, and despite all appearances, still patriarchal and misogynist.

I think that the political arena is in a way a good caricature of our society. The French parliament, for example, is highly dominated by a male presence. Despite the fact that we had some very popular women in politics, most of the previous French Prime Ministers have installed women in their governments (as they had promised strict parity during their campaigns), to later replace them by men.

I am convinced that the lack of female representation in politics, or the difference of salaries between men and women who have the same level of experience and education, are facts that necessarily help maintaining, on one hand, the feeling that women are inferior, and on the other hand, that the place where they belong is at home!

A very interesting NGO (called La Barbe-which literally means The Beard but which is also a phrase that we sometimes say in France to say „That’s enough!“) pointed out that issue through their different actions. The women who work at that NGO went to high political or cultural institutions (such as the Parliament or the French Academy). Their actions consisted of breaking into these highly respected places, in silence, with fake beards. By doing that they pointed out the fact that there was almost no female presence in these institutions and their message was basically „Unless you are bearded there is almost no way you can have a place in these institutions.“

I am conscious that there is a difference between misogyny and physical violences against women. But what I want to point out is that misogyny often ends up justifying these violences.

A few months ago, the head of the International Monetary Fund, Dominique Strauss Kahn, (who was close to starting his campaign for the French presidential elections) was accused of the rape of a hotel maid in New York. There has been huge media coverage over this event in France since this man was seen, by most of us, as the next French president. Therefore, a lot of politicians and journalists started debating over what happened in room number 2806.

Despite the fact that nobody really knew what happened in that room, that „underground misogyny“ suddenly came back up to the surface in the words of some politicians and journalists. Even though DSK was accused of rape, one of his political allies (Jack Lang) said that this man should be released because he had paid a large fine and because „He didn’t kill anybody.“ It is a way of saying that rape is not a big deal after all, since nobody died.

A journalist called Jean-François Kahn said his impression was that there was no violent attempt to commit rape but that there was an „imprudent action.“ He later specified by saying that DSK just lifted the skirt of a servant.

I think that through the DSK scandal, we have clearly witnessed that tendency to put rape into a favorable perspective. This is for me a sign that misogyny is not as innocent as we (men) want to think it is. And part of the solution to violence against women will come from getting rid of that very old-fashioned habit.

feministactivist

3. Dezember 2011 More

The lack of EU action on gender-violence is compounding the effect of the crisis on women

The lack of EU action on gender-violence is compounding the effect of the crisis on women, says European Women’s Lobby ahead of International Day for the Elimination of Violence against Women

Almost every other woman in the EU will experience male violence during her lifetime: One in five will fall victim to domestic violence; one in ten will be raped or forced into sexual acts. Violence against women – although rarely discussed or addressed – is the most widespread human rights abuse within the EU, and in times of recession such as these, things only get worse. On the occasion of the International Day for the Elimination of Violence against Women on 25 November, the European Women’s Lobby (EWL) is, once again, calling for urgent action on behalf of the EU to ensure the fundamental rights of its peoples.

Speaking at a European Parliament Hearing on 23 November, Cécile Gréboval, Secretary General of the EWL, pointed out that ‘Ending violence against women is not a luxury for times of growth; it is even more crucial in times of crisis as women are hit very hard.’

According to a 2010 study conducted by the EWL and Oxfam International, economic recession creates conditions associated with increased intimate relationship violence, a rise in prostitution and attacks on women in prostitution.[i]

‘In addition to increased levels of violence, austerity measures affecting support services also leave women victims of violence even more vulnerable than usual’, adds Ms. Gréboval, citing research from the UK demonstrating the negative effects of public budget cuts. Such cuts have led to reduced police, legal, health and other essential services for victims.[ii] In addition, financing for already over-stretched women’s associations providing shelter and support for victims is being cut. In Hungary, for example, the number of places in shelters has been halved.

At the EU-level, the European Commission budget proposal post-2014 does not foresee the continuation of the DAPHNE programme that has funded projects addressing violence against women. The plan to merge DAPHNE with other funding programmes puts at grave risk the level and predictability of EU funding for combating violence against women. The EWL is calling on the European Parliament and member states to ensure the sustainability of this small but very successful programme during negotiations on the future EU budget 2014-2020.

As the situation across Europe deteriorates, women’s associations are calling on the EU to live up to its commitments and to take stronger measures to combat gender-based violence. The EWL has a very strong and clear message for the European Commission in particular: ‘While the European Parliament and Council of Ministers have made calls for a European Strategy and Action Plan on violence against women, the European Commission still hasn’t made any move in this direction’, says Ms. Gréboval. ‘It is hard to believe that we are once again spending the International Day on Violence against Women recalling how gender equality is a founding and fundamental value of the EU, not a luxury for times of growth. Things are getting worse. The time to act is now.’

Leanda E. Barrington-Leach (Ms.)
European Women’s Lobby / Lobby européen des femmes

26. November 2011 More

Arbeit und Einkommen neu denken Von Bärbel Danneberg

Arbeit und Einkommen neu denken

Es war gewissermaßen eine Premiere im zweiten Anlauf: Auf Initiative der Plattform 20.000frauen wurde von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek die unter der damaligen Frauenministerin Johanna Dohnal veranstalteten Frauenenqueten wieder neu aufgelegt. Von Bärbel Danneberg

Ein nobles Ambiente, das Schloss Laudon im Wiener 14. Bezirk, in welchem auch die Verwaltungsakademie untergebracht: Dort trafen sich am 7. Oktober an die 100 Frauen aus unterschiedlichsten Organisationen, Fraueninitiativen und Netzwerken, um zum Thema „Arbeit.Neu.Denken“ zu diskutieren. Die geladenen Referentinnen versprachen schon im Vorfeld eine spannende Tagung – die Hamburger Soziologin Frigga Haug, die Schweizer Ökonomin Mascha Madörin und die österreichische Politikwissenschaftlerin Erna Appel lösten diese Erwartungen auch voll ein.

Über.morgen

„Vollbartverbot ab jetzt“ prangte als Aufmacher auf dem Blättchen, das von Aktivistinnen der Plattform 20000frauen an die verdutzten Teilnehmerinnen verteilt wurde. So begann der frühe Morgen mit Heiterkeit aus dem Über.morgen, einer satirischen Bestandsaufnahme der Geschlechterverhältnisse in unserem Land mit umgekehrtem Wirkungsmechanismus: Die spiegelverkehrten Meldungen machten die Absurditäten deutlich, die täglich alles im Kleinformat reproduzieren, was Frauenfeindlichkeit ausmacht.

„Das Bedürfnis nach inhaltlicher Auseinandersetzung rund um das Thema Arbeit ist groß“, sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek bei der Eröffnung. „Deshalb freut es mich, dass wir uns heute der Arbeitswelt von Frauen mit all ihren Facetten widmen werden.“ Sie machte gleich zu Beginn klar, dass sie diese Enquete als Beginn für einen Diskurs über Frauenthemen verstanden wissen möchte, der weitergeführt und institutionalisiert werden soll. Arbeit habe viele Gesichter, denn Arbeit sei nicht nur Erwerbsarbeit. Sehr häufig würden Frauen auch unzählige Stunden für unbezahlte Arbeit wie für die Pflege von Familienmitgliedern, Kinderbetreuung und Hausarbeit verwenden. Daher, so Heinisch-Hosek, sei es eine wichtige Frage, wie Arbeitsbelastungen fairer verteil werden können. „Wieso werden Berufe, die Dienste am Menschen betreffen, schlechter bezahlt? Die heutige Frauenenquete kann einen wichtigen Denkanstoß für diese notwendige Neubewertung von Arbeit liefern.“

Petra Unger und Ulli Weish von der Plattform 20000frauen wiesen zu Beginn noch einmal auf die Entstehungsgeschichte hin: Rund um den 100. Internationalen Frauentag im März 2011 hatte die Plattform 20000frauen vor der großen Frauendemo am 19. März über die Wiener Ringstraße mit 10.000 Beteiligten politische Forderungen von Frauen aus allen Bundesländern Österreichs gesammelt. Ein großer Teil der Forderungen bezog sich dabei auf den Bereich Arbeit. Angesprochen wurden unter anderem die Lohnschere, die herrschende ungerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit und die fehlende Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen. Vor diesem Hintergrund war es den Vertreterinnen der Plattform ein zentrales Anliegen, neben der Kritik an herrschenden Verhältnissen auch frauenpolitische Utopien zu diskutieren und daraus mögliche Handlungsschritte für die politische Arbeit abzuleiten.

Unbezahlte Arbeit …

Über das Morgen aus heutiger weiblicher Perspektive nachzudenken, darum ging es dann auch in den Einstiegsvorträgen der Referentinnen und in den Workshops. Mascha Madörin stellte in ihrer Einleitung wirtschaftliche Zukunftsfragen aus Sicht der Care-Ökonomie vor. „Wie wäre es denn, wenn in keynesianischer Makroökonomie die Care-Arbeit eingeführt würde?“ Freilich, es gebe keine linkskeynesianschen Denkmodelle, eine neue Debatte über die öffentlichen Finanzen sei dringend nötig. „Meiner Meinung nach hängt der Lebensstandard tatsächlich auch davon ab, wie viel unbezahlte Arbeit sich ein Haushalt leisten kann“, so Madörin. „Rund siebzig Prozent der unbezahlten Arbeit wird für erwachsene, arbeitsfähige Personen im gleichen Haushalt geleistet – zu zwei Dritteln von Frauen. Das zeigt, wie wichtig unbezahlte Arbeit für die Wohlfahrt aller ist, diese unbezahlte Arbeit produziert Wohlstand!“

80 Prozent der bezahlten und unbezahlten Arbeit würde sich im Bereich der Care-Ökonomie abspielen, die somit zentral für eine neue Wohlfahrtsökonomie sei. Anhand ausgefeilter Statistiken lenkte Madörin den Blick auf diese wirtschaftlich unterbelichteten Größen, die nicht nach Arbeitsproduktivität gemessen werden können, denn die Arbeit am Menschen kann nicht arbeitseffizient sein. Ein großer Teil der personenbezogenen Dienstleistungen und der Produktion von lebensnotwendigen Nahrungsmitteln gehören zu den Wirtschaftsbranchen mit hohen Arbeitskosten und/oder schlechten Arbeitsbedingungen.

… produziert Wohlstand

Madörin: „Die Bedeutung der unbezahlten Arbeit wird völlig unterschätzt. Ich habe für eine Studie eines Uno-Forschungsinstituts Daten für die Schweiz zusammengetragen. Die Resultate sind frappant: Im Jahr 2004 wurden 7.000 Millionen Stunden bezahlte Arbeit geleistet, zusätzlich aber auch noch 8.500 Millionen Stunden unbezahlte Arbeit – in Form von Kinderbetreuung, Kochen, Haushalten, Pflege von Alten und Kranken. Allein fürs Kochen – zu Hause meine ich, nicht im Gastgewerbe – wird fast so viel Arbeitszeit aufgewendet wie in der Industrie und im Baugewerbe zusammen!“

Für Madörin stellen sich drei entscheidende Zukunftsfragen: Erwerbsarbeit und unbezahlte Arbeit hängen eng zusammen, Zeit- und Geldökonomie sind nicht zu trennen – es geht um eine bessere Bezahlung durch staatlich-kollektive Finanzierung. Zweitens: Wie gehen wir mit der Frage der Notwendigkeit und drittens mit Abhängigkeiten und Verantwortung um. Es bedürfe einer neuen Debatte über Care-Ökonomie. Das Ehrenamt, etwa in der Pflege, kann nur ein Zusatz sein, aber kein Standard, so Madörin.

Prekäre Zusammenhänge

Die Politikwissenschaftlerin und Mitarbeiterin der Katholischen Sozialakademie Österreichs, Margit Appel, widmete sich der Frage, wie das Verhältnis von Arbeit und Einkommen sowie die Geschichte, Aktualität und Zukunft eines frauenpolitisch prekären Zusammenhangs neu zu denken sei. Sie verwies auf den Doppelcharakter von Arbeit – einerseits als Ausbeutungsmedium durch Vernichtung von Arbeitskraft und Menschenwürde, andererseits als Teilhabemedium durch ihre sozialintegrative Kraft. Ein Blick auf die Geschichte zeige, dass es den historischen Fluchtpunkt nicht gibt, dass Frauen am Arbeitsmarkt „nie richtig angekommen sind“. Hier zeige sich eine doppelte Vergesellschaftung mit doppelter Benachteiligung durch Verwerfungen am Arbeitsmarkt und Entwertung von Bildung, das „Ernährermodell“ habe Leichtlohngruppen, Teilzeit und Prekariat den Frauen zugeordnet.

