Inge Stecher-Schubert, 3. Dezember 1942 – 11. Juni 2026

Im Gedenken und Würdigung

Inge Stecher-Schubert 1942 – 2026

Stimmen in gemeinsamer Verbundenheit und Trauer von Aktivistinnen der Wiener KPÖ Grundorganisation Argefem, der Plattform 20000frauen, dem Netzwerk Frauenrechte von Amnesty International und dem Verein Frauenhetz

 

Das Jahr weiß ich nicht mehr, aber den Anlass, bei dem wir uns kennenlernten. Es war ein 2.Juni, der internationale Hurentag. Inge war aktiv für die Frauengruppe von Amnesty International dabei, ich für die KPÖ. Im Gespräch lernte ich ihre Vielseitigkeit kennen, beruflich, künstlerisch, vor allem aber auch ihre vielseitige politische Seite als überzeugte feministische Marxistin, die wir etwas später nach einem Beitritt gemeinsam in der KPÖ verfolgten. Ihr plötzlicher Tod hat mich zutiefst erschüttert, hatten wir noch eine Woche davor Pläne für den Sommer geschmiedet. Ich erhielt folgende Antworten von gemeinsamen Freundinnen, die meine Trauer teilen.

Heidi Ambrosch

 

Vor meinem Fenster der Kirschbaum. Die Früchte sind erst in wenigen Wochen reif. Das ist die Zeit der Frauenseminare der ArgeFem im Waldviertel, an denen Inge oft teilgenommen hat. Sie ließ es sich nicht nehmen, auf die Leiter zu steigen und Kirschen zu ernten, unsere besorgten Zurufe ignorierend kam sie stolz mit einem Korb roter Früchte zu uns.

Unter der Weinlaube unsere Gespräche bis tief in die Nacht übers Altwerden. Bei einem Glas Wein ließ sich die Schwere eines Pflegealltags leichter in Worte fassen. Inge immer verschmitzt lachend, trotzdem. Und Inge, immer nach einem wunderbaren Parfum duftend, erzählte uns von den Rosen in ihrem kleinen Gärtchen, die um diese Zeit blühen. Und von den Kämpfen des weiblichen Teils der Weltbevölkerung, in die sie durch ihre Arbeit bei Amnesty International Einblick hatte.

Das nächste ArgeFem-Treffen hätte in ihrem kleinen Gärtchen stattfinden können. Die Natur geht ihren eigenen Weg.

Bärbel Danneberg

 

Inge war eine der belesensten Frauen. die ich kenne. Ihr Interesse an Literatur war breit gefächert, sicher über ihre Arbeit an Theatern inspiriert. Aber sie hat auch immer einen Blick auf neue feministische Bücher gehabt und Empfehlungen an uns weitergegeben. Inge fehlt.

Claudia Krieglsteiner

 

Für uns jüngere Genossinnen war es ein großes Glück, so eine kluge und außergewöhnliche Frau wie Inge zu kennen – sie hat nicht ein, sondern mindestens drei volle Leben gelebt und wir haben sie immer noch voller Energie, Widerspenstigkeit und Liebenswürdigkeit erlebt. Sie brachte zu jedem Treffen, jedem Gespräch ein Interesse an der Welt mit und war bei jeder Diskussion engagiert dabei. Zu fast jedem politischen Thema hatte sie eigene Erfahrungen parat, die sie als spannende Geschichten verpackte und mit Witz und der angebrachten Respektlosigkeit vor der vermeintlichen Unveränderbarkeit der Verhältnisse erzählte. Gerne halten wir uns Inge so in Erinnerung: immer schick gekleidet, nach Möglichkeit mit Zigarette in der Hand, ein schelmisches Funkeln in den Augen und die felsenfeste Überzeugung, dass wir den Kampf für die Befreiung aller Frauen gemeinsam führen müssen. Vielen Dank für deine Mühen.

Barbara Urbanic & Ines Konnerth

 

Inge kennen zu lernen war nicht nur Glück, es war eine Türöffnung für einen sehr weiten Blick auf die Welt. Sie war Zuhörerin und auf sehr ruhige Art Partnerin im Gespräch. Für Inge war der Mensch mit seinen Unzulänglichkeiten im Mittelpunkt. Mit ihr gemeinsam diese Welt in eine solidarische zu verändern – das hätte ich mir vorgestellt.

Susanne Empacher

 

Liebe Inge, viele Momente der Freude, der gemeinsam gerauchten Zigaretten, aber auch der Literaturvermittlung verbinden mich mit dir. Deine spontanen Zitate aus Rose Ausländer und Nelly Sachs sind ebenso unvergessen wie deine Geburtstagsfeste „Unter der Brücke“ in der Wipplingerstraße oder die Einladungen zu dir nach Hause. Am Volksstimmefest warst du immer eine der letzten, die das Feld geräumt haben. Ebenso unvergessen ist dein Engagement bei der Plattform 20000 Frauen, sind die unzähligen Plena, an denen du teilgenommen hast, die feministischen Tischgesellschaften auf der Mariahilferstraße, bei denen du nie fehltest. Zu den KPÖ-Frauenseminaren in Krug gehörtest du ebenso wie zu den Parteitagen der KPÖ, wo du dich zuletzt dafür ausgesprochen hast, die unbezahlte Care-Arbeit von Frauen (die du selbst jahrelang, deinen Mann pflegend, geleistet hast) nicht zu vergessen. Wir werden deine Freundlichkeit und deine inspirierenden Beiträge zu jedem Gespräch sehr vermissen. Möge die Erde dir leicht sein!