Die geschlechtsspezifische Folge in den Sozialsystemen sei der Hürdenlauf, um Ansprüche zu erwerben – wer ist drinnen im System und wer bleibt draußen, eine Frage, die auch stark an die StaatsbürgerInnenschaft geknüpft sei. Ein Versäumnis des Feminismus sei es gewesen, sich mehr mit Fragen der Differenz als mit Verteilungsfragen zu beschäftigen. Appel plädierte für ein bedingungsloses Grundeinkommen als Existenz- und Teilhabesicherung: 70 Prozent des Medianeinkommens, personenbezogen, in jedem Alter, bedingungslos sei der „Bypass“, um Arbeit neu zu denken. Dies stärke die materielle Sicherheit, die Freiheit in der Lebensführung, die Inanspruchnahme politischer Rechte.
Und wer soll das zahlen? – „Wir alle zahlen das, wir alle verdienen es“, so Appel

Wir ersticken in Arbeit

Die Hamburger Professorin für Soziologie, Frigga Haug, stellte ihre Vier-in-Einem-Perspektive als politisch weiter zu entwickelnde Utopie zur Diskussion. Alle sind auf der Suche nach einem neuen Arbeitsbegriff, so Haug. Der alte Marxsche Arbeitsbegriff aus 1770 bezeichnet Arbeit als Tätigkeit der Armen, aber auch als Quelle des Reichtums – Lohnarbeit unter kapitalistischen Bedingungen ist Herrschaft, Knechtschaft, Entfremdung.

Wie aber konnte sich die kostspielige Gattung Mensch so raumgreifend über die Erde verbreiten? Die Trennung von Mutter und Kind war ein wichtiges Evolutionsereignis, die kooperative Übernahme der Pflege schulte bei Geschwistern, Großmüttern Hilfsbereitschaft und Sozialverantwortung. Haug: „Großmütter sind der Trumpf im Ärmel der Gesellschaft.“ Unsere Aufgabe sei, das zu verbinden und den Hierarchien in der Arbeitsteilung durch „revolutionäre Realpolitik“ (Rosa Luxemburg) zu begegnen. Denn wir ersticken in Arbeit und Reproduktionsarbeit. Der „strategische Herrschaftsknoten“ habe Arbeiter- und Frauenbewegung ausgehebelt und nebeneinander gestellt. Die Vier-in-einem-Perspektive heißt: jeweils vier Stunden Zeit haben für Erwerbsarbeit, Sorgearbeit um sich und andere, Entfaltung der in sich schlummernden Fähigkeiten und politisch-gesellschaftliches Engagement. Damit gerät die Politik ums Grundeinkommen in einen lebensbejahenden Zusammenhang, denn es versteht sich von selbst, dass jeder Mensch über ein ausreichendes Einkommen zum Leben verfügt und sich ebenso in jedem der vier Bereiche betätigt. Die Gewerkschaft habe die Verknüpfung dieser vier Bereiche nicht verstanden.

Die Menschen würden, zitierte Frigga Haug Antonio Gramsci, ein chaotisch zusammengesetztes Erbe antreten. Es gehe um nichts weniger als die Frage: Wie verhindern die Menschen das Aussterben ihrer Gattung? In diesem Sinne gelte es, alle Verhältnisse umzuwerfen, wie Marx es formulierte, die Verfügung über fremde Arbeitskraft und über Zeit zu durchbrechen und sich im Tun zu verändern. Ein Lernprozess als Bewegungspolitik, so Haug, hieße: „Erkenne dich selbst als dringlichste Aufgabe der Politik.“

Schließlich entwarf Haug eine provokante Forderung: Teilzeitarbeit für alle, oder Halbzeitarbeit für alle, oder kurze Vollzeitarbeit für alle, wie immer kürzere Arbeitszeit benannt wird – um mehr Zeit für anderes zu haben. „Alle Menschen sollen es sich leisten können, Arbeit um der Arbeit willen zu machen.“
Die lebhafte Diskussion in den Workshops machte deutlich: Diskussions- und Handlungsbedarf ist gegeben. Arbeit und Einkommen neu denken heißt eben auch, die feministischen Arbeiten und Theorien zum Thema nicht in den gesellschaftspolitischen und gewerkschaftlichen Rundablagen zu entsorgen.

31. Oktober 2011 More

Ergebnisse des zweiten Treffens der Feministischen Parteien Europas

ÉXITO EN EL SEGUNDO ENCUENTRO EUROPEO DE PARTIDOS FEMINISTAS

Feministiskt initiativs på internationell konferens – Rapport från European Feminist Parties Coordination Board meeting

pdf der „an.schläge“ mit den Artikeln zum Thema „Feministische Parteien“ und den beiden Interviews mit der Mitfrau und Bundessprecherin der Feministischen Partei DIE FRAUEN Margot Müller und der ehemaligen Mitfrau Britta Zangen

Polen war Gastgeber für das zweites Treffen der Feministischen Parteien Europas

Das Ergebnis zeigt: Feministische Positionen sind grenzenlos!

Zum zweiten Mal trafen sich Vertreterinnen der vier Feministischen Parteien Europas. Nach der Gründung des Dachverbandes der Feministischen Parteien Europas in Valencia / Spanien im Oktober vergangenen Jahres war diesmal die polnische Partia Kobiet in Danzig / Polen Gastgeberin für die Feministik Initiativ aus Schweden, die spanische Iniciativa Feminista und die deutsche Feministische Partei DIE FRAUEN.

Das Treffen am 27. August 2011 in der Humanistischen Hochschule in Danzig war ein großer Erfolg: trotz der zum Teil großen Unterschiede bezüglich der nationalen Voraussetzungen wurden 14 gemeinsame politische Forderungen zusammengetragen. Diese länderübergreifen-de Einigkeit stellt eine große Stärke der feministischen Politik in Europa dar. Sie belegt auch, dass die Forderungen des Feminismus entgegen der heute oft geäußerten Ansicht nicht über-holt, sondern für die europäischen Frauen sowie für die soziale und ökonomische Zukunft Eu-ropas dringend notwendig sind.

27. August 2011: Vertreterinnen der feministischen Parteien Europas in Danzig

Die Forderungen lauten:

1. Ablehnung von Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung. Feminismus ist pazifistisch
Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen sich dafür einsetzen, dass internationale Konflikte gewaltfrei gelöst werden können Konflikte müssen auf demokratischem und diplomatischem Weg anstatt mit Waffen bearbeitet werden.

2. Vollständige Veränderung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung: das Wohl der Menschen und nicht der Profit muss im Mittelpunkt der Ökonomie stehen Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen sicherstellen, dass die herrschende kapitalistische neoliberale Wirtschaftsform in ein kooperatives Wirtschaftsmodell umgewandelt wird. Statt Reichtum und Ressourcen als Besitz Einzelner – insbesondere Männer – weiter anzuhäufen, muss Verteilungsgerechtigkeit sowohl zwischen Frauen und Männern als auch zwischen den Völkern im Mittelpunkt stehen.

3. Trennung von Staat und Religion Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen eine säkulare Politik gewährleisten. Religion ist eine Privatangelegenheit und darf nicht staatlich begünstigt werden. Zudem sind die meisten religiösen Kulturen von Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen geprägt.

4. Bekämpfung der strukturellen Gewalt gegen Frauen, Gewährleistung ih-rer physischen und psychischen Unversehrtheit Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen verstärkt Maßnahmen gegen die strukturelle Gewalt gegen Frauen ergreifen. Dazu gehört auch eine erhöhte Sensibilisierung für häusliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen auf allen gesellschaftlichen Ebenen.

5. Abschaffung von sexueller Ausbeutung Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen sexuelle Ausbeutung bekämpfen. Ein postiver Ansatz ist die „schwedische Lösung”, die den Kauf sexueller Dienstleistungen und nicht die Prostituierten kriminalisiert. Menschenhandel muss konsequent bekämpft und die Betroffenen geschützt werden.

6. Bekämpfung von Sexismus und der Reproduktion von Geschlechterstereotypen in Medien Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen sexistische und stereotypisierende Darstellungen in den Medien bekämpfen. In fast allen Medien werden überholte und einschränkende männliche und weibliche Rollenbilder transportiert. Gleichwertigkeit und Gleichstellung der Geschlechter kann nur durch Überwindung dieser Stereotypen erreicht werden.

7. Recht auf Selbstbestimmung der Frauen über ihre Fortpflanzung Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung in Bezug auf Verhütung, Abtreibung und Fortpflanzung durchsetzen.

8. Freie Wahl der Lebensweise Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen die freie Wahl der Lebensweise garantieren, gleichgültig ob Frauen allein, mit Partnerinnen oder Partnern, mit Kindern oder ohne Kinder leben.

9. Förderung der Gleichstellung durch das Bildungssystem Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen sicherstellen, dass die Erziehung und Ausbildung der Kinder gendersensibel erfolgt. Nur dadurch kann gewährleistet werden, dass Mädchen und Jungen ihre individuellen Neigungen und Fähigkeiten ohne Beschränkung durch Rollenzwänge entwickeln können.

10. Politische, ökonomische und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen gemäß ihrem Bevölkerungsanteil Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen sicherstellen, dass der gesellschaftliche, ökonomische und politische Einfluss der Frauen ihrem Bevölkerungsanteil entspricht.

11. Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit Bis jetzt erhalten Frauen in keinem der Mitgliedsländer der Europäischen Union für gleiche oder gleichwertige Arbeit den gleichen Lohn wie Männer. Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen sicherstellen, dass Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen hergestellt wird.

12. Gleiche Aufteilung der Elternzeit zwischen Vätern und Müttern Gleiche Verantwortung für ein Kind übernehmen bedeutet, dass der Elternurlaub gleichmäßig auf Mutter und Vater verteilt werden muss. Frauen und Männer müssen dabei unterstützt werden, sich aus überkommenen Rollenmustern zu lösen. Es soll verhindert werden, dass Frauen durch die Fürsorgearbeit, die sich aus der Geburt eines Kindes ergibt, im Berufsleben sowie in der sozialen Absicherung benachteiligt werden. Vätern muss es erleichtert werden, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen daher sicherstellen, dass beide Elternteile die Elternzeit zu gleichen Teilen in Anspruch nehmen.

13. Individuelle Existenzsicherung. Keine Abhängigkeit sozialer Transfer-leistungen vom Familienstand. Individualbesteuerung statt Ehegatten-splitting Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen sicherstellen, dass jedem Individuum eine von anderen Menschen ökonomisch unabhängige Lebensführung ermöglicht wird. Das kann entweder durch eine Erwerbsarbeit oder durch eine Grundsicherung erfolgen. Beides muss in existenzsichernder Höhe bezahlt werden. Jedes Individuum ist individuell zu besteuern.

14. Unterstützung von Alleinerziehenden durch soziale, wirtschaftliche und infrastrukturelle Maßnahmen Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union müssen sicherstellen, dass Alleinerziehende wirtschaftlich abgesichert sind, durch flexible Arbeitszeiten und ausreichende Kinderbetreuung unterstützt werden und in ein ausreichendes soziales Netzwerk eingebunden sind.

Die Bundessprecherinnenrunde der Feministischen Partei DIE FRAUEN bewertet diese Konferenz als einen großen Schritt vorwärts in der Geschichte des politischen Feminismus: „Unser Ziel ist es, nach den Europawahlen 2014 im Europaparlament vertreten zu sein und eine Feministische Gruppe im Europäischen Parlament zu verwirklichen.“
Die Konferenz ruft weitere Feministische Parteien, die sich in der Aufbauphase befinden und an den nächsten Europawahlen teilnehmen wollen, dazu auf, sich dem Dachverband der Feministischen Parteien Europas anzuschließen. Die nächste Konferenz der Feministischen Parteien in Europa wird im August 2012 in München stattfinden.

10. September 2011 More

Genitalpanikattacken: Ein Abriss über den weiblichen / feministischen Anteil am Aktionismus von Doris Krumpl

Ja, das ist so eine Geschichte mit der Frau und K., wie Elfriede Jelinek den „Herrn Körper“ nennt. Und diese Geschichte hat auch viel mit Aktionismus und Body Art zu tun. Und mit Feminismus. „Denn Herr K. ist selbst das, was kommt, und gleichzeitig ein Türhüter, der es nicht zulässt; jede Frau hat ihren eigenen. Und meist traut sie sich selbst nicht durch ihre eigene Tür hindurchzugehen.“

Körper ist Krieg: „Your Body is a battleground“, schrieb Barbara Kruger auf ihre fragmentierten Fotoarbeiten von Körperteilen. Das war aber bereits in den späten fit-for-fun-80er-Jahren. Grundlagen für alles Weitere, was da noch kam, lieferten bahnbrechende Aktionen und Performances von Künstlerinnen der 60er- und 70er-Jahre. Der Körper galt dabei als letzte Sicherheit, als letzte Erfahrungsinstanz in Zeiten, in denen sonst alle Muster zusammenbrechen. Zusammenbrechen soll(t)en. Nie zuvor setzten Frauen ihren Körper in dem Maße als Material ein, versuchten Geschlechterstereotypen zu durchkreuzen und Kontrapunkte zum eindeutig männlich dominierten Aktionismus zu setzen. Und da gibt es in Österreich eigentlich „nur“ Valie Export.

Das Medium Fotografie entsprach den Ausdrucksmöglichkeiten des feministischen Aktionismus am besten: „Als Möglichkeit, temporäre Ereignisse, Inszenierungen, zu konservieren und einem Publikum zugänglich zu machen“, schreiben Monika Faber und Brigitte Huck im Katalog zu ihrer fulminanten Wiener Körperbilder-Ausstellung „auf den Leib geschrieben“ (1995). Maria Lassnig bemalte die andere Seite der Medaille in ihren „body awareness paintings“, auf denen sich der eigene Körper ausdehnt und verdinglicht. Sie formulierten Gedanken wie Gefühle um damals besonders virulente Fragen nach weiblicher Identität und Selbstbestimmung.

Valie Export suchte mehr noch nach dem Dahinter, nach den Strategien, den Bilden, den Medien, die diese „Natur“ des Weiblichen definieren. Ihre Form des „Expanded Cinema“ lag im Tapp-und Tast-Kino, bei dem Passanten durch einen Vorhang hindurch die Brüste der Künstlerin betasten durften. Sie führte Peter Weibel an der Hundeleine spazieren. Ins Pornokino ging Export, ein Maschinengewehr geschultert, in Hose mit offenem Schritt. Und erklärte, sie stehe zu allem zur Verfügung. Statt von dieser einmaligen Gelegenheit Gebrauch zu machen, flohen die Männer in „Genitalpanik“, wie Export die Aktion bezeichnete.

Bei Marina Abramovics Aktion „Rythm O“ (1974) hingegen kam es zur Schlägerei, als sie Männer vergewaltigen wollten. Die Extremkünstlerin, die ihren Körper enormen Risiken aussetzte – das gehört zum Teil dazu: Chris Burden etwa ließ sich in den Arm schießen, Günter Brus zerriss sich fast selbst -, hatte sich nämlich für sechs Stunden dem Publikum angeboten. Schmerz und Lust könne man ihr zufügen. Sie stellte auch Hämmer, Rasierklingen und anderes Werkzeug zur Verfügung. Das Publikum machte in dem Fall Gebrauch davon: Man trennte die Kleider vom Leib, brachte ihr Schnittwunden bei, legte ihr eine geladene Pistole in die Hand, Finger am Abzug.

Das war es auch: Extreme ausloten, den Körper zur Leinwand machen und Alternativen finden zwischen den beiden Stereotypen Madonna oder Hure. Charlotte Moorman und Hannah Wilke thematisierten ihre lebensbedrohenden Krankheiten. In Japan ging Yoko Ono radikal mit Körper-Vorbildern um, in Italien Gina Pane, in Deutschland Ulrike Rosenbach oder Rebecca Horn. Lygia Clark und Carolee Schneemann bildeten in den USA so etwas wie die Speerspitze vieler späterer „angry women“.

Schneemann kannte damals, Mitte der 60er-Jahre, die Wiener Aktionisten nicht: „Meine Aktionen waren nicht in dieser Form destruktiv, verleugnen nicht das Vergnügen, sondern beziehen den ekstatischen, erotischen Körper und das Unbewusste als Grundlage von Erkenntnis ein. Ende der 60er betrachteten mich die Wiener als ihre amerikanische Schwester.“ Bereits 1965 mischte sie in ihrem „Kinetic Theatre“ Blut, Hühner- und Fischteile mit den nackten Körpern der Akteure (Meat Joy).

Das mag jetzt nicht heißen, dass Frauen die besseren Männer auch im Aktionismus sein müssen. Durch die voyeuristische Vereinnahmung des Frauenkörpers durch die Jahrhunderte, dessen Objekthaftigkeit, ergaben sich geschlechtsspezifisch unterschiedliche Ansätze, die sehr oft subtiler und ironischer weitergeführt wurden als bei den männlichen Akteuren. Ansätze, die später aufgegriffen, verändert oder weiterentwickelt wurden. „Der Zurückweisung der männlich kodierten Verbalsprache durch prozessorientierte Körperarbeit – vor allem in Fotografie, Film oder Video – setzen jüngerer KünstlerInnen-Generationen den bewussten Einsatz linguistischer Systeme entgegen“, so Faber / Huck.

Der Aktionismus hat nie aufgehört, meinte Valie Export heute. Die Fesseln von Vater Staat, Mutter Natur und (männlicher) Ideologie seien heute nicht wesentlich lockerer geworden, man habe nur gelernt, damit besser umzugehen. Und weiter geht’s. (DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.2.2004)

Quelle: www.basis-wien.at

V.Export: Aspects of feminist actionism

Natascha Gruber über Birgit Jürgenssen: „Family Jewel – The first Birgit Jürgenssen monograph portrays an outstanding artist of feminist avant-garde“

Carolee Schneemann

16. Mai 2011 More

„Sex und Feministinnen in Städten“ von Hanna Hacker

Dreizehn zur Erinnerung

Urbane feministische und/oder queere sexualpolitische Praktiken, die Zukunft der Städte, das Kulturelle: hiezu skizziere ich 13 Positionen. Sie umfassen historische Bruchstücke, Momente gegenwärtiger Strategien, Erinnerungen an Mögliches und zugleich das, was als nächstes ansteht im Verhältnis von Geschlecht, Sexualität und Raum.

1/ Barrikadenbraut. Wien 1900. Wie die meisten Metropolen der im 19. Jahrhundert neu formierten Nationalstaaten repräsentierte sich auch die Hauptstadt der Habsburgermonarchie in Frauen- oder Mädchengestalten: im Wäschermädl, im Naschmarktweib, in der Grabennymphe (ja, Sexarbeiterin), in süßen Mädln und mondänen Frauen, in Sisi, der schönen, dann toten Kaiserin. Imaginationen der »Barrikadenbräute« von 1848, der Amazonen, jener Wienerinnen, die rauchen, Männerkleidung tragen und Waffen handhaben, die sich aufhalten, wo Frauen nicht unbedingt sein sollten – diese wie auch immer stereotypen Figuren eines politischen, kulturellen, sexuellen Gegendiskurses bestimmen die Rezeption der Stadtgeschichte und ihre Symbolisierungen mit, aber wie lange? Was kann nach Aufständlerinnen von 1848 hier gefunden werden? Es scheint, als kämen dann doch gleich und ausschließlich die nach 1880 aus der Pariser Salpêtrière hierher übersiedelten Hysterikerinnen, versehen mit Markierungen des Jüdischen, des Kriminellen, des sexuell Abweichenden – Freuds »Fälle« Anna O. oder Dora, Figuren eines eingekörperten Protests, in denen die andere Seite einer dominanten Wien-Textur sich spiegelte und wie in hysterischer Katatonie erstarrte.

2/ Demimondaine. Paris 1900. Halbseidene: Zwischenfiguren des geschlechtlichen und des Ehren-Diskurses, ausgehaltene Schauspielerinnen, Mätressen von Männern von Welt, Personen, die zu posieren wussten, die gleichsam gewohnheitsmäßig etwas anderes darstellten, als sie waren oder sexuell empfanden, »öffentliche« Frauen eben, die keine Geschlechtsehre mehr besaßen, Subjekte jener Halbwelt, in der Überschreitungen und Ausschreitungen zu Hause waren. Demimondaines denunzierten sowohl die doppelte (Sexual-)Moral als auch die historischen Un/Möglichkeiten einer weiblichen Subjektkonstitution in der männlichen Öffentlichkeit, und sie bestätitten die Allgegenwärtigkeit geschlechtlicher Gewalt. Hierin waren sie mit den Aktivistinnen der Ersten Frauenbewegung unmittelbar verwandt. Feministinnen: Als Akteur_innen auf dem Feld des Öffentlich-Politischen können Träger_innen der Alten Frauenbewegung als Nicht-Frauen gelten, war dieses Feld doch eingeschlechtlich männlich codiert und in diesem Code eine Anwesenheit von Frauen nicht vorgesehen. Öffentlich-politisches Handeln von Frauen stellte einen repetitiven Akt des Transgressiven dar, eine immer wieder neu zu vollziehende Überschreitung der Grenzen des weiblich bestimmten Privaten, Informellen und Unverbindlichen. Ausgerichtet auf die öffentliche Politik, bewegten sich diese Transgressionen direkt hin zu gewaltförmigen Strukturen. Feministisches Agieren erschloss öffentliche Räume und besetzte zugleich öffentliche Produktionen der Gewalt: staatliche Politik. Ehrenhändel. Nationalismen. Krieg.

3/ Trans-Personen, eine wie die andere. Sie glichen einander, und ihre Ähnlichkeit fungierte als Ansatzpunkt für Widerspenstigkeit, manchmal: die Emanzipierte, die Homosexuelle, die Prostituierte, die Transvestitin. Zwischenfälle wurden berühmt. Olive Schreiner etwa, feministische – und feministisch-imperiale – Autorin redete und lachte auf der Straße so laut, dass die Londoner Polizei sie für eine Prostituierte hielt. Anita Augspurg, führende Vertreterin des radikalen Flügels der deutschen Frauenbewegung, vestimentär nicht-weiblich stilisiert, nicht-heterosexuell, als Frau des öffentlichen Lebens selbst schon eine öffentliche Frau, wurde an einem Herbsttag des Jahres 1902 in Weimar arretiert und zur Wache verbracht. Warum war eine zweifelhafte Frauensperson auf der Straße festzunehmen? Der Beamte soll in der geschlechtlich dubiosen Gestalt einen als Frau verkleideten Mann geargwöhnt haben. Dies kam damals öfter vor. Die Betroffene hingegen war sich sicher, als Prostituierte verkannt worden zu sein, bestraft für Wünsche nach öffentlicher Bewegungsfreiheit. Auch solche Arretierungen kamen damals öfter vor. Sie griff schließlich auf ein drittes Handlungsmuster zurück, das der aggressiven Feministin: Ja doch, wir brauchen solches Material für unseren Kampf gegen die Reglementierung der Prostitution, der Vorfall kommt mir gerade recht!

4/ London, Bombay, Swapokmund. Wertvorstellungen der Ersten Frauenbewegung widersprachen imperialistischer Ethik nicht. Imperial feminism hielt sich an die Idee einer weiblichen moralischen Überlegenheit, wie sie als Argument für »Rettungsaktionen« gegenüber Frauen in den Kolonien verwertbar war. Das Ideologem der »Rassenreinheit«, »Rassenhygiene«, Verpflichtung auf »eugenisch« einwandfreie Fortpflanzung hatte frauenbewegte mit kolonialistischer Haltung gemeinsam. Hierarchisierte ethnische, ökonomische, soziale Differenz, Fortschritts- und Modernitätsparadigma, orientalisierende Repräsentation der Anderen, Pädagogisierung und dabei latente Gewaltförmigkeit: aus Analogien zwischen der Politik in den Kolonien und der in den Metropolen folgt der Befund imperialer Praktiken frauenbewegter Akteurinnen gegenüber ihren »Zielgruppen« im eigenen Land. Sozialreformerinnen machten sich in den armen Stadtvierteln an die Arbeit wie ihre Brüder in den Kolonien. In der internationalen Frauenstimmrechtsbewegung sollte die folkloristische Darstellung von volkstanzenden Bäuerinnen in Tracht bestätigen, dass dieser Bewegung Frauen »aus aller Welt« angehörten. Die Elite orientierte sich an Evolutionstheoremen und definierte folgerichtig Ruralität mitsamt ihren Bewohnerinnen als »unterentwickelt«, rückständig, letztlich minderwertig.