Hilde Grammel

 

Obwohl ich Inge nicht so lange gekannt habe wie viele andere Genossinnen, hat mich die Nachricht von ihrem plötzlichen Tod sehr getroffen.

Sie bereicherte unsere ArgeFem-Treffen mit ihren klugen Gedanken, persönlichen Erfahrungen und Geschichten aus ihrem jahrzehntelangen feministischen und politischen Engagement sehr. Ihre Beiträge waren inspirierend, erfrischend ehrlich und direkt, manchmal auch humorvoll, aber immer von großer Menschlichkeit geprägt.

Auch wenn sie äußerlich vielleicht etwas zart wirkte, so entschlossen setzte sie sich für die Anliegen von Frauen ein. Egal ob bei Regen, Kälte oder Hitze, Inge war bei Treffen, Kundgebungen und Aktionen immer wieder dabei und brachte ihre Stimme ein. Sie wird fehlen, aber die Erinnerung an sie bleibt.

Štefica Gazibara

 

Selbst eingespannt in Sorgearbeit, setzt Inge sich den schlimmen Tatsachen und Bildern aus, will nicht hinnehmen, was Menschen angetan wird im Namen von Besitz, Macht, Geschlechterverhältnissen und wehrt sich, herzlich solidarisch verbunden mit anderen – liebt  weiblichen Witz und List – es schmerzt, denken zu müssen, dass sie nicht mehr dabei ist.

Cornelia Renoldner

 

Inge habe ich bei der Plattform 20000frauen kennengelernt und mit ihr gemeinsam so manche unvergessliche feministische Aktion umgesetzt. Inge hat mich immer durch ihre Herzlichkeit, ihren Witz und ihre überlegten Analysen beeindruckt.

Brigitte Theißl

 

Inge –  Deine dunkle Stimme, Dein Witz, Deine Freude an subversiven Aktionen. Unvergesslich, wie wir gemeinsam in Perlenketten die Alpha Frauen besuchten und  Frau Mikl-Leitner, damals nagelneue Innenministerin, vor ihren ÖVP Freundinnen zu Folter und Abschiebung befragten. Inge war mutig und gesellig, tiefsinnig und der Welt und den Jungen zugewandt. Wir werden Dich vermissen.

Ulli Weish

 

Inge als rabiater Fundi-Bischof, der uns Pro Choice Aktivistinnen bei unsrer kleinen Performance mit wütend geschwungenem Bischofsstab bedroht hat.

Und mit Inge im Pegida Kessel, wir mussten ewig darin stehn und wurden dann nur einzeln rausgelassen, nach Identitätsfeststellung. Inge empört zu einem Polizisten: das letzte Mal hab ich sowas in der DDR erlebt!!

Danke Inge, so wirst du mir in Erinnerung bleiben!

Brigitte Hornyik

 

Ich habe Inge noch im Winter bei einem Abend zum Widerstand im dritten Reich der Architektin  und Kommunistin Margarete Schütte-Lihotzky im so auch genannten Schütte-Lihotzky Zentrum getroffen. Wir haben uns beide nach so vielen Jahren wechselseitig erkannt und miteinander gesprochen. Sie war „klein“, zart und zerbrechlich, aber sehr lebendig. Ihre Tochter war mit ihr da. Ich wollte von dieser Begegnung schreiben, habe es dann aber vergessen. Und nun diese traurige Nachricht.

Eva-Maria Jenkins-Krumm

 

Ich kannte Inge leider nicht sehr lange, als ich im September 2022 dem corona bedingt etwas reduzierten Netzwerk Frauenrecht beitrat, begann sie sich schon langsam zu verabschieden. Aber ich habe Inge in sehr guter Erinnerung: Nachdenklich und analytisch, klug, agil und aktiv.  Laut lachend beim Volksstimmefest. Wir werden Dich nicht vergessen.

ich habe Inge in sehr guter Erinnerung: Nachdenklich und analytisch, klug, agil und aktiv.  Laut lachend beim Volksstimmefest. Wir werden Dich nicht vergessen“

Dorothea Sturn

 

Inge war ein richtig großes Vorbild für mich, so ruhig und besonnen mit wunderbarem Schalk im Nacken, und gleichzeitig dieser unglaublichen Kraft im Widerstand gegen Ungerechtigkeit, Benachteiligung und Ungleichbehandlung! Und sie war so schön! Danke für alles!

Bettina Frenzel

 

Inge – du Liebe, du Kluge, du Ehefrau, du Politische, du Mutter, du Belesene, du Dame, du Feministin, du Bescheidene, du Engagierte, du Beständige – sei umarmt für immer.

Birge Krondorfer

 


Inge Stecher-Schubert beim Volksstimmefest 2023
Foto: B.Frenzel