5/ Öffentlichkeit für die bewegte Frau. Mädchenschulen. Damenakademien. Zeitschriften. Flugschriften. Bücher. Die vierte Macht im Staat. Stadtteilprojekte. Settlements. Wie die Brüder in Deutsch-Südwest. Rechtsberatung. Bildungsberatung. Ökonomie für Hausfrauen. Pensionsfonds. Altersheime. Stiftungen. Frauenclubs zu Mittag, am Abend und dazwischen. Die ersten Radlerinnen im Verein. Jours fixes. Salons. Vortragsreisen. Vereinsöffentlichkeiten. Kongresse, durchinszeniert. Suffragetten in den Straßen: öffentliche Frauen. Körper als Protesträume. Hungerstreiks. Zwangsernährung. Sie zerschlagen Straßenlaternen und bringen Schaufenster zum Splittern.

6/ Expatriates, Women of the Left Bank. »Am Anfang, nachdem Robin mit Jenny nach Amerika gefahren war, suchte ich nach ihr in den Häfen. (…) Leiden ist Verfall des Herzens. Alles, was wir geliebt haben, wird zu ›Verbotenem‹, wenn wir nicht alles verstanden haben; so wie der Arme der Urgrund einer Stadt ist, da er etwas von der Stadt weiß, was die Stadt, um ihres eigenen Geschickes willen, zu vergessen sucht. Daher muß der Liebende der Natur entgegentreten, um Liebe zu finden. Ich habe Robin in Marseille gesucht, in Tanger, in Neapel – um sie zu verstehen, um meiner Angst Herr zu werden. Ich sagte zu mir: ›Ich will tun, was sie getan hat, ich will lieben, was sie geliebt hat, dann werde ich sie wiederfinden.‹ Zuerst schien es, daß ›Verderbtheit‹ das Ziel wäre, das ich zu suchen hätte; ich müsse die Mädchen finden, die sie geliebt hatte, aber ich fand nur kleine Mädchen, die sie vergessen hatte. (…) Ich dachte: ›Ich will etwas tun, was sie niemals verzeihen kann; dann können wir von neuem beginnen, als Fremde.‹ Aber der Matrose kam nicht weiter als bis in den Vorraum.« (Djuna Barnes, Nachtgewächs)

7/ Berlin 1920. Lila Nächte. Aus dem zu Ende des 19. Jahrhunderts dominanten pädagogischen Habitus gegenüber »konträrsexuellen« Frauen wurde in den 1920er Jahren ein vorrangig voyeuristischer. Akteure des Normativen waren nun vielfach Journalisten und essayistische Amateure. Sie systematisierten die Räume der lesbischen Subkultur, die kollektiven Lebensstile, Gewohnheiten und Vorlieben, den Mikrokosmos der Codes, die Produzentinnen und die Produkte lesbischer kommunikativer Öffentlichkeit. Bisher gepflogene Klassifizierungen des nicht-heteronormativen »Charakters« verlagerten sich auf Klassifizierungen der lesbischen Lokale, Klubs und Bars. Die normative Schaulust des Fremdenführers durch den »Sumpf der Großstadt« ordnete die Lokale nach der Zusammensetzung ihres Publikums, nach ihrer soziogeografischen Lage, nach Berufs- und Schichtzugehörigkeit der Besucherinnen, nach den Vorlieben des Stammpublikums. Die einzelnen Lokale wurden in ihrer Raumaufteilung beschrieben und vermessen wie zuvor – und nach 1933 bald wieder – der Körper der einzelnen Konträrsexuellen: vorderer Raum, hinterer Saal, Tanzfläche.

8/ Anschaffen, 1933. »Und dennoch ist das merkwürdig stille und spurlose Verschwinden der alten Lesben-Bewegung ungeklärt. Daß viele in die neuen Frauenorganisationen übergewechselt sein mögen, aus Überzeugung oder als Tarnung, ahnungslos oder subversiv, reicht meines Erachtens noch nicht aus, einen solchen Bruch, solches Schweigen zu erklären. (…) Denkbar auch, daß die Prostituiertenverhaftungen und das Unsichtbarwerden lesbischer Frauen mehr als nur gleichzeitig sind; möglich, daß mit der Absonderung von Frauen, die anschaffen gingen, auch ein Pfeiler der Lesben-Bewegung gebrochen war. (…) Sicher jedenfalls ist, daß ein sehr großer Teil derjenigen Lesben, die so plötzlich unsichtbar und unhörbar wurden, in Irrenanstalten und Lager eingewiesen wurde und dort das Schicksal der Insassen teilte: nämlich lesbische Prostituierte. (…) Gerade als Lesben waren Prostituierte also hochgradig gefährdet, und gerade als Prostituierte waren es Lesben.« (Gisela Bock, ›Keine Arbeitskräfte in diesem Sinn‹. Prostituierte im Nazi-Staat)

9/ Lagos 1930. Nach der Rebellion der Igbo-Frauen von 1929 – Attacken auf die (von den Briten eingesetzten) warrant chiefs, Zerstörungen der Sitze zahlreicher native courts, Plünderung von Faktoreien, eine Beteiligung von über zehntausend Frauen, eine Mobilisierung über einen geografischen Raum von mehreren tausend Quadratmeilen hinweg – explodierten in den 1930er Jahren dann die Widerstände der Yoruba-Marktfrauen in den Städten Nigerias. Breit vernetzt, streikte, demonstrierte und kämpfte unter Einsatz physischer Gewalt die Lagos Market Women Association für die Handelsrechte der Frauen, ihre Rechte als Wasserträgerinnen und ihr Recht auf Steuerfreiheit. All dies kam ihnen qua Geschlecht traditionell zu und war (oder schien) durch koloniale Erlässe gefährdet. Die Marktfrauen reklamierten vielleicht gar nicht genuin »Anderes« als der Feminismus in Europa: Einflussnahme in der Sphäre des Politischen, Steuer- und Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, Praktiken und Taktiken gegen Modernisierung, soweit sie Frauenräume und -rechte zu zerstören drohte.

10/ Entwaffnet Vergewaltiger. Feministischer Aktionismus der Second Wave, anfangs: Die Aktivitäten nach außen standen unter dem Primat der Agitation; es schien wichtig, die eigenen Standpunkte der »Frau von der Straße«, der Arbeiterin, der Durchschnitts-Hausfrau verständlich zu machen. Dann griff ein radikalerer Ansatz Platz. Provokationen an der Grenze zur Illegalität, Zeichensetzungen der Phantasie (an die Macht), eine tendenzielle Verweigerung, jede Protesthandlung zu erklären. Wir erwarben unverzichtbare politisch-praktische Kompetenzen: Kundgebungen anmelden. Ausreden beim illegalen Plakatieren. Haltbaren Kleister zubereiten. Farbbeutel herstellen. Und, ewiges Rätsel, wo kann frau Stinkbomben kaufen? Feministinnen in Städten reklamierten mit Demo-Slogans wie »Take back the night« und »Zittert, zittert, die Hexen sind zurück« zu Zigtausenden die Nacht, Bewegungsfreiheit im Raum, Widerstand ohne Angst.

11/ Konkrete Utopie, 1980. In vielen Städten des Westens verlagerte frauenbewegtes Engagement sich in den 1980er Jahren auf Spezialisierung und Professionalisierung, auf konkrete Projekte zum Aufbau einer feministischen Infrastruktur, auf längere Fristen bei den Interventionen im sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Raum. Materielle Räume mochten temporär besetzt und wieder aufgegeben werden, aber wo frau die Wahl hatte, entschied sie sich zumeist für den sichtbaren Ort im Symbolischen mit Wänden und eigenem Schlüssel, um am space-off, an der »differentiellen Differenz«, am third space zu arbeiten. Utopie und Unbehagen in der Gegen-Stadt: »Meine Friseurin gehört zur Frauenkulturszene. (… ) Feministische Handwerkerinnen bauen neue Regale für mein Frauenprojekt. Ich kaufe meine Bücher in der Frauenbuchhandlung, ich lese mehr als zwanzig österreichische Frauenzeitungen, ich kann meiner Nachbarin Volkshochschulkurse für Frauen und ihrer Tochter Mädchengruppen im Jugendzentrum empfehlen. (…) Wenn ich einen Wecker zu verschenken habe, kontaktiere ich die Rote Zora, wenn ich im Gefängnis sitze, betreut mich der Arbeitskreis Schwarzau, wenn ich wieder herauskomme, kann ich auf eine Wohngemeinschaft für haftentlassene Frauen hoffen, wenn ich in einer psychiatrischen Anstalt lande, kümmert sich eine feministische Sozialarbeiterin um mich.« (Brigitte Geiger/Hanna Hacker: Donauwalzer Damenwahl. Frauenbewegte Zusammenhänge in Österreich)

12/ Ladyfest mit Landschaft, 2000. Mir scheint es produktiv, »Zonen« weniger in jenem Sinn zu denken, in dem man mit border zones, encounter zones, contact zones Begrenzung und othering assoziiert, vielmehr sie als Verbindungen und Achsen zu entwerfen und als Dispositiv für multiple, gegenhegemoniale Praxen auszuarbeiten. Global gender-oder queerscapes wären ein ähnliches Konzept: die Perspektive queerer transversaler Verflechtungen; queerscapes als transnationale Netzwerke, die eine (vielstimmige) Weiterarbeit an feministischqueeren Verständnissen von Raum, Geschlecht und Sexualität ermöglichen. Wenn wir -zones und -scapes subversiv konzipieren, bilden Differenzen ihre wichtigsten Elemente; Kollisionen, wechselseitige Interventionen, Schnittstellen, passagere und bestreitbare Formen der Begegnung und ihrer Darstellung. »Transitorische Differenz« könnte produzieren, was wir uns ja ausdrücklich schon lange wünschen, nämlich Räume, in denen es um Bündnispolitik geht, um die Achsen hin zu Strategien »anderer« Feministinnen in »anderen« Städten, um migrierende und diasporische Selbstrepräsentationen und, bloß beispielsweise, um eine Kultur der Nicht-Zweigeschlechtlichkeit.


13/ Ironic dream for the21st century.
Ja hübsch, trotzdem, weiter: Was können feministische Politiken nun überhaupt noch sein? Zunächst paradoxerweise, davon Abstand zu nehmen, Frauen als qualitative Minderheit notwendig zentral zu setzen. Gerade angesichts der Überdeterminierung des Zeichens »Frau« in internationalen Diskursen – Kopftuch! »Kulturdelikte!« – scheint es ein wichtiger feministischer Akt, Lobbying im Namen eines (welchen?) Geschlechts ein Stück weit zurückzunehmen und das Postulat vom Zusammendenken möglichst vieler sozialer und symbolischer Ungleichheitsverhältnisse zu realisieren. Ist das Thema »Stadt«, so gilt in diesem Sinne: Achtung vor Metronormativität! Weiters, da es ja auch nicht immer allein um die Allianzen gehen kann: Attackieren, also! Und nicht vergessen. Nichts.

Einige Impulse verdanke ich den Arbeiten von Yvonne P. Doderer (Urbane Praktiken. Strategien und Raumproduktionen feministischer Frauenöffentlichkeit, Münster 2003) und Elizabeth Wilson (The Sphinx in the City, London 1991); im Wesentlichen aber liegen diesem Text Publikationen von mir selbst zugrunde, genauere Literaturnachweise siehe dort. Hanna Hacker, Bewegung schreiben ohne Zentrum? Narrrative Strategien eurozentrismuskritischer Frauenbewegungsgeschichte/n. In: Johanna Gehmacher/Natascha Vittorelli (Hg.): Wie Frauenbewegung geschrieben wird [in Vorbereitung]; Developmental Desire and/or Transnational Jouissance: Re-formulating Sexual Subjectivities in Transcultural Contact Zones. In: Kath Browne et al. (Hg.): Geographies of Sexualities. Aldershot 2007; Gewalt ist: keine Frau. Der Akteurin oder eine Geschichte der Transgressionen. Königstein 1998; (mit Brigitte Geiger:) Lila Fahnen, nach der Tagung ein Fest. Protest und Kollektivität in der Frauenbewegung. In: Aufrisse, 1, 1990; Frauen und Freundinnen. Studien zur »weiblichen Homosexualität« am Beispiel Österreich 1870-1938. Weinheim-Basel 1987; u.a.

Quelle: Future Non Stop

16. Mai 2011 More

Gender Lectures

Das GenderKompetenzZentrum veranstaltet gemeinsam mit dem Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien (ZtG) die öffentliche Vortragsreihe Gender Lectures. Hier finden Sie sowohl Informationen zu kommenden Gender Lectures als auch ein Archiv der Berichte der bisherigen Vorträge. Die Gender Lectures finden während des Semesters jeweils montags 18.00-20.00 statt. ACHTUNG: Im Wintersemester 2010/2011 finden ausnahmsweise keine Gender Lectures statt.

„Wenn Daten diskriminieren“

„Mehr als Köpfe zählen? Politische Beteiligung und Gender“

„Wert von Arbeiten“

„’Schema F‘: Geschlechterstereotype in Wissenschaft und Gesellschaft – ungebrochen?“

„Familie und Gleichstellung – Einheit oder Widerspruch?“

„Determinanten geschlechtsspezifischer Partizipation“

„Geschlecht, Gender und Politik … eine kritische Bilanz der Parität“

„Gender Mainstreaming – eine Klasse für sich? Die Debatte in den Medien um Gender Mainstreaming zwischen Furcht, Feminismus und neuer F- Klasse“

„Auf dem Weg zum Zweiverdienermodell? Rechtliche und politische Grundlagen des männlichen Ernährermodells“

„Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit – Der siebte Familienbericht“

„Die Ehe als Institution? Kritische Anmerkungen zur institutionalisierten Zweigeschlechtlichkeit“

„Die Relevanz von Geschlechterstereotypen für Berufsentscheidungen“

„‚Ich sehe was, was du auch siehst‘ – Stereotypisieren, reifizieren und intersektionalisieren in der Geschlechterforschung“

„Degrees of African Feminist Theory: Case Studies in Tanzanian Women’s Practices“

Informationelle Diskriminierung auf Grund des Geschlechts und der sexuellen Orientierung

„Wissenschaftlerinnen mit Migrationshintergrund: Interdependente Ausschlüsse am Glass-Ceiling des Hochschulbetriebs Deutschlands“

„Abgefederte Risiken und erstrebte Nebenwirkungen. Gleichstellungspolitik, die Differenz befördert – ein Paradox?“

„Working on the familiar – Was untergräbt die Deutungshoheit in der Familienpolitik?“

Spielt das Geschlecht (k)eine Rolle im Schulalltag?“

„Von Gender (Mainstreaming) zu Diversity (Management)?“

„Wir haben das Land aufgebaut. Wir sind die Herren in diesem Land“, sagten die beiden Damen. Irrtum, Macht und Möglichkeiten diskursiver Ordnungen

„Tarif und Betrieb – Determinanten des Pay Gap im Handlungsbereich der Sozialpartner“

„Geschlechterdifferenzierung und Gleichheitssnorm: Tücken der Gleichzeitigkeit

„Erkennen und Wahrnehmen von Diskriminierung an den Schnittstellen Gender/’race‘ und Migrationshintergrund/Beeinträchtigung“

Glass Ceiling in Academic Administration: The Turkish Case in 1990ies versus 2000s

„Die kulturelle Politik von Hass und Gewalt“

„Entgrenzung von Erwerbsarbeit und Familie – Chancen und Barrieren für die Modernisierung der Geschlechterverhältnisse“

„Weltmarkt Haushaltsarbeit – ein blinder Fleck in der Gleichstellungspolitik“


„Frau Maphrodit…“ – „Nein, Herr Maphrodit!“ — Ein 3D-Survival-Kit für Andersgeschlechtliche in einer 2D-Matrix


„Feminist Economics in Europe“

„Modernisierung von Arbeits- und Geschlechterverhältnissen – Hartz I, II, III, IV und wie weiter?“

„Determinanten des Gender Pay Gap im internationalen Vergleich“

„Hauptsache Arbeit? – Strategien zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen“

„Kinderwunsch ade? Warum Frauen und Männer (keine) Kinder haben wollen“


„Viel gelobt, aber nicht begehrt? Familie heute. Zum Wandel von Familienstrukturen und -leitbildern“

„Work-Life-Balance statt Vereinbarkeit? Diskursive Verschiebungen und veränderte Problemlagen“

„Gender-inclusive language: Gender-Aspekte der Globalisierung der englischen Sprache“

Outstanding challenges in a post-equality era: trans and same sex legislation in Spain


„Bevölkerungspolitik als Geschlechterpolitik“

„Macht und Mikropolitik Strategien weiblicher Leitungskräfte“

Intersexualität“


„Gender Mainstreaming in Schweden: Aktueller Stand und Ausblick“

„Feminisierung der Politik? Neue Entwicklungen und alte Muster der Repräsentation“


„Die prekäre politische Repräsentation von Migrantinnen in der Europäischen Union“

„Multiple Inequalities, Intersectionality and Gender Mainstreaming“ (ppt)


Mehr ….

15. Mai 2011 More

Teaching Feminist Activism: Reflections on an Activism Assignment in Introductory Women’s Studies

A brief narrative description of the journal article, document, or resource. In this article, the author describes a feminist activism assignment that would allow students to „do something“ about the many difficult social injustices they learn about in her class. The „Feminist Activism Project“ has become a source of hope, frustration, anxiety, and ultimately ambivalence about the assignment’s pedagogical merits. While there have been moments of excitement about the insights the assignment has inspired in some students, the author has also continuously been disappointed by her inability to guide students to the heightened level of reflexivity that the project aims to produce. Further, she has developed a deep sense of alarm at the project’s potential for reifying students‘ tendencies to distance themselves from less fortunate „Others.“ In other words, she is concerned that some students may come to view activism as something to be done to improve the circumstances of „the poor“ or „the rape victim,“ for example, without ever making connections between their own various social positionings and those in whose behalf the activism is performed. This article makes provisional attempts to address a series of paradoxes that the feminist activism project has ultimately raised in relation to the author’s ever-evolving feminist pedagogy. It also presents four main reasons why the author developed the project and her reflections on the feminist activism assignment.

Link:www.informaworld.com

15. Mai 2011 More

Grassroots: A Field Guide for Feminist Activism

Publisher Comments:
From the authors of Manifesta, an activism handbook that illustrates how to truly make the personal political. Grassroots is an activism handbook for social justice. Aimed at everyone from students to professionals, stay-at-home moms to artists, Grassroots answers the perennial question: What can I do? Whether you are concerned about the environment, human rights violations in Tibet, campus sexual assault policies, sweatshop labor, gay marriage, or the ongoing repercussions from 9-11, Jennifer Baumgardner and Amy Richards believe that we all have something to offer in the fight against injustice. Based on the authors‘ own experiences, and the stories of both the large number of activists they work with as well as the countless everyday people they have encountered over the years, Grassroots encourages people to move beyond the „generic three“ (check writing, calling congresspeople, and volunteering) and make a difference with clear guidelines and models for activism. The authors draw heavily on individual stories as examples, inspiring readers to recognize the tools right in front of them — be it the office copier or the family living room — in order to make change. Activism is accessible to all, and Grassroots shows how anyone, no matter how much or little time they have to offer, can create a world that more clearly reflects their values.

About the Author

Jennifer Baumgardner and Amy Richards are the co-authors of Manifesta: Young Women, Feminism, and the Future (FSG, 2000) as well as co-founders of the progressive speakers‘ bureau Soapbox.

Review:
„‚[L]ike punk rock, feminism is also based on the idea that you, an average schmo, have the power to take matters into your own hands.‘ In this unquestionably useful, undoubtedly feel-good guide to feminist activism, the authors of Manifesta reveal how women can effect change without being highly experienced (suburban teenagers and investment bankers can do it), morally irreproachable (one can protest Nike’s labor practices and still wear its shoes) or dull and unfashionable (Legally Blonde’s Elle Woods is an activist — albeit a fictional one). As the Elle Woods reference demonstrates, encouraging activism in the Sex and the City crowd can be straining, but the authors‘ warm, encouraging tone and examples of everyday people doing good — themselves included — are inspiring. ‚You don’t have to take the world on your shoulders — you just need to take advantage of the opportunities your life provides for creating social justice,‘ they insist. Lauren, a 33-year-old writer at Smart Money, decided to join a lawsuit against her insurance provider for refusing to subsidize birth control; Allison started a feminist group to fight stereotypes at her Santa Barbara high school; Nisha makes queer-friendly films about South Asian women. Profiled along with many others, these women each embody Baumgardner and Richard’s eloquently argued claim that ‚activism should be of you, not outside of you.‘ Agent, Jill Grinberg. (Jan.)“ Publishers Weekly (Copyright 2004 Reed Business Information, Inc.)

Quelle: www.powells.com

15. Mai 2011 More

Originalstatements von Ursula Kubes-Hofmann zu 5 Fragen von Sandra Ernst-Kaiser

Hier seht ihr die Originalstatements von Ursula Kubes-Hofmann zu 5 Fragen von Sandra Ernst-Kaiser für ihren am 8. Mai auf dieStandard veröffentlichten Artikel „Strukturdebatte mit Herz statt Muttertagskommerz“. Die schriftliche Beantwortung erfolgte am 6. Mai und wurde um 21 Uhr an Sandra Ernst-Kaiser per Email geschickt.

EKS: Wie sehen Sie als feministische Historikerin den Muttertag, Mutterkult und die Ehrung dessen?

KHU: Aus historischer Perspektive entfaltet die Liaison zwischen Demografiedebatten, BevölkerungspolitikerInnen und Blumengeschäften ihre Wirkmächtigkeit mal mehr oder mal weniger – je nach politischen und sozioökonomischen Voraussetzungen in der jeweiligen Zeit.

1927 begründete die Erfinderin des Muttertages in Österreich, Marianne Hainisch, dessen Einführung mit dem „sittlichen Verfall durch den Krieg“ und die beginnende Berufstätigkeit von Frauen in einer Radioansprache „mit dem Abgrund menschlicher Verwilderung“ und damit, dass „Eltern den Einflüssen des Zeitgeistes nicht gewachsen“ seien.

EKS: Diese Begründung von Hainisch ist mehr präsent, wenngleich unter gänzlich anderen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Warum?

KHU: Der Muttertag dient dem Abfeiern einer abstrakten Rolle bestimmter Frauen, nämlich jener, die den Staat mit mehr oder weniger Nachwuchs versorgt haben. Politisch wurde und wird das unterschiedlich begründet: Entweder ideologisch renationalisierend und rassistisch oder sozialtechnokratisch pragmatisch: Jeder und jede kennt heute die politische Rhetorik von ungesicherten Pensionssystemen während gleichzeitig Milliarden in Banken und männerbündisch strukturierte Netzwerke fließen.

In beiden Begründungskontexten geht es letztlich immer um eine Spaltung zwischen Frauen in „gute“ und „böse“ Mütter oder zwischen Mütter und kinderlose Frauen generell. Von dieser machtpolitischen Strategie lebt das patriarchal/kapitalistische Geschäft bis heute mit Hilfe von Frauen. Denn sie unterliegen einer doppelten Stigmatisierung: sowohl als Frau als auch als Mutter.

Daher entspringt der Muttertag einer gesellschaftspolitischen Mottenkiste und gehört abgeschafft. Auch jede Kritik an ihm, die den angeblich „richtigen Wert von Mutterschaft“ postuliert oder „fehlende mütterliche Werte“ durch neoliberale Bedingungen beklagt, scheint mir verfehlt zu sein. Sie festigt, was sie beklagt: die schlechten Rahmenbedingungen, um ein heiles Mutterbild aufrecht zu erhalten.

EKS: In welcher Art und Weise werden Mütter heute instrumentalisiert?

KHU: Demografiedebatten auch neueren Datums speisen sich aus dem unheilvolle Amalgam aus Kampfrhetorik, Verzichtsappellen, Überwältigungsphantasien, positivistischen Datenfluten und Rassismus. Hierfür werden Mütter für die systemimmanente Zurichtung der nächsten Generation gebraucht. Akademikerinnen ohne Kinder werden aufgrund ihrer Kinderlosigkeit stigmatisiert, Mütter mit niedrigem Bildungsstatus, weil sie keine familieninternen „Hilfslehrerinnen“ sind.

Dementsprechend reagiert die Familienpolitik darauf, die pronatalistisch und sozial differenzierend ausgerichtet ist: Die Instrumentalisierung von Müttern findet durch Protagonistinnen eines konservativen Feminismus statt, indem sie diese Politik durch gleichstellungspolitische Maßnahmen für besser ausgebildete Frauen flankieren. Gleichzeitig finden politische Überlegungen statt, wie vor allem Mütter mit niedrigerem Bildungsniveau dazu befähigt werden sollen, den Kindern bei den Schulaufgaben zu helfen. Unter dem Deckmantel der rhetorischen Figur „Elternschaft“ sollen neuerdings „Elternführscheine“ „Kinderführscheine“ und dergleichen Abhilfe schaffen. Denn 95 Prozent der Männer kümmern sich nach wie vor sich wenig bis gar nicht um Kinder. So genannte kinderwägenschiebende Ausnahmeväter reichern dann (neben dem Lob der Erziehungsqualität) das generelle Lob der Mütter an, die solch „brave“ Söhne“ erzogen hat. Das freut die Frauenschar im Park. Denn in den ohnehin schon verworrenen Verhältnissen wirft so eine Modifikation in den familiären Verhältnissen einen moralisch-liebevollen Schleier über, um einen authentisch stilisierten Schein der Humanität zu wahren.

Das dahinterliegende generationenübergreifende Denk- Handlungsmuster ist zählebiger denn je: Die vor allem aus ökonomisch prekären Verhältnissen stammende Frau sei traditionell für den Bereich der Reproduktion verantwortlich, worunter Erziehung des Nachwuchses, Versorgung des Ehemannes und gegebenenfalls Sorge um die eigenen Eltern fallen.

EKS: Wie ist es zu bewerten, dass selbst KPÖ und SPÖ Frauen den Muttertagskult lange Zeit betrieben haben?

KHU: Beide Parteien sind ideologisch patriarchal geprägt und haben ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Die maßgeblich von Frauen aus diesen Parteien erkämpfte ökonomische Eigenständigkeit von Frauen mit und ohne Kinder ist erst 33 Jahre alt, weil Ehefrauen bis 1978 ohne Einverständnis des Mannes gar nicht berufstätig sein konnten.

EKS: Wie erklären Sie sich das Spannungsfeld „Feministin-Sein und Mutter-Sein“?

KHU: Dieses Spannungsfeld gibt es schon deswegen nicht, weil die feministische Geschichtsschreibung zeigt, dass es vor allem Frauen mit Kinder waren und sind, die politisch etwas bewirken konnten zugunsten aller Frauen in systemimmanenten patriarchalen Politikformen. Allerdings vor allem jene, die sich in prekärsten Lebenslagen befunden haben und befinden. Sie boten und bieten dem zu jeder Zeit durchsetzungsmächtigen konservativen Feminismus politische Parole und Aufklärung und haben mehr Chance auf öffentliches Gehör. Kinderlose Frauen bleiben gesellschaftspolitisch irrelevant, weil das Mutterbild dort, wo es auch noch katholisch besonders aufgeladen wird, wie in Österreich besonders wirkungsvoll geblieben ist.

EKS: Wie könnte ein politischer „Mutter-Begriff“ aussehen?

KHU: Gar nicht, denn heute kann es darum nicht mehr gehen. Der „Mutter-Begriff“ war und ist ein ideologischer und daher nie etwas anderes gewesen als politisch und religiös konnotiert. Dass er bis heute sehr viel Unheil durch Doppelmoral und strukturell erzeugte Gewaltverhältnisse anrichtet, zeigt sich täglich in vielen individuellen Lebenslagen sehr deutlich.

Wer Kinder möchte, auf welchem Wege auch immer, trägt die Verantwortung dafür, egal in welch individuell gewählter Lebensform und sexueller Präferenz. Die politischen Rahmenbedingungen, damit Kinder weder ein Armutsrisiko sind, noch als Projektionsfläche für das eigene nicht gelebte Leben dienen, müssen in jeder Zeit aufs Neue politisch erkämpft werden.

10. Mai 2011 More

Rebellion: Smashing stereotypes of Arab women

The Arab revolutions are not only shaking the structure of tyranny to the core – they are shattering many of the myths about the Arab region that have been accumulating for decades. Topping the list of dominant myths are those of Arab women as caged in, silenced, and invisible. Yet these are not the types of women that have emerged out of Tunisia, Egypt, or even ultra-conservative Yemen in the last few weeks and months.

Not only did women actively participate in the protest movements raging in those countries, they have assumed leadership roles as well. They organised demonstrations and pickets, mobilised fellow citizens, and eloquently expressed their demands and aspirations for democratic change.

Like Israa Abdel Fatteh, Nawara Nejm, and Tawakul Karman, the majority of the women are in their 20s and 30s. Yet there were also inspiring cases of senior activists as well: Saida Saadouni, a woman in her 70s from Tunisia, draped the national flag around her shoulders and partook in the Qasaba protests which succeeded in toppling M. Ghannouchi’s provisional government. Having protested for two weeks, she breathed a unique revolutionary spirit into the thousands who congregated around her to hear her fiery speeches. „I resisted French occupation. I resisted the dictatorships of Bourguiba and Ben Ali. I will not rest until our revolution meets its ends, for your sakes my sons and daughters, not for mine,“ said Saadouni.

Whether on the virtual battlefields of the Internet or the physical protests in the streets, women have been proving themselves as real incubators of leadership. This is part of a wider phenomenon characteristic of these revolutions: The open politics of the street have bred and matured future leaders. They are grown organically in the field, rather than being imposed upon from above by political organisations, religious groups, or gender roles.

Another stereotype being dismantled in action is the association of the Islamic headscarf with passivity, submissiveness, and segregation. Among this new generation of prominent Arab women, the majority choose to wear the hijab. Urbanised and educated, they are no less confident or charismatic than their unveiled sisters. They are an expression of the complex interplay of Muslim culture, with processes of modernisation and globalisation being the hallmark of contemporary Arab society.

This new model of home grown women leaders, born out of revolutionary struggle, represents a challenge to two narratives, which, though different in detail, are similar in reference to the myth of Arab cultural singularity; they both dismiss Arab women as inert creatures devoid of will-power.

The first narrative – which is dominant in conservative Muslim circles – sentences women to a life of childbearing and rearing; women are to live in the narrow confines of their homes at the mercy of their husbands and male relatives. Their presence must revolve around notions of sexual purity and family honour; reductionist interpretations of religion are looked upon for justification.

The other view is espoused by Euro-American neo-liberals, who view Arab and Muslim women through the narrow prism of the Taliban model: Miserable objects of pity in need of benevolent intervention from intellectuals, politicians, or even the military. Arab women await deliverance from the dark cage of veiling to a promised garden of enlightenment.

Arab women are rebelling against both models: They are seizing the reigns of their own destinies by liberating themselves as they liberate their societies from dictatorship. The model of emancipation they are shaping with their own hands is one defined by their own needs, choices, and priorities – not anyone else’s.

Although there may be resistance to this process of emancipation, Tahrir Square and Qasaba are now part of the psyche and formative culture of Arab women. Indeed, they are finally given a voice to their long-silenced yearnings for liberation from authoritarianism – both political and patriarchal.

Soumaya Ghannoushi is a freelance writer specialising in the history of European Perceptions of Islam. Her work has appeared in a number of leading British papers including the Guardian and the Independent.

Quelle: www.forumsocialmundial.org.br

8. Mai 2011 More

„Frauen in der Politik – mehr Frauen in die Politik!“

„Frauen in der Politik –mehr Frauen in die Politik!“

Parlamentarische Enquete des Nationalrates 2009

24. April 2011 More

How to Play a Feminist

How to Play a Feminist

Shira Chess

Introduction: Feminisms Dont Play

This is not an essay about women. This is an essay about gender, about equality, and about the politics and power of play. More importantly, this essay is about feminisms.

Because feminisms dont play.

Feminisms work. And then work more. Feminist work is occupied with womens rights: in homes and in offices, with bodies, with technology, with health, and with politics. The feminisms of the past three hundred years have all been inextricably entangled with these matters of gravity and importance. As such, there has been no playtime in feminism. And why should there be: why would a series of serious social movements have time to concern themselves with feminine play or playful activism?

But it is time for a playful (and play-filled!) feminism.

In Gender Trouble, Judith Butler debates the political problematics of making women the subject of feminism. She asserts:

The juridical formation of language and politics that represents women as „the subject“ of feminism is itself a discursive formation and effect of a given version of representational politics. And the very feminist subject turns out to be discursively constituted by the very political system that is supposed to facilitate its emancipation. (4)

I would like to suggest that the politics of play is (a small) part of this complicated relationship between women and feminism. In the past, unfair representations of women as frivolous have created feminisms that often resist play. Of course, in reality, women are not, by and large, unplayful. Instead, representations of feminisms are often unplayful and limiting.

Being playful has power: it is infectious, unifying, and gratifying. As such, play can be a tool, a source of agency for feminists and activists to drive forward a sometimes stagnating political movement that has been trapped in cycles of serious self-importance, a work-obsessed feminism that often forgets the value of frivolity. My analysis hinges on a complicated relationship between feminism and play. In this relationship, authorized forms of feminine play are often marginalizing, and at the same time often decoded as „frivolity.“ This image of feminine frivolity is something feminisms have been trying to evade for hundreds of yearsand, thus, feminism and play are often at odds with one another. Theoretical aspects of masculine styles of leisure and play are often at odds with feminisms. This is further complicated when past feminisms responded negatively to playfulness, discouraging what is interpreted as behaving frivolously. Ultimately, I offer ideas about the value of more playful feminismsboth as an activist movement and as a cause unto itself. Admittedly, there is an inescapable cultural bias to my analysis of play, leisure, and feminisms. This essay does not seek to impose my cultural bias on the play styles of the world but, rather, open conversations to how we understand play, femininity, and (of course) feminisms.

I envision a feminism of play that has two primary goals. First, a playful feminism can be an advocate for feminine playsomething currently sorely lacking. Second, I see play as a potential tool to reignite activism in the feminist community. While these two things are very different, they emerge from the same core: both are affected by a dearth of feminine play. Ultimately, I propose that locating and embracing feminine play can help to engender better conversations about leisure and equality, and a better means to have that conversation.

Consumerism, Play, and Femininity: How About a Nice Shopping Game?

As I do not wish to be essentializing, I make no assumptions about how individual women choose to play. Instead, my focus is on gendered assumptions about feminine play and masculine play. And while individual play styles may vary wildly, feminine play styles do not. In turn, cultural assumptions about feminine styles of play naturally become enfolded into expectations of how women are expected to play. While feminism may not (as Butler suggests) be about women, and while femininity might not always map to women, these things easily become tautological loops of essentializations.

An example from my own experience will serve as an example of this. My academic research in gender and video games has often led me to use my mother as a guinea pig (as a captive audience; she often has no choice!). Like many other baby boomer women, she has never expressed any interest in video games and one day, in my frustration with her total indifference, I finally blurted out, What kind of video game would make you want to play?

She paused. How about a nice shopping game? she asked, earnestly.

I wanted to be surprised by this remark, but I wasnt. I realized that in the three-plus decades I had spent getting to know my mother, shopping was how we most often spent time together. For instance, when I, or my cousins, or her sister, would come for a visit, we would ritualistically scoop up my grandmother so that three generations of women could go wandering around the shopping mall looking for bargains at Macys, trying on lipsticks, and eating at the food court. This realization was unsettling, and yet I knew that my experiences of shopping-as-play were in no way unusual. Cultural assumptions of feminine shopping as play and sport are constant and consistent in the American cultural landscape. This is not to say that I am condemning consumerism or women for taking a part in it. It would be hypocritical of me to suggest that I am at all above sneaking away to Target for my play breaks from work.

But the more I thought about this comment, the more uneasy I became. Seeking another opinion, I mentioned this to a colleague. A shopping game? Wouldnt that be E-bay? she pithily replied. Indeed, I realized that gendered digital play, from video games to the internet, often takes on this consumerist guise. I soon became attuned to the word „play“ and its uses in feminine spaces. I found it often in cosmetics and skincare departments, and in advertisements promoting gigantic sales where women could go on shopping sprees. Within assumptions about femininity and generalizations about women, play is often inextricably linked to shopping and consumerism. And while masculinity is certainly not excluded from the shopping-as-play paradigm, there is an overabundance of stereotypes involving femininity, leisure, and shopping. On several occasions women have confessed to me a great distaste for the shopping rituals of Western femininity, but then almost always quickly add that they feel that not enjoying shopping makes them less feminine. To a similar end, men that I know that enjoy shopping often confess embarrassment of enjoying this supposedly feminine pastime.

Such anxieties are also often reflected in feminist thought. In Where the Girls Are, Susan Douglas discusses the complicated relationship, as it is perceived by many feminists, between women and shopping. Douglas suggests that advertising and media in the 1980s (and beyond) used feminist rhetoric to promote beauty and shopping to women. According to Douglas, advertisements commonly suggested that:

The ability to spend time and money on ones appearance was a sign of personal success and of breaking away from the old roles and rules that had held women down in the past. Break free from those old conventions, the ads urged, and get truly liberated: put yourself first. (246, original emphasis)

Similarly, associations between feminine consumerism and leisure are an unsurprising, and by no means new, area of scholarship. Shopping as leisure is a highly constructed category that has influenced (and been influenced by) our consumerist culture for over a century. For example, A. Fuat Firat writes of women and consumerism:

The femalespecifically, in visual culture, the female bodybecame the representation of the feminine, which was the ideal consumer in Western culture. She went shopping while he worked. She spent his money or earnings. Her frivolity in buying and consuming became a major topic of jokes in the culture. She was such a consumer that he had always to restrain her appetite for consumables. (210, my emphasis)

In other words, my mother is not alone. In Western culture, shopping is constantly represented as an allowable form of feminine leisure. Firats remark about the „frivolity“ perceived in shopping-as-leisure is notableit mirrors deeper implications about who is allowed to play in what ways, by gendered standards. It would seem that consumerism is one of the most sanctioned feminine forms of play, and yet it is economically marginalizing as an integral part of consumer culture.

To some extent, this obsession with shopping can be understood in terms of Althussers definition of interpellation. According to Althusser, individuals have a distinct relationship with ideologies. He suggests that individuals are hailed by ideologies, which (in turn) makes them a subject of that ideology. Althusser contends that while individuals are always-already subjects of their ideologies (84), being hailed involves a moment of recognition. Althusser illustrates:

There are individuals walking along. Somewhere (usually behind them) the hail rings out: „Hey, you there!“ One individual (nine times out of ten it is the right one) turns round, believing/suspecting/knowing that in reality these things happen without any succession. The existence of ideology and the hailing or interpellation of individuals as subjects are one and the same thing. (86)

In effect, Althusser is suggesting that the interpellation process is thoughtless and immediatethe Hey You is automatically interpellated and thus becomes part of how subjects understand themselves. In Bodies that Matter, Judith Butler takes Althussers interpellation a step further by suggesting that gender itself is interpellated. She relates this back to the moment of being born, when it is declared, Its a girl! or Its a boy! She explains:

Consider the medical interpellation which (the recent emergence of the sonogram notwithstanding) shifts an infant from an „it“ to a „she“ or a „he,“ and in the naming, the girl is „girled,“ brought into the domain of language and kinship through the interpellation of gender. But that „girling“ of the girl does not end there; on the contrary, that founding interpellation is reiterated by various authorities and throughout various intervals of time to reinforce or contest this naturalized effect. The naming is at once the setting of a boundary, and also the repeated inculcation of a norm. (7-8)

Thus, according to Butler, the interpellation of ideologies in general is simultaneously enfolded into the interpellation of gender ideologies. Just as the its a girl! moment helps the process of girling and constructs femininity in its always-already status, mass media and popular culture constantly reaffirm what it is to be a girl or a woman. And that process of interpellation can undeniably be said to include play practices.

If play can be understood as ideologically driven, then perhaps this gives us a clearer picture of how feminine play often turns into shopping and consumer culture. Just as there is an always-already expectation aligned with its a girl, later in life that same girl is always-already expected to treat shopping as a leisure activity. Of course, this is not to say that men do not shop, but media portrayals of masculine shopping and leisure are not nearly as embedded in the ideology of play. Along these lines, my mother could not possibly have thought of a video game other than a nice shopping game.

Masculinity, it seems, has more authorized, more important kinds of play, ruling domains such as sports and video gameswhat can be called agonistic play. For instance, in terms of video game play, both Henry Jenkins and Derek Burrill refer to typical video game play as masculinity par excellence. Burrill specifically discusses ways that video games are playgrounds for the construction and performance of masculinity or digital boyhood (2), arguing that the player is always already male (138). Similarly, research on gender and sports often focus on the inherent masculinity in sport culture. Michael Messner refers to sport as a contested terrain in terms of sex, but one often dominated by hegemonic masculinity, replete with its traditions of violence, sexism, homophobia, and militarism (4). Surely, these are not one-dimensional spaces and many women have found success in them, but by-and-large they are still governed by masculinity. As such, masculine play often involves gatherings of men playing and watching sports, or playing and watching video games. Agonistic playwhile competitivecomes from the Greek root which is slightly different from antagonism. It is about the camaraderie of competition. Whatever complaints one might have about steroid use in sports, or violence in video games, these things seem to be only by-products and anomalies. Masculinity, it seems, is permitted to define serious play, while femininity is relegated the aforementioned category of frivolousness

Of course, agonism is not the only kind of playbut it is certainly a form of play that is given weight and importance. What is essentialized as feminine play is often typified as frivolous: flirtation, gossip, and (of course) shopping. In Firats quote from above, she uses the word frivolity to describe what is often interpreted as womens obsession with shopping as leisure. This word is an important one, and I will later show how it has haunted feminist rhetoric for hundreds of years. Interpellations of women in terms of shopping and beauty often maps to feminist fears that women wont be taken seriously, and instead be seen as purely frivolous. But frivolity has its place. In Brian Sutton-Smiths The Ambiguity of Play, he writes of frivolity: No theory of play would be adequate if it did not leave scope for its own deconstruction and distortion into nonsense. Any earnest definition of play has to be haunted by the possibility that playful enjoinders will render it invalid (213). According to Sutton-Smith frivolity is the tool that will help us to better understand the core nature of play. So it isnt that women are stereotyped as never playing at all; but rather that their play is often taken less seriously. Feminisms (as I will explore later) are often portrayed as being entirely averse to play.

Defining Play and Leisure: Playing with Play

Johan Huizinga, one of the most prolific sociologists to ever write about play and games, wrote in Homo Ludens that play is a significant function of human life, and that Play cannot be denied. You can deny, if you like, nearly all abstractions: justice, beauty, truth, goodness, mind, God. You can deny seriousness, but not play (3). If what Huizinga says is true, if play is a significant, undeniable, and vital function of human life, then it is important to examine it. And, if what I propose is true, if femininity is at odds with this significant function, then there is a serious problem with frivolous repercussions (or vice versa!). Further, if femininity has such an ambivalent relationship with play, then we must ask how this has ultimately affected feminist thoughtboth in terms of advocating leisure and as a means of activism.

But what do I mean by „play“?a term that I have been tossing about loosely (until now) in this essay. Play is very neatly and cleanly defined by Katie Salen and Eric Zimmerman in their book Rules of Play as Free movement within a more rigid structure (304). While this definition might initially seem simplistic, it is its simplicity that allows it to be understood and negotiated into a variety of contexts. While their definition works for game-play, it also encompasses imaginative play, word play, and playing an instrument. The inherent tension between freedom and rigidity becomes the compelling part of this definition, and perhaps a useful means of understanding things that are not necessarily automatically understood as play. I will later return to the power of play and the usefulness of this broad definition in terms of feminist activism.

Leisure can be distinguished from play to a certain extent. Leisure studies (mostly housed in sociology) tend to define leisure either in comparison to work, or else in terms of „leisure industries.“ Leisure studies topics tend to focus on several areas of inquiry, although travel and sports studies are the most common. For the most part, leisure can be understood in terms of a persons free time activities and a state of mind that goes with them (Parr and Lashua). So, in many ways, leisure is similar to play but at a slightly larger scope. Play is an activity done in leisure timebut by its definition also implies more freedom than leisure.

Studies of women and how they spend their leisure time shed light on the larger issue of feminism and play. Leisure studies usually addresses the topic in terms of sexual difference: they consider how women spend their leisure time and the specific ways that this leisure time is often overwhelmed by non-leisure themes such as work, housework, and family. While, as I have already stated, my focus in this essay is on gender and feminism and not on womens specific practices, leisure studies is one of the only areas of inquiry that has paid any attention to feminine leisure practices. Thus, because feminism and femininity often map back to womens practices, these things all become inextricably linked. This essay is not about women, but in order to understand the tumultuous relationship between feminism and play it is necessary to examine the equally problematic relationship between women and play.

According to research on women and leisure, one of the key issues is time: either too much or not enough. With many women still juggling work and home life, in what Arlie Russell Hochschild refers to as the second shift, womens leisure often plays out in snippets of time: knitting, watching television, and shopping are frequently stereotyped feminine play activities. This kind of play never becomes fully immersive and is about wasting time and filling time, not necessarily about having real and full leisure time. Womens play is often also about making families happy: engaging in other peoples play.

In her recent essay Feminism and Leisure Studies, Rosemary Deem has rather neatly summarized the problem with women and leisure: while many feminist scholars have taken some note of an unequal leisure situation, it is difficult to know what to do with this information in order to correct it. Deem explains, There is much discussion about the importance [] of gender ideologies but little attempt to explore how these actually work in the field of leisure (265). This observation seems to be get to the heart of the problem. While feminisms have instigated dialogues about problems in work, home life, politics, and health, issues of leisure have not been treated with the same weight. And yet, the complicated relationship between femininity and play, I would like to suggest, is embedded in the past three hundred years of Western feminisms.

Historical Contexts: Feminisms and the Politics of Play

While all women are not necessarily feminists, and all feminists are not women, the tenuous relationship between femininity and play has often been mirrored by a tenuous relationship between feminism and play. As already noted, these tensions have often found form in rhetoric against „frivolity.“ Therefore, as frivolity has importance and value, it becomes essential to explore some of this rhetoric in order to better understand this complicated relationship between women, feminism, and play. My selection below highlights themes of feminine frivolity. This focus on frivolity (as opposed to play) was, in part, out of necessity. Showing examples of how something does not exist is a difficult task but, at the same time, there are patterns. I did not have to go far to find references to frivolity and felt that, in many ways, this concept contributed to a rhetoric that does not generally support leisure and play.

Many of the early feminists (such as Mary Wollstonecraft), through the American First Wave of feminism (the suffrage movement) and all the way through to Simone de Beauvoir, were trying to make women appear less frivolous. For example, in her Vindication on the Rights of Women, Wollstonecraft writes that men view women as a swarm of ephemeron triflers and that they are reckoned a frivolous sex. This sentiment (and resentment) continues through the writing of many early feminist figures with detrimental repercussions. Often frivolity was overtly eschewed in these discussions about womens rights. In order to show their equality to men, women overcompensated for frivolous reputations and downplayed play.

Later, these issues were echoed in the American suffragist movement. Because the primary issues for suffrage involved political and educational rights, many of the important speeches and writings of the period focused on intelligenceor rather, whether women had equal intelligence to men. For example, in the Declaration of Sentiments and Resolutions in 1848, Elizabeth Cady Stanton and her suffragist cohort said, Men, bless their innocence, are fond of representing themselves as beings of reason, of intellect, while women are mere creatures of affections (Stanton, 47). Similarly, in her Discourse on Women, Lucretia Mott explains:

The kind of homage that has been paid to women, the flattering appeals which have too long satisfied herappeals to her mere fancy and imagination, are giving place to a more extended recognition of her rights, her important duties and responsibilities in life. (74)

Thussimilar to WollstonecraftStanton, Mott, and other key members of the suffrage movement were primarily fighting a reputation that biologically designated them as frivolous: permanently incapable of making the adult decisions that men make. It was the driving need to combat this reputation of being emotional, frivolous, and childish that was essential to the womens movement of that time period. But, just as with Wollstonecraft, the negation of frivolity led to an eventual dissonance between feminisms, leisure, and play.

Admittedly, the leisure opportunities that were available to women in this period were only questionably playful. In her sociological study of American women (slightly before the suffragists), Harriet Martineau suggests that feminine leisure activities primarily served practical purposes and were ultimately shallow: As for the occupations with which American ladies fill up their leisure; what has already been said will show that there is no great weight or diversity of occupation (Martineau, 139). Thus, by Martineaus assessment, American women were just as limited in their leisure activities as they were in their working activities.

After the First Wave (and approaching the beginning of the Second), Simone de Beauvoir broaches these topics of play and leisure, but not in detail and primarily in reference to children. According to de Beauvoir, while boys are taught more competitive play styles from early childhood, girls are given play activities that initiate them into their destined sphere (281). Play and leisure for adult females does not particularly improve, either. Because womens leisure relies, in part, on the schedules of husbands and children, and must fit around the drudgery of housework or menial jobs, womens leisure time is more about wasting time and pleasing others. De Beauvoir describes the everyday plight of the married woman as constantly waiting for her husband to return home from work, only to be greeted by the disappointment it brings because of boredom and shallow intimacies. She writes, The evening is dull: reading, radio, desultory talks; each remains alone under cover of this intimacy. The wife wonders, with hope or apprehension, whether tonightat lastsomething will happen (475).While this discussion of leisure is notable (given the paucity of the topic in previous feminist rhetoric), she does not elaborate at great length or prescribe solutions.

More importantly, these remarks are not addressed by the Second Wave feminisms that were so deeply influenced by her. Rather, Second Wave feminisms largely abandoned this topic, focusing instead on serious causes: birth control, abortion, and advancing women in the workplace. And while these topics are all vital and necessary to furthering feminisms, they left little time for leisure: getting women into the workplace did not diminish their responsibilities at home, and so killed off any possible hope for promoting playtime. Feminist texts did not generally discuss women and leisure: they were too busy trying to get the serious stuff down

For example, in The Feminine Mystique, Betty Friedan explains that, post-suffrage, women were tricked by popular media back into a frivolous stance, pushing them to embody a mythological femininity as the happy housewife. She remarks, The image of women that emerges from this big, pretty, magazine is young and frivolous, almost childlike; fluffy and feminine; passive; gaily content in a world of bedroom and kitchen, sex, babies, and home (83). It seems that despite the hard work of the suffragists and other feminists in the early part of the twentieth century, Friedan shows that women were once again portrayed as childlike and frivolous. And, like her predecessors, Friedans call to arms involves dispelling this myth through career, through activism, and through stronger identity formation. But while these are logical and noble responses to being treated frivolously by men, there is no discussion (or understanding) by Friedan that frivolity might have its purpose too, in the form of play. As with previous feminist writing, Friedans depiction gets so caught up in the task of creating serious women that the identity formation of these women does not include room for play.

The one obvious exception to this would be the rhetoric supporting Title IX of the Education Amendments Act of 1972. This legislation is best known for seeking to give equal funding to womens sports, although it encompassed significantly larger territory than this.[1] While this struggle was important, the pro-Title IX rhetoric primarily advocated very specific kinds of play. A feminist stance regarding a right to play and leisure needs to be even broader, including women who both are and are not interested in sports.

Additionally, The Second Wave is notable for its use of playful tactics in activism. While this was not necessarily widespread, groups such as WITCH provided a more playful means of sending out a message. In the next section of this essay I will address play as activism, but for now it is important to note that even these groups did not necessarily advocate equal play as much as they advocated equal pay.

After the Second Wave, important voices such as Susan Faludi and Naomi Wolf continued to overlook play. Faludi, for example, fell into the trap of many of her predecessors, overcompensating for perceptions of feminine frivolity. Similarly, in Wolfs well-known book The Beauty Myth she takes on the seriousness of beauty, but does not recognize the problematic relationship between women and play within this equation, nor does she suggest alternative modes of beauty-related play. Ironically, she hits the nail on the head in her conclusion, asking:

Can there be a prowoman definition of beauty? Absolutely. What has been missing is play. The beauty myth is harmful and pompous and grave because so much, too much, depends upon it. The pleasure of playfulness is that it doesnt matter. Once you play for stakes of any amount, the game becomes a war game, or compulsive gambling. In the myth, it has been a game for life, for questionable love, for desperate and dishonest sexuality, and without the choice not to play by alien rules. No choice, no free will; no levity, no real game. (290)

Wolf is absolutely correct in these assertions but there are still two major problems within her observations. First, she does not recognize that the problematic relationship between women and play has contributed to this phenomenonthat women are using beauty as a form of play and that this deeply complicates an already complex problem. Second, she offers no real answer or solution to how women might go about finding this playful sense of beauty. In many ways, Wolf creates an impossible paradox for womenone that can be seen reflected in the nice shopping game remarks my mother made.

The Third Wave of feminism has touched on some of these issues, albeit often with mixed messages similar to those of the previous generations of feminists. In many ways, the Third Wave is about reclaiming individual narratives. In Jennifer Baumgerdner and Amy Richards Manifesta: Young Women, Feminism, and the Future, they suggest that it is attention to individual narratives that makes the Third Wave unique. They explain, On every Third Wave Foundation membership card, for example, there is a place that asks, My issues are?, and no two cards have ever listed the same answer (47). Because a broader number of stories are told in the Third Wave, the space becomes more feasible for more narratives (both playful and unplayful) to be told. At the same time, the play and leisure of women is not a subject that has been focused on to any large extent in recent years. Perhaps many feminists today still have a fear of not being taking seriouslymaybe not for the same reasons that Mary Wollstonecraft or the suffragists wrote of, but for new reasons that are just as pressing (for example, fighting media impressions that feminism is dead). The confluence of many voices in the Third Wave is ripe for discussions of equal play. Todays feminisms need to reclaim play as an important facet of life. As Sutton-Smith suggests in his writing about frivolity as a form of play, frivolity is a valuable means of understanding the very nature of play itself. Frivolity is important. Instead of seeing frivolity as a negative image for women, and damaging to the causes of feminism, feminists should embrace the nuances of frivolity, and advocate play for all. Next, I will show how play also has potential for new forms of activism.

A Free (Womens) Movement: Play as Activism

It seems only fair to ask how something as serious as feminismor any activist cause, for that mattercan be benefited by more playfulness. After all, wouldnt play and frivolity potentially only play down the seriousness of a cause? But play has power that exceeds its own boundariesit is free movement within a more rigid structure (Reference) and if we were to consider the hegemonies and patriarchies of Western culture, it would seem that the definition of play that I have chosen (the notion of getting to move about freely) is precisely what feminist activists hope to gain. Salen and Zimmermans definition becomes particularly salient and useful when play is combined with activism. In essence, play spaces can become staging areas for feminist activism. This is something that some groups began to experiment with in the Second Wave, and something sorely needed by todays feminist movements.

As already mentioned, perhaps the most playful period of feminist activism to date was during the Second Wave. Activist groups such as WITCH used what can be considered playful tactics to carry out serious messages. In Sporting with the Gods: The rhetoric of play and game in American culture, Michael Oriard suggests that many feminists of this era were indeed deeply entwined in playful philosophies through debates over sexuality and in a radical feminist utopian vision (481). He explains:

What unites these different concerns is their common emphasis on articulating and realizing womens desires, freed from patriarchal oppression. The rhetoric of play in these two contexts has tended to come from different groups within feminism: utopian play from radical essentialist. Play can embody a number of radical feminist ideas: nonseparation from nature, rejection of domination, celebration of the female body and of intuition and feeling. (481)

Indeed, protest-play such as the WITCH protest at the 1969 bridal show in Madison Square Garden had playful and performance-centric elements: activists set free mice, wore black veils, and chanted Here come the slaves, off to their graves (Echols 97-98). Creative protests such as these have the power to help people move beyond their typical ways of thinking. Similar protests include WITCHs hex on Wall Street as well as the famous protest at the Miss America Pageant of 1969.

However, this playful activism was only a small part of the Second Wave movement, and was not often replicated. Additionally, it was often and easily conflated with much harsher (and less successful) attempts at activism during that era. SCUM (or the Society for Cutting Up Men) most obviously sits at this boundary between playful and non-playful feminisms of this era. Valerie Solanis famous SCUM Manifesto articulates much of the second wave frustration. Solanis writes:

Life in this society being, at best, an utter bore and no aspect of society being at all relevant to women, there remains to civic-minded, responsible, thrill-seeking females only to overthrow the government, eliminate the money system, institute complete automation, and destroy the male sex. [] The male, because of his obsession to compensate for not being female combined with his inability to relate and feel compassion, has made the world a shitpile. (Solanis 514-515)

While this manifesto is to a large extent tongue-and-cheek, it simultaneously draws an unplayful line in the sand. Solanis SCUM Manifesto manages to be both playful and unplayful at the same timethe Manifesto rhetorically plays with (and turns around) past sexist assumptions to show its problematic nature, but at the same time appears unwavering and inherently morally superior. Further, one might even suggest that documents such as the SCUM Manifesto helped to carve an unplayful image of feminism (intentionally or otherwise) that filtered into future generations. Similarly, groups such as the radical feminist Cell 16 helped to construct non-playful images with their journal, No More Fun and Games. The message of abandoning play became an implicit part of how the public, the media, and many feminists themselves came to understand feminism. While the playfulness of WITCH may have been a useful tactic, the seriousness of groups such as SCUM and Cell 16 is the image that stuck. These small pockets of play that were found in the Second Wave were, in large part, unfortunately lost in most of the post-feminist voices of the early 1990s.

In WITCHs demonstrations, they created what I would characterize as a magic circle of play. Salen and Zimmerman use this idea, loosely borrowed from Huizinga, and they describe the magic circle as a play space where a player is able to enter, and subsequently work with different rules than that of everyday reality (95). In discussing these boundaries they explain:

As a closed circle, the space it circumscribes is enclosed and separate from the real world. As a marker of time, the magic circle is like a clock; it simultaneously represents a path with a beginning and end, but one without beginning and end. The magic circle inscribes a space that is repeatable, a space both limited and limitless. In short, a finite space with infinite possibility. (95)

There are numerous aspects to Salen and Zimmermans description of the magic circle that are strikingly relevant to my discussion of feminism(s) and their relationship to play. The magic circle is a space where participants are able to work with rules that are alternate to those they encounter in real life. By „stepping in“ to the magic circle, the players are neither complying entirely with their own rules nor are they simply obeying the rules of a game; there is a tacit agreement with the other players (or with themselves) that certain boundaries are to be maintained when existing in this alternate space. Thus, the space constructed by magic circles of play helps to create a staging area, where alternative rules and alternative realities are accepted and negotiated.

As already noted, the Third Wave emphasis on individual issues and narratives is particularly primed for playful feminist activism. One possible means of doing this might be through what is known as Alternate Reality Games (ARG). According to Jane McGonigal, an ARG is:

An interactive drama played out online and in real-world spaces, taking place over several weeks or months, in which dozens, hundreds, thousands of players come together online, form collaborative social networks, and work together to solve a mystery or problem that would be absolutely impossible to solve alone. (qtd in Jenkins 250)

While many ARGs have been part of marketing campaigns in order to promote forthcoming products, this collaborative and social form of play is ripe with activist potential. On a smaller scale, Katie Salens projects such as Karaoke Ice (a project where an ice cream truck had city dwellers sing publicly for their ice cream) or The Big Urban Game (where participants were asked to vote daily on the most efficient routes between changing checkpoints in a city) (Salen) could easily model playful activism for younger generations of feminists. These kinds of projects are ideal for getting new people involved and reinforcing communities. It is time for this kind of newer, activist play.

Play-as-activism is powerful because it can be overlooked by those who are not in the magic circleas a separate space it provides both freedom and privacy from the hegemonies that guide culture. Treating play as activism (and activism as play) can provide a powerful tool for feminists to push forward a cause that has lain stagnant for many years. Live public play spaces need to be constructed specifically for women to facilitate community, solidarity, and dialogue. These spaces can be non-serious, non-threatening and not already overrun by masculine play. With the growth of online gaming, these public spaces are opening up into virtual spaces, creating limitless possibilities for potential forms of playful activism. Virtual game worlds such as World of Warcraft and Second Life only begins to suggest the possibilities that are opening up through internet gaming.

Through play, feminist activism can find a new kind of power. The ambivalence of feminisms towards play has ultimately limited feminist causes. The seriousness and non-playful activist approaches have long given fodder to conservative pundits. Playful activism can begin to combat this image, and prove media depictions of stringent feminisms wrong. Play is power.

Conclusion: The Playful is Political

Playful does not mean dismissive. Frivolous does not mean ignorant. Embracing one of these things does not automatically mean being associated with the other. Instead, it means that, along with gravity and importance, we must embrace the ridiculousness and lightness of a cause. Along with work, we must make time for play. Play is not just for children: masculinity has long integrated play into the everyday and feminism needs to do the same (not through emulation but through experimentation).

Play can adopt two important roles within the feminist community. As I have demonstrated, it can be a means of activism and it can also take on a role of advocacy. If feminism, as an activist movement, uses more playful tactics then it is more in a position to advocate for feminine playa cause that (as I have demonstrated) is necessary and underrepresented. Feminist rhetorical style needs to mimic feminist causes (or, to put it simply, we must practice what we preach).

We cannot possibly know, yet, what feminine play might look like. My mother is looking for her nice shopping game.“ At the same time Bust magazine has been pushing the fiber arts of knitting, crocheting, and sewing. But the frag dolls, the riot grrls, and women in sports all have different ideas. And all of these carry the old essentializations and baggage of the past few hundred years of feminisms. My point is not that any of these acts of play are wrong but rather that Western feminists need to start examining play more carefully and examining how it can be used to subvert patriarchal norms, to promote equal rights, and to ignite new forms of activism.

Everyone knows that we live in a time of fractured feminisms. Through finding more feminine forms of play, and through embracing playful activism, feminism can make new headway. Play is unifying, powerful and strong, and although frivolous, play can have a purpose. Because the playful can be political too.


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19. April 2011 More